Sizilien oder Bulgarien? Bulgarien oder Sizilien?  Die Würfel fielen um etwa Weihnachten 2012 für Bulgarien. Belogradchik. Soll ein „Klein Meteora“ sein, aber mit festerem Fels. Das hört sich doch gut an. Martina und Walther kümmerten sich dankenswerterweise um eine Unterkunft vor Ort. Und dann gings los:Bulgaria-map2013

Samstag 27.04.2013   Es war ja genug Zeit, einen passenden und günstigen Flug auszusuchen. Tegel war Bedingung. Dann drängte sich für den Hinflug AirBerlin förmlich auf, um endlich mal die angesammelten Meilen abzufliegen. So kostete der Spaß für 2 nur 133.- Euro.  2 Stunden später schon setzten wir zur Landung in Sofia an und flogen über ausgedehnte Plattenbausiedlungen und das Stadion von Levski Sofia, vielfacher bulgarischer Meister.

Start-Tegel-27-04-2013

Levski-Sofia

Als Fortbewegungsmittel hatten wir dieses Mal einen Klein- SUV namens Suzuki SX4 ausgewählt.  Hintergrund: als Beate vor 2 Jahren auf Autosuche war, hatten wir den Typ kurzzeitig im Visier. Da aber kein Händler aufzutreiben war, der einen Wagen zur Probefahrt stellen würde, war die Idee auch schnell wieder vergessen. Für 9 Tage kostete uns die Probefahrt (wie immer über www.billiger-Mietwagen.de bestellt) gut 300.-. Wer steht denn da ewig diskutierend mit dem Rücken zu uns am  National- Schalter? Eher aus Quatsch sage ich „sind das welche von den Unsrigen?“  Richtig!Bet-und-Las-National

Betti und Laszlo fuhren dann zu ihren Couch- surf- Gastgebern, während wir unser neu erworbenes Navi auf das Sofia Place Hotel programmierten. Dieses sollte nach booking.com  in der Innenstadt in einer ruhigen Seitenstraße liegen, was  auch stimmte.  Jenes, das Navi Becker Ready 45, führte uns sicher durch Stadt und Land, mußte aber trotzdem nach der Reise ins Mediamarkt- Regal zurück, weil es keine Höhenangaben anzeigte und, vor allem, fast nicht dazu zu bewegen war, sich aus der Halterung an der Frontscheibe zu lösen. Das Hotel war eine gute Wahl, das Zimmer im obersten, fünften Stock, hatte vom Balkon eine super Aussicht über die maroden Dächer von Sofia bis auf die schneebedeckten Höhen des Vitoscha- Gebirges. Nach gründlichem Lüften war auch der Tabakmief der Vorgänger verflogen.Panorama-Sofia-Place-HotelUnd schon folgte der nächste Höhepunkt. Nach einem kurzen Bummel durch die Fußgängerzone hatten wir genug von Sofia gesehen und suchten ein nettes Lokal. Aber das Angebot hielt sich überraschenderweise in Grenzen.  Zufällig hatte ich vorher mal bei Qype.de reingeschaut, was denn in Sofia empfehlenswert wäre und hatte mir das Hadschidraganovite Isbi aufgeschrieben, weil es in der gleichen Straße wie unser Hotel lag. Bis 22 Uhr durfte man draußen im Innenhof sitzen, dann muß man wie im Friedrichshain wegen der Nachbarn nach drinnen. Der aufmerksame Kellner hatte uns schon einen Tisch freigehalten. 3 Musikanten (Akkordeon, Flöte, Pauke) sorgten für kitschige Urlaubsstimmung.Nach dem Bezahlen hörten wir aus dem Untergeschoß beim Weggehen die Musikanten spielen. Neugierig gerieten wir in eine bulgarische Familienfeier. Das Überraschende war, dass die jungen Frauen und Mädchen tatsächlich, als ob es ganz normal wäre, einen Kreistanz per excellence aufführten. Schön. Wir trollten uns ins Hotel, genossen den Absacker auf dem Balkon mit Blick über die Stadt und schlummerten seelig bis zum nächsten Morgen

isbi-geraldisbi-beate

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sonntag 28.04.2013  Nach normalem Frühstück schnappten wir unsere Sachen und liefen (ich) bzw. fuhren mit dem Gepäck im Lift (Beate) vom 5. Stock  in den Keller in die „Tiefgarage“. Bis dahin hatten wir tapfer den 1 m²-Lift gemieden. Der Gedanke, am Wochenende bei Stromausfall oder Defekt stundenlang lebendig begraben zu sein, war zu unerfreulich. Die Garage war ein ausgebauter Keller mit Autoaufzug, um wieder nach oben zu kommen. Das Fahrzeug darf aber keinen cm größer sein als unser Suzuki, dann ist weder Platz im Aufzug noch im Keller.  An der Ausfallstraße nach Norden halten wir nochmal an einem Supermarkt (sonntags haben in BG die Lebensmittelgeschäfte und Supermärkte größtenteils geöffnet) und nehmen dann die vom Navi angezeigten 4 Stunden bis Belogradchik in Angriff. Die Gegend wird schnell ländlich und dann mittelgebirgig. Stara Planina steht auf der kleinen Landkarte, die zum Auto gehört. In Erinnerung blieb die ansonsten unspektakuläe Strecke bei uns und den Anderen, weil hunderte oder gar tausende Schlaglöcher und Bröckelstellen rechteckig ausgefräst worden waren aber keiner sich um das Verfüllen gekümmert hatte. Unserem SUV machte das relativ wenig, aber die Kleinwagen wurden mächtig durchgerüttelt.viele-Pferde

Dann tauchen sie auf: rote Felsen. Wir sind da! Strahlender Sonnenschein, tiefes Grün, saftiges Gras, frisches Laub, 28°C und eine Woche Urlaub. Was will man mehr? Wir tuckern 1 x durch B. und versuchen dann, den Faden aufzunehmen.Eine kleine Gaststätte an der Straße im Wald kann den Karten im Kletterführer zugeordnet werden und wir gehen mal los. Der erste Weg endet im Nichts, aber der zweite Versuch auf der anderen Straßenseite funktioniert. Dort, wo nach Lageskizze Felsen sein sollen, sind auch welche. Nur, fester als Meteora? Na ja, ist vielleicht ein extrem bröckeliger Abschnitt hier. Auf einer III wird die erste Quacke bestiegen,der „Wachhund“. Kein Gipfelbuch, nur ein nierenförmiger Abdruck in einem Betonklumpen. Aber ein Bohrhaken zum Abseilen ist da. Das Gelände zwischen den Felsen ist dicht bewachsen, Pfade sind kaum auszumachen. Dann identifizieren wir die nächste Quacke: die Holde Isolde. „Wilde Expedition“, wieder III. Über gestuften Fels, Übertritt, kurze Wand erreiche  ich den ersten Gipfel mit Kassette. Sah kürzer aus als es dann war, nämlich fast 30 m. Nun erklärt sich der nierenförmige Abdruck von vorhin: als Gipfelbuchkassette haben die sparsamen Erstbesteiger alte Armee- Kochgeschirre verwendet. Und mit Draht festgebunden. Draht rostet, Büchse fast weg. Ich opfere meine dünnste Reepschnur und fixiere die Dose für hoffentlich die nächsten paar Jahre. Im  Gipfelheftchen können wir uns als siebente Besteigung mit Berg Heil 2013  verewigen. Und wieder nur ein einsamer Bohrhaken in dem bröseligen Gipfelkopf! Während Beate abseilt, bin ich die ganze Zeit bereit, in die andere Richtung zu springen, falls der Haken kommen sollte. Was für Chaoten waren denn hier unterwegs? Aber wir befinden uns im Quackengebiet, denke ich. An den großen Gipfeln wird es bestimmt besser werden.

Holde-Isolde-Gipfelkassette

Holde-Isolde-7te-besteigung

Holde-Isolde-Abseile

Dann wenden wir uns endlich unserem Quartier zu. Kurz vor B. zweigt eine Straße in 18 km entfernte Dorf Stakevci ab. Diese windet sich durch idyllische  und ländliche grüne Landschaft immer am Bach entlang. Es sieht in den wenigen Dörfchen kaum anders aus als wohl vor 25 Jahren ausgesehen haben könnte. Schaf- und Ziegenherden, Hirten mit ein paar Kühen, Katzen, Hunde, notdürftig in Schuß gehaltene Häuschen, verrottende Zäune, Mütterchen und alte Männer auf Bänkchen vor den Häusern. Nicht unangenehm. Als der Punkt mit den erhaltenen GPS- Daten erreicht ist, sind wir zwar im Ort, aber von „Stakevci Houses“ ist nicht zu sehen. War da nicht vorhin ein kleiner Wegweiser? Genau. An der Brücke rechts abgebogen und schon sehen wir Walther und Ilona im Garten sitzen. Wir haben noch die Auswahl an freien Zimmern und wählen das am dichtesten am Bach gelegene. Das ständige Rauschen beruhigt und übertönt sicher eventuelle Störgeräusche. Auf dem 2000 m²- Grundstück stehen 2 Wohnhäuser, eine überdachte Terrasse mit drunterliegendem beheizbaren Aufenthaltsraum, noch ein offener open-air- Aufenthaltsraum, Sonnenliegen, ein kleines Wasserbecken und was nicht noch alles. Sehr gemütlich das Ganze. Es ist schon gegen 20 Uhr und die Hauherrin serviert das erste Abendessen. So lecker, dass wir schließlich jeden Abend in großer gemütlicher Runde hier dinieren. Es gibt immer einen großen Salatteller, einen Teller Hauptgericht (so lecker, dass man sich auch mal mehr wünschen würde) und ein großes Stück frisch gebackenen Kuchen, das dann meistens gar nicht mehr ‚reinpasst.

Montag  29.04.2013   Die ganze Truppe macht sich auf den Weg in die Felsen. Dort angekommen, trennen sich die Powerer von den Zurückhaltenderen. Wir, die Letzteren, Beate, Betti, Laszlo und Gerald, streifen von Quacke zu Quacke, auch an größeren Brocken vorbei, um ein paar kürzere Klettereien an festem Fels bei ordentlicher Sicherung zu finden. Wir kommen bestimmt an 2 dutzend Felsen vorbei, von denen keiner diese Anforderungen erfüllt. Und das nicht nur  auf Wegen oder Pfaden, sondern meistens durch Gebüsch und Unterholz. Beate und ich sacken einen I-er Kamin, weil man im Ausstieg Angst bekommt, dass der ganze Haufen zusammen fällt. Dann finden wir doch noch ein Opfer, den „Doppelzahn“ und Laszlo kann über den AW III seinen ersten Gipfelsieg verewigen. Am gleichen Gipfel gönnen wir uns noch v.o.g. die „Hakenpremiere“  V, allerdings ohne Laszlo. Abends holen wir 4 im Ort ein paar Getränke und genießen die schöne Stimmung an der Aussicht oberhalb des Ortes.meine-erste-gipfel2

meine-erste-gipfel

Laszlo-Doppelzahn

Betti-SchattenMo--Abend

Dienstag 30.04.2013 Es gibt einen heißen Tip: Großer Klaus. Während wir gestern an den Quacken rumgestolpert sind, haben Walther und Co. eben Diesen bestiegen. Immer ein Ring, wenn einer gebraucht wird, so die Beschreibung. Von unten sah das Teil furcherregend aus, aber wenn man erstmal die Wandstufe erklommen hat, relativiert sich das Ganze schon etwas.  Andreas verabschiedet sich mit den Besten Wünschen von Martina und hebt ab. Erst geht es  über einen morschen Felsrücken, dann steht er vor der Gipfelwand. VIIa. In der Tat sind genügend Haken im einigermaßen festen Fels und schon isser oben. Der Rest folgt dankbar: Lothar, Ingrid, Gerald. So richtig wohl ist mir in dem Gestein auch hier  nicht, aber zurückblickend war es einer der schönsten Wege.

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Gr.Klaus-AW-VIIa

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Loch-mit-Reiter-und-Pferd

Auf der gegenüber liegenden  Seite der Schlucht  kletterten Ilona, Helmut, Walther und Andrè am Schwalbenschwanz.Schwalbenschwanz-AW-VIIaDer Tag ist noch jung und weiter geht’s.  Im Kletterführer lockt die Skizze eine Gipfels names „Gassenjunge“. In regelmäßigen Abständen waren im Verführer 7 Haken zu sehen. Dass diese sich über 60 m verteilen, offenbarte sich erst , als wir vor der himmelhohen Wand standen. Und das nicht allein. Helmut und Co. hatten die gleiche Idee. Wir sind also nett und lassen ihnen den Vortritt und gehen zum Schwalbenschwanz.  Der alte Weg VIIa sieht sehr einladend aus, will aber vom 1. zum 2. Haken erstmal geklettert sein.  Aber unser Andreas macht das schon.

Schwalbenschwanz-AW

GB-Schwalbenschwanz-AW

Nun waren aber wir  dran mit dem Gassenjungen. Der „Gassenhauer“  VIIa von Manfred Vogel ist ein Gedicht. Auf den 60 m zwar ziemlich weite Hakenabstände, aber nie, dass es dadurch gefährlich wäre. Nur der auch hier etwas bröckelige (wenn auch in Maßen) Fels würde ein paar Sicherungen mehr verlangen. Vorsteiger wieder Andreas. Respekt!Gassenjunge-Gassenhauer-VII

Schwalbenschwanz-Abseile Gassenjunge-SchattenAls wir nach der kurzen Abseile in die Scharte  den Weiterweg nach unten suchten, lachte uns noch ein Gipfelchen mit einem kurzen Weg mit 1 Bohrhaken an. So kam ich auch noch zu meinem Vorstiegchen.  Es war kein Gipfelbuch drauf, es sollte aber der „Vergessliche Affe“  mit dem Weg „Leichte Demenz“ V gewesen sein. Und: das Gestein war fest!MeinerMittwoch 01.05.2013  Der 1. Mai! Der Kampf- und Feier…. na, ihr wisst schon. Unsere Splittergruppe hat sich das Gebiet von Tschiflik ausgesucht. Nach dem gemütlichen Frühstück fahren wir die paar km mit 3 Autos. Die Karte gibt eine ungefähre Richtung… wir landen auch mal in Sackgassen bei Kleingärtnern. Auch 1 km rückwärts fahren bleibt uns nicht erspart, weil der enger und feuchter werdende Pfad keine Umdrehstelle hat. Wir parken wieder in der Nähe der Gärten und laufen 20 min zum Hirtenstein; lt. Kletterführer der lohnendste und größte Felsen in dieser Ecke. Andreas stürzt sich mit Lothar gleich auf die Schönwetterkante, eine V mit 3 Sternen und Kleeblatt im Kletterführer, also das Beste in dem Grad, was hier zu finden ist.  Um nicht untätig herumzusitzen geht der Rest an den Hirtenhund, eine kleine Quacke neben dem Hirtenfels. 2007 erstbestiegen, sind wir die neunte Seilschaft, die verrückt genug ist, diesen Haufen aus rein zufällig zusammenhaltendem Split und Geröll  zu besteigen (Aufstieg II).

Fruehstueck-1-Mai

Hirtenhund-GBDann genießen auch wir die Schönwetterkante mit Seil von oben und danach ebenfalls v.o.g, die Hirtenwand, eine wunderschöne VI. An den Schwierigkeiten perfekt gesichert aber danach:  gar nicht mehr. Kriminell, da ja immer wieder mal ein Stein wegbricht und der Weg nicht selbst abzusichern ist. Selbstredend sind wir auf beiden Gipfeln in diesem Jahr die Ersten.Hirtenstein-Hirtenwand-VI

Hirtenfels2--VIIm Hintergrund sind einige Kleckerburgen zu sehen, die natürlich schon von den üblichen Verdächtigen bestiegen worden sind.Himmelsgruppe

Donnerstag 02.05.2013  Das Frühstück wird -ganz im Gegensatz zum abendlichen Dinnner- für uns 2 Frühstückszelebrierer langsam eintönig. Immer die gleiche Wurst und Käse, Brot, Kaffee, Tee. Nett und liebevoll serviert, aber immer das gleiche halt. Unsere Gruppe geht auf die Suche nach lohnenden Zielen. Der Kuckuck wird anvisert.  Wir krauchen durch Dickicht und Unterholz und stoßen auf eine kleinen Felsen mit 3 Bohrhaken und festem Gestein. Den mache ich! Nun ja, eine III, auf die Rohnspitze, die es noch nicht in den Kletterführer geschafft hat. Apropos Kletterführer: den gibt es bei www.kletterbibel.de. Und: oben lacht ein echter sächsischer Ring. Das ist doch mal sicher!Rohnspitze-1

Rohnspitze-LaszloDann ist der Vogel (der Kuckuck) endlich gefunden. Steht dicht am Weg und wir sind einfach dran vorbeigelaufen. Beim Anblick des nur durch Schwerkraft zusammenhaltenen Steinhaufens wird mir schlecht. Andreas läßt sich von den guten Griffen (so sie denn im Fels bleiben) locken und steigt sicher die Talkante V nach oben. Puh. Ich habe auch mit Seil von oben ständig das Gefühl, dass hier gleich aus einem Felsen ein flacher Haufen Geröll wird und bitte, wieder runtergelassen zu werden. Betti läßt sich nicht abschrecken und klimmt auch noch hoch. Wir da unten müssen wegen des Dauersteinschlags Schutz an der anderen Ecke suchen.Kuckuck2-Talkante-V

Kuckuck-Talkante-VWir wandern weiter zum „Dolch“, wiederum eine Empfehlung von Helmut und Walther. Selbige sehen wir auf dem „Löwen“ herumturnen. Später, während ich Andreas sichere, kann ich immer einen Blick auf die haarsträubenden Abseilmanöver der 5 werfen. Soviel Gott- und Hakenvertrauen…..

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Loewe-4x-Abseile-2

Loewe-4x-AbseileAuf dem Gipfel verewigt sich, wie es Brauch ist, zuerst der Vorsteiger im Gipfelbuch. Die Kletterei ist rel. kurz und nur punktuell schwer aber sehr ausgesetzt.  Danach relaxen wir  wieder an der schönen Aussicht mit ’nem Bulgarischen Radler oder Bier. In der Unterkunft ist es  heute abend nach dem Dinner zu kalt zum draussen sitzen.Dolch-AW2-VIIa

Dolch-GB2-ter-Mai-abends

2-ter-Mai-spaet-abends2Freitag 03. 05.2013   Unser Beider letzter Klettertag. Eigentlich wollten wir schon im Land unterwegs sein und vielleicht einen Abstecher nach Rumänien machen. Aber es ist  doch schöner hier, in der Truppe, klettern, zusammenhocken….  Also gehen wir wieder ins Herz des Belogradchiker Gebietes. Zuerst zur Hohen Wand. Die SW- Kante ist einigermaßen fest und passabel gesichert und ca. 60 m hoch. Auf den letzten 6 m ist allerdings die Wegfindung etwas schwierig. Lösung: links  an der Kante bleiben. Auch hier wenige Besucher, genaugenommen pro Jahr eine Seilschaft. Oben eine wunderschöne Aussicht über das Klettergebiet bis zur Stara Planina.In der Nähe sind die sehr markanten Ziele Reiter und Pferd zu sehen, die schon in den 60er und 70 er Jahren von verrückten sächsischen Kletterern bestiegen worden sind. In der nächsten Woche wird Helmut das Pferd über eine VIIc satteln.
Kalle-Reiter-Pferd

Genug des Herumschauens. Abwärts gehts. Natürlich auch hier nur an einem einfachen Bohrhaken.

Hohe-Wand-AbseileAtemberaubend geht es auf der anderen Talseite zu. Erst Helmut mit Andre und Lothar  und dann Walther mit Ilona vorsteigen die Friedenstaube auf den Kolibri, eine VII b.

Mandarin-Kolibri-VIIbDer gute Walther bietet uns noch ein Seilende von oben an, aber wir haben keine Lust mehr. Am Nachmittag hängen wir endlich mal ne Stunde im Garten ab.

Stakevci-1Samstag 04.05.2013  Unser vorerst letztes gemeinsames Frühstück. Wir waren schon länger als gedacht in unserem schönen Quartier geblieben und wollen nun  noch was vom Rest  Bulgariens sehen. Das beginnt mit der Donau, die wir nun hinter Lom endlich zu Gesicht bekommen.Stakevci-2-Fruehstueck

Donau-1Wir kommen durch einige größere Stadte wie z.B. Veliko Tarnovo, die immer das gleiche langweilige Gesicht haben. 2 Sorten Plattenbauten und sonst fast nichts.Stadt-BGDie 300 km einmal diagonal durch’s Land ziehen sich ganz schön hin. Wir denken, an der Küste bei Burgas eine gemütliche Unterkunft zu finden. Doch oh Graus! Die gesamte Schwarzmehrküste ist bis hunderte m ins Hinterland mit unzähligen Hotels, Appartmenthäusern und Eigentumswohnanlagen fast lückenlos  aber dafür gesichtslos und häßlich zugebaut. Dagegen sind die Spanier fast Waisenknaben.  Ich erinnere mich, in alten Reiseführern vom schönen Nessebar gelesen zu haben. Bei einbrechender Dunkelheit schaffen wir die 30 km von Burgas nach Nessebar gerade so. Hier auf dieser winzigen Halbinsel hat sich doch tatsächlich ein Rest alter Bausubstanz gehalten. Gleich der erste Versuch ist ein Treffer. Im Royal Place Hotel bekommen wir im 3. Stock für 60.- EUR mit Nr. 30 ein geräumiges Zimmer mit Blick auf Meer und Stadt. Es ist die Nacht vor Ostersonntag. Die in Belogr. Verbliebenen hatten vor, sich das an diesem Tag angeblich sehenswerte Treiben dort anzusehen. Wir beobachten auch hier einen zunehmenden Strom von Jung und Alt Richtung Kirche. Ächzend, weil eigentlich hundemüde, reihen wir uns vor Mitternacht ein. Wir sehen uns ein wenig um, fühlen uns fehl am Platze, gehen nach Spende einer Kerze ins Hotel zurück und fallen bald darauf  begleitet von den Böllern eines Feuerwerks in tiefen Schlaf.Ostern-Nessebar

Sonntag 05.05.2013   Ostersonntag. Nessebar-Ostersonntag

Nach dem mäßigen Frühstück (es gab mehr als auf dem Foto oben) lassen wir nochmal den Blick vom Balkon  über  die Kulisse schweifen.   Kurz danach beginnt es heftig zu regnen.Nessebar-2Es geht südwärts, durch Burgas und weiter Richtung Primorsko. Hinter Sosopol lässt der Bauwahn etwas nach und man sieht gelegentlich ein Stück Schwarzmeerküste wie sie früher wohl mal war.  Am Zeltplatz Kavatsite vor Dyuni begibt sich Beate in die Vergangenheit. Unglaublich, ringsum ist fast alles auf den Kopf gestellt, aber hier sieht es nach Beates Bekunden aus wie vor 30 Jahren. Etwas gerührt schlendert sie zwischen den verlassenen Bauten und Holzbungalows umher. Ein kurzer Strandspaziergang beendet die Reise ins Vorgestern und wir wenden uns wieder dem Inland zu.kavatsite-0

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Auf der bald erreichten neuen Autobahn geht es über Plovdiv zügig gen Westen. Es wird hinter Plovdiv sehr ländlich und plötzlich stehen Minarette in den Dörfern und Frauen tragen Pluderhosen.  Wikipedia: „Der Islam in Bulgarien ist nach dem Christentum die meistverbreitete Religion im Land. Seit 2007 ist Bulgarien innerhalb der erweiterten EU das Land mit dem prozentual größten muslimischen Bevölkerungsanteil.“  Unser  Ziel ist die Gegend um Rila- und Piringebirge. Ich, der nie in Bulgarien Gewesene, hatte noch all die klangvollen Namen im Ohr, wenn sich Kalle, Achim und die anderen Weitgereisten in den 80ern über ihre Bulgarienabenteuer austauschten. Rila, Pirin, Vichren, Bansko, Melnik, Maljowitsa…. Nun komme ich also auch mal hierher. Eingebettet zwischen Rila- und Piringebirge liegt Bansko. Eigentlich gibt es 2 Banskos: das betuliche Alte und ein Neubau- Geschwür ähnlich der Küste. Weil es hier ein paar Lifte gibt, bildet man sich ein, mit den Skigebieten der Alpen mithalten zu können. Wenn alle Zimmer der Hotels und Appartments belegt wären, käme wahrscheinlich jeder Gast 1x täglich zu dem Vergnügen einer Liftfahrt. Aber ich will nicht lästern. Mit etwas Glück finden wir das alte Zentrum mit Fußgängerzone, Restaurants und Unterkünften. Es ist noch Zeit für eine Erkundungsfahrt. Eher zufällig landen wir auf einer Straße nach ganz oben und sind nach unzähligen Kurven an der (geschlossenen) Vichren- Hütte.  Hier in ca. 2.500 m Höhe liegt noch Schnee und es ist ungemütlich feucht-kalt. Wieder unten finden wir für 40.-Euro im Dodepene ein Zimmerchen. Vor dem Haus in der Fußgängerzone lockt ein open-Air-Lokal mit Livemusik. Der Kellner ist gut drauf, spricht gut englisch und wir lassen uns mit bulgarische Küche verwöhnen. Weil’s kalt wird, gönne ich mir noch einen Pliska, einen längst vergessenen Weinbrand, der früher in der HO-Kaufhalle herumstand. Als wir am nächsten morgen die Rechnung checken, sehen wir, dass auch dieser nette Kellner einen kleinen Zuschlag für sich erhoben hat. Zimmer 11 sollten nur kleingewachsenen Japaner mieten.Bansko-Lokal

Bansko-Pliska

Bansko-Rechnung

Bansko-dedopene-Zi-11

Montag 06.05.2013  Wir erwachen mit dem Blick aus dem Fenster auf das verschneite Pirin- Gebirge. Heute Abend geht der Flieger im 200 km entfernten Sofia nach Hause. Also nicht zu lange schlummern und ab zum Frühstück. Noch verschlafen macht die Kellnerin wahrscheinlich eine Frühstücksspezialität: in Ei gewälztes Weißbrot und dann in viel Fett gebraten. Sehr speziell. Bansko-Pirin-2

Bansko-dedopene-morgensWir liegen gut in der Zeit und wollen noch das Rila- Kloster „mitnehmen“, das 20 km vom  Wege liegt. Aus den Augenwinkeln sehe ich im Vorbeifahren einen Wegweiser zu Erdpyramiden. Stimmt! Davon hatten die alten Bulgarienfahrer doch auch immer erzählt. Also hin. Soviel Zeit muß sein. Die damit zusammenhängende Geschichte kann hier jeder selbst nachlesen:stobs-pyramides-2

stobs-pyramides

Ansonsten war die Attraktion eher bescheiden. Auch das Rila- Kloster haut uns nicht gerade um. Erwartet wurde ein Felsennest a la Meteora oder ein Platz mit Panoramasicht auf die Berge. In Wirklichkeit quetscht sich das imposante Gebäude zwischen Berghang und Flußlauf in einer schmalen und wenig sonnigen Schlucht. Rila1

Wir haben eh keine Zeit mehr und drehen nach kurzem Verweilen wieder um. Eine gute Entscheidung, denn wir sind zwar schnell in Sofia, zuckeln aber noch ewig durch die Stadt bis zum Flughafen. Ohne Navi wären wir verloren gewesen. Die Ausschilderung ist mehr als spärlich. Sofia zeigt seine 2 Seiten: einmal alt, klein, baufällig aber nett  und dann die moderne, protzige Beton- und Glasarchitektur des 21. Jahrhunderts in der Gegend zum  Flughafen. Offenbar gibt es in dem Land nur Extreme und selten ein gesundes Mittelmaß.

Dann kommt Nervosität auf. Es gibt 2 Terminals und kein einziges Schild, wo die Mietwagenrückgabe erfolgt. Wer hier ein Auto mietet, sollte sich den Namen des Terminals notieren. Der Autovermieter, darauf angesprochen, zuckt nur mit den Schultern. Sie würden seit Jahren jeden Monat den Flughafen auf die fehlende Beschilderung hinweisen, aber ohne Erfolg. Hm, und selber machen? Als Antwort gab’s nur ein Lächeln.

Für den Rückflug war abweichend von sonstigen Gewohnheiten Air Bulgaria für gut 90.- p.P.  gebucht. Auch das Fluggerät war nicht wie sonst Boeing oder Airbus sondern eine Embraer (der viertgrößte Flugzeughersteller der Welt aus Brasilien, was kaum jemand weiss). Da wir uns ja innerhalb der EU befanden, sollten auch für die Bulgaren die Regeln des modernen Luftverkehrs gelten. Das beruhigt. Mit etwas Verspätung stand dann unsere Maschine zum Einsteigen bereit. Schon rollten wir zur Startbahn  und auf einmal erschütterte ein Knall die Maschine und man wurde nach vorn geschleudert. Dann nochmal. Der technisch versierte Fluggast erriet schnell, dass hier wohl was mit den Bremsen nicht stimmte. „Wir rollen zum Terminal zurück“ stellte Beate fest und kurz darauf bestätigte der Mann im Cockpit, dass die Bremsen einen Defekt hätten und wir nochmal aussteigen dürfen. Na toll! Kurz darauf Sirenengeheul und Rauchschwaden ziehen über das Gelände. Hilfe! Angst! Auch wenn’s nicht unsere Maschine ist: Sollen wir den Flieger Flieger sein lassen und mit dem Zug heimfahren?

Brand-Sofia-Airport

Beate berührt der ganze Quatsch nicht und ich steige an ihrer Seite todesmutig in die nun bereitstehende neue Maschine. Der Pilot grinst uns zu und zeigt den Glücksdaumen. Na gut. Und Überraschung: alles geht gut und wir leben noch. Im Bordmagazin ein interessanter Fakt: 1 Euro sind rund 2 Lewa, also braucht die normale 4-köpfige bulgarische Familie 1.132.- Euro, um über der Armutsgrenze zu leben.Lewa-2264Tja, das war’s für dieses Mal. Aber wahrscheinlich nicht das letzte Mal. Und außerdem: n.d.U.i.v.d.U.!