Vorgeschichte:                                                                                                                                                                                                                                                                  Jeder ambitionierte Bergfreund möchte mal einen möglichst hohen Berg besteigen… eigentlich schon einen 8-tausender… aber, naja achgott naja, gut, ein 7-tausender tät’s auch.

Mit den Jahren werden die Anforderungen noch geringer, der Berg niedriger, aber ein 5-tausender sollte es dann wirklich sein!

In diesem Status befinde ich mich nun schon seit über 10 Jahren und habe auch Beate angesteckt. Doch woher den 5-tausender nehmen? Schon die 4-tausender in den Alpen sind nicht ohne Risiko für Gesundheit und Leben – wer will schon im Schneesturm erfrieren oder in einer Gletscherspalte mit gebrochenen Knochen verenden (zeitnah hat gerade ein wackerer Herr mittleren Alters dies knapp überstanden).

Der Ausweg: in Südamerika stehen 5- und sogar 6-tausender herum, die ohne Schneeauflage und die Gefahr von Wetterstürzen zu besteigen wären. Im Norden von Chile, in den Anden der Atacama im Dreiländereck Chile/Bolivien/Argentinien. Die Bilder, die man so kannte von Vulkanen vor ewig stahlblauem Himmel hatten sich eingebrannt.

Und nun soll es endlich soweit sein! Wir fliegen nach Chile!

Vorbereitung:landkarte_chile-jpg Kopie

1. Die Sprache: Unsere Spanischkenntnisse tendierten im Vorfeld gen Null. Lennart hilft: Der Ex-Weltreisende besorgt einen CD-Sprachkurs, der nun monatelang im Auto läuft. Anfangs möchte ich die CDs  zum Fenster rauswerfen, aber irgendwann platzt der Knoten und das eine oder andere Wort bleibt hängen. Auch so unwichtiges wie „el mantèl“ – die Tischdecke.

2. Der Flug: Wie immer befrage ich Monate vorher flug.idealo.de Fazit: 1.000.- € und mehr und über 30 Stunden Flugzeit. Mitte September jedoch traue ich meinen Augen nicht: Air France bietet einen unter-24Stunden-Trip für 507.-€ bei kostenloser SItzplatzreservierung! Buuuchen! Der Haken an der Sache? Antwort: Nicht vorhanden. Air France hat die Flüge weder storniert noch wird gerade gestreikt, die Verpflegung an Bord ist gut und üppig, das Unterhaltungsprogramm vielfaltig, das Gepäck kommt zeitgleich mit uns in Santiago an…  nur könnte der Sitzabstand beim 11-Stunden-Flug von Paris nach Sao Paulo und zurück etwas größer sein. Mögen die Franzosen hier von der brasilianischen TAM lernen, die den Flug von Sao Paulo nach Santiago bedienen.

3. (Ein gaaanz wichtiges Thema) Das Auto: Eine olle Karre kann den ganzen Urlaub verderben. Per Internet suche ich nach einem großen 4×4- Geländewagens á la Nissan Pathfinder und buche bei rentalcars.com für 3 Wochen für 1.500.-€  incl. aller Kilometer und guter Versicherungen. (Gefahren sind wir dann einen kostenlos upgegradeten Dodge Durango – mit anfangs nur mäßiger Begeisterung; dies änderte sich jedoch bald…)

4. Übernachtungen (angedacht im Auto): Den gelesenen Chile-Reiseberichten nach erwarten uns bitterkalte Nächte. Anlaß zum lang schon angedachten Schlafsackkauf: für Beate nach Probeliegen und -schlafen im Camp4 eine Daune von Yeti (natürlich in Rot), für mich per Internet ein Neosphere von Deuter, zwei gute Entscheidungen.

 

Die Anreise

Freitag, 02. 11.2012                                                                                                                                                                                                                                                          Gegen 4 Uhr auf die müden Äuglein und los mit Sack und Pack zum Flieger: Maximale 23 kg pro Nase + Handgepäck dürfen es sein – wir ziehen los samt großer Reisetasche mit Rädern dran und einem großen gut verschnürten Gepäcksack, in dessen Inneren sich der grüne Rucksack neben Schlafsäcken, Isomatten und diversen anderen Kleinigkeiten versteckt.

Am Flughafen Berlin- Tegel übernehmen Claudia und Lennart wie gewohnt das Auto. Abschiedsfoto: Beate trägt auf dem Bild keinen Mantel, sondern meine Alltags-Autojacke, weil sie ihren Fleece zu Hause vergessen hat.                                                                                                Oje – auf den 5000er ohne warme Jacke – das könnte schwer werden…

Nach 2 Stunden Flug und ebensolchem Aufenthalt in Paris steigen wir in den nach Sao Paulo startenden Air France- Transatlantikflieger ein. Wir haben 2 Plätze nebeneinander incl. Fensterplatz in einer 3er-Reihe. Gangseitig sitzt ein ziemlich älterer Herr (Bj. 1926 – wie Gerald das wohl herausbekommen hat…) und  starrt fast die ganze Zeit auf den kleinen Monitor vor seiner Nase. Hin und wieder drückt er auf den falschen Tasten herum.. doch es passiert gar nichts. Als ich das nach 2 Stunden nicht mehr mit ansehen kann und ihm helfen will, furzt er mich an, er könne das alleine. Auch gut – also sieht sich Opa Ekkehard 10 weitere Stunden lang das Testbild mit der Landkarte und unserem Flieger drauf an. Wir hingegen erfreuen uns an „IceAge IV“, langweilen uns bei „Harry und Sally“ (damals war das irgendwie witziger), spielen ein wenig „Wer wird Millionär“, dann zappe ich noch durch „Man in Black III“ (mit Boris, der Bestie), „Spiderman“ und was weiß was noch. In kurzen Abständen gibt es Lunch und Abendessen und bald schläft der ganze Laden – außer Opa Ekkehard. Im Heck des Fliegers stehen alkoholfreie Getränke, Schnittchen, Kekse, Obst und sogar Eis zur Selbstbedienung herum. So macht Fliegen Spaß… wenn nur nicht hin und wieder der Gedanke an die vor 2 Jahren im Gewitter abgestürzte Air France Maschine auf dem Flug Sao Paulo – Paris wäre.

Die 12 Stunden Flug sind kurzweilig und schnell vorbei – und schon steht in dem erstaunlich kleinen Flughafen von Sao Paulo unser Anschlußflug mit der brasilianischen TAM nach Santiage de Chile bereit. Es gibt nur ein (wesentliches) Problem: In Tegel haben wir keine Bordkarten für diesen Flug erhalten – „Die bekommen Sie dort.“ Die wirklich freundlichen und geduldigen Damen, die schon das Boarding durchführen, schicken uns zum Kartenabholen  eine Treppe hoch – dort sei der TAM-Schalter. Ist er aber nicht… und die Zeit rennt. Wir auch, das Terminal vor und zurück und wieder runter zu den Damen, die schon die letzten Passagieren abfertigen. Wir mögen uns keine Sorgen machen, sie flögen schon nicht ohne uns ab. Das beruhigt. Und der Schalter sei doch wirklich gleich hier oben, um die Ecke rum…  Tatsächlich, da ist er – und eine Schlange von 40 Menschen davor. „Etwas“ nervös gehen wir einfach nach vorn (alle bleiben gelassen, keiner meckert) und schon sind wir boarding-berechtigt.  Nach uns kommen noch einige angekleckert – und sie haben wirklich auf alle gewartet. Weiter geht´s. Von den 4 Stunden Flug verschläft Beate 3,99 und ich 3,5. Ich schnatter noch mit Rodrigo, dem Sitznachbarn, einem Chilenen, der Vorfahren aus Thüringen hat und auf der deutschen Schule in Santiago war. Er kommt gerade aus Indien von einer Konferenz über Erhalt der Artenvielfalt. Wir verabreden uns auf ein Bier in Santiago 3 Wochen später, also an unserem Abschiedsabend. Kurz nach Mitternacht stehen wir mit vollständigem Gepäck auf dem Flughafen in Santiago de Chile. Angekommen.

Samstag, 03.11.2012                                                                                                                                                                                                                                                              Die Variante, jetzt mit dem Taxi in die Stadt zu fahren, dort zu übernachten und früh wieder zum Aeropuerto zurückzukommen, um das Auto entgegennehmen, haben wir schon in der Vorabplanung verworfen. Kostet nur Zeit und Geld. Laß uns hier was suchen: Der Flughafen hat 3 Etagen und ist ziemlich verwinkelt. In der abgelegensten Ecke breiteteten wir unsere Isomatten aus, lesen noch ein wenig und schlafen bald tief, fest und sicher bis früh gegen 7Uhr.

Dann gehts zur Autovermietung im Erdgeschoss: Wie eingangs erwähnt, upgradet man unsere Buchung auf einen Dodge Durango… Hmm. Leichte Skepsis…Auf dem Ausgabeparkplatz steht ein riesiges weißes Teil rum . Das ist er. Beate bemerkt sofort, dass der linke Vorderreifen  alt und abgefahren aussieht. Das verheißt erfahrungsgemäß nichts Gutes. Ich moniere in Zeichensprache, dass außerdem (ademàs) zwei der anderen (guten) Reifen ohne Ventil-Staubkappe seien. Oh, unlösbares Problem! Auch Chef und Chef vom Chef können nicht helfen. Dabei parken doch dutzende Autos um uns herum. Keiner schaut genau hin – und schon löst sich das Problem auf wundersame Weise… Ich öffne die Motorhaube, will Öl und Wasser prüfen – und erstarre fast: Benziner, V8, 5,7 Liter Hubraum. Was wird der wohl wegsaufen? Doch umtauschen? Das kann dauern… Weiter: Drei Sitzreihen, von denen sich die hinteren zwei mit wenigen Handbewegungen umlegen lassen, um eine ebene Ladefläche von 2,2 x 1,2 m entstehen zu lassen. Das versöhnt wieder. Also gut – wir steigen ein. Der Motor schnurrt wie ein Kätzchen; nur wenn das Gaspedal durchgetreten wird, brüllen auf einmal 345 Löwen bzw. PS und schleudern den 2,5 Tonnen schweren Koloss im kleinsten Gang des Automatikgetriebes nach vorne. Wow!

Nächstes Ziel: Ersatz für Beates vergessene Fleecejacke finden. Der Reiseführer benennt Mall Sport , einen “ Konsumtempel für Freizeitsportler“. Griff zum Navi – und wir merken erstmalig, dass wir mit diesem bei Navi-mieten-weltweit besorgten Gerät wohl nicht nur Freude haben werden. Das Ding rechnet, spricht und anzeigt zu langsam: Man müßte an jeder Kreuzung warten, bis das passende Kommando ausgesprochen ist. Immerhin finden wir nach einigen Ehrenrunden das Ziel und pilgern durch die Etagen und Shops. Es gibt vieles, aber keine kaufwürdige Fleecejacke. Dann eben ohne – geht schon irgendwie. Nach einem Foto in den witzig-winzigen Kindertoiletten-  Gulliver bei den Zwergen – verlassen wir Mall und Santiago Richtung Norden auf der Autobahn.

Im Stadtgebiet Santiago piepst es alle paar Kilometer – und schon hat man wieder etliche Pesos Maut zu zahlen. Die Abrechnung erfolgt derart nur in Santiago und wird bei der Rückgabe des Wagens beglichen. Auf den übrigen Autobahnen sind in unregelmäßigen Abständen Kassenhäuschen aufgebaut, an denen immer Beträge zwischen 2.- und 5.- EUR zu löhnen sind. Da kommt ganz schön was zusammen. Alternativen gibt es kaum. Entweder du fährst die Ruta 5 und zahlst – oder du läßt es sein und bleibst zu Hause.

Dann muß das erste Mal voll getankt werden (dièno, por favor). Als ich glaube, der Zähler bleibt nie wieder stehen, ist der Tank bei über 80 l endlich voll. Bei einem Kurs von 1EUR= 620 Peso kostet der Liter Super also knapp 1,30 EUR. Oh oh oh. Und wir wollen noch so weit fahren. Um es kurz zu machen: fast jeden Tag müssen wir tanken und geben letztendlich fast 1.500.- EUR für Kraftstoff aus.

Weit nach 18 Uhr erreichen wir das Örtchen Tongoy, ca. 250 km nördlich von Santiago abseits der Haupstrasse direkt am Pazifik gelegen. Es gibt erstaunlich viele Restaurants am überaus gut besuchten Strand. Ein Engländer, der unsere Unsicherheit bemerkt und helfen will, sagt, dass Donnerstag ein Feiertag gewesen sei und deshalb viele Menschen ein verlängertes Wochenende als Kurzurlaub gemacht haben. Im Reiseführer war zwar kein Feiertag zu finden, aber er wird schon Recht gehabt haben. Wir schwanken noch zwischen Standplatz fürs Auto bzw. ein Hotel suchen oder gleich Abend zu essen. Angesichts der milden untergehenden Sonne fällt die Entscheidung auf hinsetzen und neugierig sein. Unsere erste chilenische Speisekarte gilt es zu entschlüsseln. Und siehe da- es klappt.

Beate genießt erstmals eine(n) Chupe mit Camarones: eine Schale mit würziger, angedickter Grundsubstanz und darin eine Menge Shrimps und oben Käse drüber. Sehr gehaltvoll. Ich nehme die Plato Bahia, nach Angabe der Kellnerin eine Spezialität des Hauses voller Meeresfüchte (moriscos). Lecker lecker lecker.

Die Sonne ist untergegangen, es wird kühl. Wir sind satt und hundemüde. Irgendwo am Strand zu bleiben, trauten wir uns (noch) nicht. So fahren wir einfach los und biegen auf ein hinter hohen Hecken verstecktes einsames Grundstück ein. Wir richten unser Schlafgemach her, zählen Sternschnuppen und kuscheln uns dann ein.

Sonntag, 04.11.2012                                                                                                                                                                                                                                                         Nach einer an sich ruhigen Nacht (zwischenzeitlich Mückenalarm) schauen wir uns um: Wir stehen auf einer alten Bodenplatte – vielleicht eine ehemalige Fischfabrik, denn das deutlich rauschende Meer ist nur etwa 200 m entfernt. Nicht sehr romantisch, aber zweckmäßig.

In La Serena (150.000 Einw.) stiefeln wir durch ein Einkaufszentrum, wollen eigentlich nur einen Kaffe trinken – aber es ist Sonntag und die Kaffeemaschine wird gerade erst angeworfen… und so kann man ja ruhig nochmal den Wagen durch die (Regal)Reihen schieben.

In der Schwesternstadt Coquimbo gibt es laut Reiseführer einen sehenswerten Fischmarkt. Immer der Nase nach und Richtung Meer ist er schnell gefunden. Ein Parkplatz dagegen nicht. Volksfeststimmung – erst nach mehreren Runden findet sich ein Plätzchen fürs Auto. Aber was es hier an Meeresgetier gibt – unglaublich! Und alles scheint essbar.

 

Leider haben wir gerade gefrühstückt, so dass nichts von den interessanten Angeboten reinpaßt. Vielleicht auch besser so, denn das meiste (hunderte wenn nicht gar tausende) sind Ceviche – kleine Plastik-Schälchen  voll roher, zerkleinerter, mit Zwiebeln und Zitronensaft marinierter Meeresbewohner, die von den Besuchern des Marktes in Unmengen verzehrt werden. Auch werden bunte Ponchos, gestrickte Mützen und jede Menge folkloristischer Schnickschnack angeboten. Südamerika halt – und schon anders als Santiago. Das Schauspiel geht vor den Hallen weiter: Auf den Dächern Pelikane, im Wasser Seelöwen, in der Luft Möwen – und alle lauern auf die regelmäßig ins Naß gekippten Fischabfälle.

 Zum ersten Mal fallen uns streunende Hunde auf; sie werden uns später noch oft begegnen.

Genug rumgelungert – jetzt wollen wir´s wissen, wollen Höhe gewinnen. 150 km westlich wäre der Pass Agua Negra mit 4.600 m zu befahren. Los geht´s, dies sei unser erstes Ziel. Die Landschaft ändert sich, die Straße schlängelt sich zunehmend an Felsbrocken vorbei, die Berge werden höher, bunter, eindrucksvoller. Als es hochalpin wird, stoppt jedoch eine mit Kette und Schloß doppelt gesicherte Schranke (Foto nicht getraut) neben einem Grenzer-Häuschen die hoffnungsfrohe Fahrt. Ich kratze all mein Spanisch zusammen und betrete freundlich lächelnd die Baracke. Der diensthabende Wächter scheint volles Verständnis für unseren Wunsch weiterzufahren zu haben, aber: Nicht mal ein paar Foto-shooting-Kilometer sind drin – die Schranke (la barrera) bleibt zu! Bis zum 30. November ist der Pass winter-bedingt geschlossen. Punkt. Alles ganz freundlich, aber entschieden. Na, dann eben nicht :-/
Jetzt sind wir schon „einige“ Kilometer im Land unterwegs und haben alle paar Kilometer am Straßenrand Gedenkstätten, Heiligenschreine oder was immer gesehen, bestimmt Hunderte sind es gewesen.Vom kleinen Holzkreuz bis zur gemauerten und begehbaren Kathedrale findet sich alles. Oft einzeln, ab und an gleich bis zu fünf Kreuze nebeneinander. Aber worum handelt es sich? Wir vermuten zunehmend, daß hier an Unfallopfer erinnert wird. Dem widerspricht, dass es diese Plätze auch an übersichtlichen geraden Abschnitten gibt, in gefährlichen Kurven dagegen nicht. Um es kurz zu machen: Sandra bestätigt am letzten Abend in Santiago, dass es sich um Erinnerungsstätten für Verkehrstote handelt. Meine Güte – die paar Kreuze in Brandenburg sind echt nichts dagegen.

Der Reiseführer empfiehlt das Tal von Pisco Elqui, das von der Straße zum Pass abgeht. Wir erinnern uns: Pisco ist die Bezeichnung des hiesigen Schnapses. In Italien Grappa genannt. Nur mit dem Unterschied, dass hier die Flasche einer guten Sorte nur 5-6 EUR kostet. Ohne Schmerzkopf – selbst getestet. Das Tal ist nett anzuschauen mit  seinen grünen Weinfeldern, die sich weitestmöglich an den Hängen wüstenhafter Berge hochziehen, uns insgesamt aber etwas zu touristisch.

Wir quälen unseren Dodge noch 20km bis ans letzte Ende der Straße, die dann an einem Gehöft endet. Alles ist eingezäunt, keine Chance auf einen Übernachtungsplatz. Von einem Campingplatz werden wir weggeschickt – geschlossen oder sonstwas. Wir rumpeln die ganze Piste zurück und biegen nach Cochiguaz wieder in Richtung Argentinien ab in ein wunderschönes Tal! Man sollte nicht immer dem Reiseführer glauben. Nach 10km ein Wegweiser zum Camping „El Retiro“. Auch hier scheinen wir erst mutterseelenallein, dann winkt uns eine Frau lächelnd, wir mögen gerne bleiben und letztlich kommt ein Mann im Auto vorbei, ruft cinquomille (5.000) und verschwindet wieder. Ach, fast hätt ich’s vergessen: Auf der Fahrt in die Berge schnippt irgendwann die Isomatte nach vorn – pffflupp. Klar, das Aufblasventil verschlossen und Luft in den Kammern: Durch den rapide abnehmenden Luftdruck kommt Leben in die vormals zusammengeklappte Matte, sie entfaltet sich förmlich. Später werden wir am Knacken der Plastikflaschen die ungefähre Höhe, in der wir uns befinden, erkennen. Nee, is´ Spaß –  aber wirklich, wenn es aufwärts geht, knacken die Flaschen zunehmend. Die Ventile der Isomatten bleiben künftig übrigens offen.

Nun, jedenfalls ist es ein schöner Abend am Bach, ganz allein in subtropischer Atmosphäre. Es gibt Pisco, Vino tinto, Brot und Thunfisch.

Montag, 05. November 2012                                        Der doch ganz nette Besitzer kommt kurz vorbei, fragt wie’s geht und sagt spanglish (englisch/ spanisch), dass wir gleich alleine seien und den ganzen Platz für uns haben. Das nutze ich für einen ausgiebigen Rundgang mit Blick hinter die Kulissen. Na ja, essen oder trinken möchte man hier lieber nichts: Im unter freiem Himmel stehenden rottigen Kühlschrank finden sich noch halbvolle Flaschen der letzten Hochsaison. Zu erkennen am vergilbten Etikett und teilweise schaumig-blasigem Inhalt – bbbrrr. Trotzdem, insgesamt ein angenehmer Platz. Unbedingt merken –  falls man mal wieder in der Gegend ist. Wir fahren weiter Richtung Norden; es wird wüstenähnlicher. Nach 200 km erreichen wir Copiapò. Zur Erinnerung:  Hier wurden 2010 die 33 Minenarbeiter aus 700 m Tiefe gerettet. Richtung Westen lockt eine Strasse zum Passo SanFranzisko (4.726 m). Diese Höhe und der Weg dahin ziehen magisch an. Zu der Zeit wissen wir ja nicht, in welche Höhen wir noch vordringen werden. Unterwegs halten wir auf ein paar Fotos an völlig frei zugänglichen Inka-Ruinen an.

Und schon wird´s für uns zunehmend interessanter: Hartgefahrene Sandpiste, Staub, immmer höher ansteigende bunt farbschattierte Berge, ein stetig enger werdendes Tal. Menschenleer. Ich fühle mich nach Mittelasien versetzt, wo ich Ende der 80er mit Joe herumwanderte.

Wir fühlen uns wie auf einem anderen Planeten – bis uns ein aufgeregtes Piepsen ins Hier zurückholt: Dem Diplay über dem Rückspiegel nach verliert ein Reifen Luft. Welcher? Klar doch, wie von Beate vorausgesehn, links vorne. Es zahlt sich aus, dass wir (wie immer) schon auf dem Parkplatz der Autovermietung geübt haben, wo sich das benötigte Werkzeug befindet und wie der Wagenheber anzusetzen ist. Nach 10 min stehen wir wieder auf 4 Rädern, allerdings mit luftlosem Ersatzrad.Ab sofort ist schonendste Fahrweise angesagt: Mit max. 30 km/h tuckern wir auf der sich höher und höher windenden Strasse in die Abenddämmerung. Höher und höher… es muß doch irgendwann mal Schluß sein mit der Steigung! Endlich ist der Pass erreicht, die Berge werfen lange Schatten. Unter uns schimmert ein Salzsee in den letzten Sonnenstrahlen – bienvenido im Nationalpark Nevado Tres Cruces auf ca. 3.800m. Los parques nationales: in Chile werden eine Menge wunderbarer Landschaften in Nationalparks geschützt bei zumeist freiem Eintritt und dass man überall übernachten darf (wenige Ausnahmen bestätigen sicher die Regel). Der Nachteil ist dann jedoch wie überall in der Welt, dass – gerade an der Küste – die Besucher ihren Müll liegenlassen.

Auto abstellen, Heckklappe auf, Start der Vorbereitungen fürs leckere Abendmahl – wir bekommen Besuch!  Einmal umgedreht, nicht hingeschaut – wie aus dem Nichts steht ER vor uns: Zorro, der Andenfuchs. Es fehlt nicht viel und er frißt (oder besser klaut, was wir nicht freiwillig hergeben) uns aus der Hand. Erst nach ausgiebiger Fütterung (ja, ja, soll man nicht machen) läßt er sich in 10m Entfernung zwischen den kargen Grasbüscheln nieder. Wir sitzen eingemummelt auf den Campingstühlchen, die wir in Santiago gekauft haben, zählen Sterne, Schnuppen, Sternschnuppen.. und kommen kaum mit dem Wünschen hinterher.

Dienstag, 06.11.2012                                                                                                                                                                                                                                                            Die Nacht war recht kalt, aber o.k. Nur der Schmerzkopf konnte nicht nur an der Höhe liegen. Schnell war der Verursacher ausfindig gemacht. Liebe Chile- Reisenden: dieses Produkt unbedingt meiden.

Dann gleich noch eine Enttäuschung: die Gewinde der in Santiago eingekauften Gas- Kartuschen passen nicht auf unseren Primus-Brenner. Das ist höchst ärgerlich, hätten wir das vorher gewusst, hätten wir in der Sport-Mall in Santiago noch nach Passenden suchen können. Zu spät. Wie schon in Tansania 2011 war es zum Glück gelungen, in jedem Gepäckstück eine der kleinsten Kartuschen von Primus einzuschmuggeln. Somit ist wenigstens eine Grundversorgung absicherbar. Die vielen hier gekauften Nudeln und Fertigsoßen werden wir leider nicht zubereiten können.

Entschädigt für den Verdruss wurden wir mit der unglaublich schönen, einsamen und friedlichen Gegend, die wir im Morgenlicht vorfanden. In der Laguna Santa Rosa spiegelten sich die herumstehenden 5-tausender. In der absoluten Stille war sogar das Abheben der aufgescheuchten Flamingos zu hören.

 

Unseren Plan, den Pass zu besuchen, können wir ohne Ersatzrad schon mal streichen. Auch der Abstecher zum zweiten Teil des Nationalparks ist somit gestorben. Dort hätten wir an der Laguna Negra in 4200 m Höhe übernachten können. Wir müssen erst mal die nächste Reifenwerkstatt finden. Nicht auszumalen, wenn uns jetzt noch eine Panne erwischt. Zur Auswahl stehen Copiapò 120 km westwärts oder Diego de Almagro 150 km nordwestlich von uns. Gefühlvoll wird der Dodge über die Piste entlang des Salar de Maricunda gehoben. Wir sind immer noch mutterseelenallein. Nach ca. 30 km tauchen am Horizont Stromleitungen auf. Dort könnte die Hauptstrasse sein, auf der wenigstens alle paar Stunden mal ein Auto fährt. Das war sie dann zwar noch nicht, kam aber bald und wenig später stehen wir schon wieder an einer Schranke. Diesesmal aber Richtung Chile. Irgendeine Vorkontrolle. Der gelangweilte, Zeitung lesende Beamte in seiner Baracke sagte sowas wie „mach doch die blöde Schranke selber auf“ und döste weiter vor sich hin.

An der bald folgenden Gabelung wird spontan für den Weg rechts nach Nordwesten entschieden. Auf der Karte sind ein paar kleine Orte und sogar ein Flugfeld eingetragen. Bestimmt gibts da auch einen Reifenservice. Denkste. Die „Orte“ sind 2 oder gar kein Haus und über das Flugfeld reden wir erst gar nicht. Dafür ist die Gegend am ausgetrockneten Salzsee Salar de Pedernales entlang wie eine Szenerie von andernen Planeten. Ein Vergleich, den wir noch oft anstellen werden. Um am Horizont ruft der 5069 m hohe Cerro Donja Inès „los, besteigt mich!“.

Daraus wird leider nichts, aber es folgt eine Schlucht von außeridischer Schönheit, die auf keiner Karte als sehenswert markiert ist und die in die unaufhaltsamen Straßenbauer (wahrscheinleich leider militärisch motiviert) eine serpentinenreiche Straße gefräst hatten.Die Vorstellung, dass beim kleinsten Erdbeben wohl der ganze Hang samt Straße abrutschen würde …

Jedenfalls gab es kein Erdbeben und keine Reifenpanne und nach langsam endlos scheinender Fahrt durch die Marslandschaft war das Wüsten- und Bergbaukaff Diego d.A. erreicht. Eins der ersten „Häuser“: Vulkanisatiòn. Aber nicht vom Äußeren täuschen lassen. Drinnen standen alle modernen Geräte, einschl. Auswuchtmaschine (Balanceo), die es auch bei uns in so einer kleinen Werkstatt gäbe.

Was sich vom Umfeld aber wohl eher nicht sagen ließe. Egal, die Leute waren hilfsbereit und nett und mit 8.- EUR einschl. Auswuchten und Trinkgeld war’s auch nicht zu teuer.

Dann sind wir wieder am Meer. Von Cifunche wollen wir die Piste an der wilden Küste entlang nach Norden nehmen, um dann in Taltal zu übernachten.

Die Piste löste sich leider bald auf, so dass wir doch die Hauptstrasse nehmen mussten und in der Abenddämmerung endlich den Blick auf das herbeigesehnte und legendäre Taltal (hallo Ilona Sch.) werfen konnten.

Volltanken ging gut und dann wurde die Hosteria Taltal gesucht. Ich hatte noch gar nicht Luft geholt um zu fragen, ob es ein Zimmer gäbe, kam schon die Antwort: „Completo“, also voll. Aber das Restaurant könnten wir benutzen. Vorher musste noch ein Stellplatz gesucht werden. An der südlich gelegenen Küste gab es davon reichlich, incl. Müll, und wir kehrten zum Dinner zurück. Das nach Reiseführer beste (wohl auch einzige) Restaurant konnte den Erwartungen leider nicht gerecht werden. Etwas aufgescheucht lief das Personal herum, um den Gastraum für eine größere Gesellschaft herzurichten und fand kaum Zeit, sich um uns zu kümmern. Dann aber sehr nett. Auf dem Teller lagen dann einfach ’ne Scheibe gebratener Fisch (Schwertfisch/ Albacora und Seeaal/Congrio) und eine Tasse trockener Reis. Hm. Hier die Speisekarte, um eine Vorstellung von den Preisen in Chile zu bekommen. Um die 12.- EUR bewegt sich die Hauptmahlzeit. Dazu eine Dose Bier für 2.- und die halbe Flasche Wein für 7.-.

Mittwoch, 07.11.2012                                                                                                                                                                                                                                                              Da haben wir doch eine schöne Stelle in der ersten Reihe am Vorabend gefunden. Der Blick aus dem Schlafzimmer vor dem Bettenmachen:

Die Schattenseite dieses schönen Platzes wie schon angedeutet: wie fast immer am Meer liegt eine Menge Müll herum. Nicht von irgendwoher angespült, sondern von Besuchern liegengelassen, wie den Etiketten der Flaschen zu entnehmen ist. Einziger Trost: Chile ist noch lange nicht so vermüllt wie Griechenland.

Nach Norden, nach Norden. Unterwegs gibt es immer wieder einsame, wilde Strände, wilde Tiere und einfache Behausungen zu sehen.

Als wir dachten, jetzt sind wir hoch im einsamen Norden, kurz vor Antofagasta, hier muß ja Natur pur sein, kam der Schocker. Antofagasta (320.000 Einw.) ist der zentale Ort der Minenindustrie hier oben. Immerhin ein Viertel der Kupferproduktion der Welt kommt von hier. Und die Minen im Inland brauchen Werkstätten, Raffinerien (z.B. für Schwefelsäure), Zementfabriken und was nicht noch alles. Die Stadt selbst, direkt am Meer, mit tollen Brechern, die von Pazifik anrollten, war dann durchaus sehenswert. Es gibt die Uferstrasse und dann gehen im rechten Winkel alle Straßen steil nach oben. Das Meer im Rücken etwa so: bzw. mit Meer dann so:Langsam wurde ein anderer Zustand, wie später noch öfter, eklatant: das Auto war total dreckig. Den Rest gab ihm eine frisch genäßte Naturstrasse mit rotem Sand. Und es gab 2 Dinge in Chile nicht wie erwartet: Campingplätze und Autowäschen. Wo in Afrika sofort jemand mit nem Eimer Wasser und nem Lappen den Wagen polieren will, ist es hier unten Fehlanzeige. Mal ein Scheibenreiniger, der aber bei der Aufforderung, das ganze Auto zu waschen, ungläubig grinsend abwinkt. Aber hier gab es ein Lavado del coche in der Art mit Kärcher neben der Tankstelle unter freiem Himmel. Da man sich dem Blech nicht mehr nähern konnte, ohne roten Staub einzufangen, tat Abhilfe dringend not. Wir warfen einige Male verschiedene Münzen in den Automaten, die aber immer wieder unten rauskamen.Dann ein hilfloser Blick zu den hinter uns wartenden Insidern. Eine spezielle Wertmünze wird gebraucht. 1.500.- Peso. So eine hier, zeigte der Hintermann. Die wurde nicht mehr hergegeben sondern nur erstattet und wir hatten die erste do it yourself Wäsche mit Kärcher. Ein paar Faxen dazu und die Wartenden waren auch nicht mehr böse mit uns Unwissenden.

Ganz Antofagasta besteht, wie viele chilenische Städte, aus einem Gewirr von Einbahnstraßen. Ebenfalls ist, wie früher in Ostberlin, linksabbiegen auf Hauptstraßen häufig  nicht vorgesehen. Einmal am Ziel vorbeigefahren ist nicht einfach mit Wenden zu korrigieren. Als wir dann gegen die Regel verstießen, gab es wilde Hupkonzerte und Beschimpfungen. Aber anders wäre die Einfahrt in das Supermarkt- Parkhaus auch im dritten Versuch nicht gelungen. Zu guter Letzt noch ein Besuch im traditionellen Fischmarkt, ein Relikt aus alten Zeiten in der modernen Stadt und dann nix wie weg Richtung Wüste und Berge. Die Verkäuferin war wieder wie gewohnt äußerst geduldig, da wir überhaupt nichts verstehen konnten von den Fischgerichten, die sie uns aufzählte. Ich zeigte immer auf den Nachbarteller: das will ich auch, aber wie sagt man das auf spanisch? Dann wenigstens 1 bekanntes Wort, das gleich mit Si und nicken beantwortet wurde: Locos. Eine oberleckere Muschel- oder Meersschneckenart, die nach Reiseführer wegen Aussterbensgefahr gemieden werden soll, aber in Unmengen verzehrt und exportiert wird. Also meine 4 Stück waren eh‘ schon gekocht und mit etwas Mayo ein Hochgenuß.

Es folgt nach kurzer Fahrzeit vom Meeresspiegel über 1.000m hoch eine ganz schreckliche, um nicht zu sagen, die schrecklichste, Strecke der ganzen Zeit. Wir sind wieder auf der Ruta 5, die eine einzige Baustelle ist, Truck an Truck, Abgase, Dreck, Staub, Hitze, dann die Überreste eines schlimmen Unfalls. Richtung Calama soll laut Karte nach 60 km eine Piste zum 200 km entfernten Salar de Atacama abzweigen, also auch nach San Pedro, unserem Ziel. Aber selbst mit Navi und 2 Karten finden wir Diese nicht im Baustellenchaos. So bleibt nichts übrig als die Hauptstraße nach Calama zu nehmen. Als wir später die 5 verlassen, ist es schlagartig ruhig und entspannt rollen wir nach Calama (140.000 Einw.). Schon wieder ein anderes Chile, schmale staubige Straßen voller Menschen und Autos und unübersehbare China-Restaurants an fast jeder Ecke. Bergbauregion- und die Chinesen sind schon da. Nach dem obligatorischen Tankstop finden wir mit Navi und Wegweisern die Ausfahrt nach Chiu Chiu. Das ist der Weg in die Region nördlich von San Pedro und zu den Geysieren von El Tatio. Nun geschieht es endlich: die ersehnten Vulkane erscheinen am Horizont! In der Dämmerung sehen wir einen Wegweiser „Inka“- irgendwas und folgen dem einfach. Wir landen in einem grünen Tal inmitten der Wüste und suchen einen Stellplatz. An der schönsten Stelle sind wir nicht allein. In(!) einer Schutzhütte haben Leute ein Zelt aufgebaut und ein Feuer entfacht. Da sie Kinder dabei haben, dürfte keine Gefahr drohen. Wir gehen aber trotzdem auf Distanz. Heute würde ich, nach unseren späteren Erfahrungen, mal vorbeigehen und fragen wie’s geht. Hier waren schon die Inka und nun sitzen wir hier mit ’nem Rotwein und schauen Sternschnuppen.

Die Berge

Donnerstag 08.11.2012 Nach mäßig kalter Nacht gönnen wir uns einen Capuccino, genießen die Ruhe und den erwartungsvollen Blick auf die Berge. Gar nicht mehr weit und wir wären über Ollagüe in Bolivien. Es gäbe hier so viel zu tun für das Entdeckerherz. Auch mehrere  relativ leicht zu erreichende 6-tausender sind dabei. Hört mich jemand?

Also brechen wir auf zum nördlichsten Punkt der Reise: den Geysieren von El Tatio. Nach einer offiziellen Karte am Straßenrand würde sich eine Piste über Linzor anbieten.

Die nächsten 40 km stimmt auch alles, aber die Piste nach Linzor ist nur für Lebensmüde mit mehreren Autos und reichlich Ersatzteilen zu befahren. Umdrehen. Jetzt kommen die Bilder, auf die wir so lange gewartet haben.Also wieder zurück und dann die bessere Piste genommen. Ein auffälliger Doppelgipfel bestimmt die Landschaft; auch wenn nach Karte deutlich unter 5.000 m. „Das wird die Liga sein, in der wir uns bewegen“ sage ich zu Beate. Wie’s der Zufall will, sind wir 1 Stunde später dicht unterhalb genau dieses Doppelgipfels. Vom höchsten Punkt der Straße auf 4.005 m sieht es gar nicht weit nach oben aus. Der sollte uns zur Akklimatisierung gerade Recht sein. Ein paar warme Sachen, Wasser und 1 Powerriegel kommen in den Rucksack und los geht’s. Nach einer Stunde findet Beate etwas Totes zum Fotografieren und wir stellen außerdem fest: sieht noch ganz schön weit aus. Der Hügel im Hintergrund ist das Ziel.

Die Luft wird dünn und es zieht sich. Das bekannte Problem. Die von der Ferne glatt aussehende Oberfläche wandelt sich zunehmend in Geröll. Wir peilen eine Art Zaun aus gestapelten Steinen an. Sollen hier Hirten eine Mauer für ihre Ziegen errichtet haben? In Fuerteventura vielleicht, aber doch nicht hier! Oder Tourguides haben den Weg für ihre Klienten geebnet. Auch Quatsch. Einzige Erklärung: die Inka waren’s und haben den Berg als Signalpunkt verwendet. Später stoßen wir in den abgelegensten Ecken auf solche Wege. Das können nur die Inka bzw. ihre Sklaven gewesen sein.

Bei 4.447 m ist der Gipfel erreicht. Der kleinere der beiden Morros de Cablòr, unser erster 4.000er! Wobei „Morro“ in dem Zusammenhang respektlos Hügel heißt und alle anderen Gipfel sich „Cerro“, also Berg, nennen dürfen. Frechheit.

War doch gar nicht so schwer, dachten wir anfangs. Im Abstieg kam die Realität. Unwohlsein, weiche Knie, Erschöpfung, Kälte. Wie später noch so oft waren wir froh, mit dem Auto weiter zu können und nicht hier irgendwo im Zelt schlafen zu müssen. Nochmal zurück blickend sah er doch wirklich schön und easy aus, oder:Die Szenerie wird immer atemberaubender. Wir sind allein auf guter Piste immer noch auf dem Weg zu den Geysieren von El Tatio. Dort abends angekommen finden wir eine 2 ha große Ebene mit vor sich hin dampfenden Geyserchen vor. Aber im Reiseführer steht, dass nur am Morgen der wahre Geysier zu sehen sein soll. In Erwartung der früh wohl eintreffenden Besuchermassen aus dem 120 km entfernten San Pedro bleibt noch Zeit, einen Übernachtungsplatz außerhalb des Touribereiches zu suchen. Der ist dann auf einer Ebene 100 m über dem Geysierfeld mit Blick auf Diese gefunden. Inzwischen ist es dunkel und saukalt geworden. Wir bereiten uns in Daunenjacken auf eine ungewöhnliche Nacht vor.

Freitg 09.11.2012 Oh ja, die Nacht in 4.500 m Höhe war ungewöhnlich. Die Kälte war nicht das Schlimmste, auch wenn der 10-Liter- Wasserkanister im Auto zu einem Eiswürfel gefroren war. Unsere Schlafsäcke hielten uns schon warm. Blöd war das ständige Gejapse nach Luft, kaum dass man eingeschlafen war. Aber genau diese Erfahrungen hatten wir ja gesucht. Die Scheiben waren innen dick zugefroren. Als die Sonne ‚rauskam, wagte ich mich vor die Tür für diesen Schnappschuss:Man sieht wirklich in der Morgenkälte die Geysiere deutlich dampfen. So einen schönen Blick hatten nur wir und nicht die paar übermüdeten Besucher aus San Pedro, da bin ich mir sicher. Neugierig folgen wir der Piste, bei der wir übernachtet hatten noch ein Stück und stoßen auf ein noch nie gesehenes Naturwunder: Ein weißer, befahrbarer, riesiger Sinterblock, über den das Wasser aus heißen Quellen fließt und sich 30 m tiefer zu einem ordentlichen Bach sammelt. Tut das gut nach der kalten Nacht! Und Brennstoff sparen geht auch. Erst wollten wir eigenes Wasser im Topf in dem fast kochenden Wasser erwärmen. Als das zu lange dauerte, wurden Kaffee und Nudeln gleich mit dem Geyserwasser aufgegossen. Und wir leben noch.

Ach, war das schön dort. Aber es kam noch besser. Wenn schon warmes Wasser aus Boden, dann muß sich doch eine Badewanne finden lassen. Wie weit muß Wasser fließen um sich von über 60°C auf Badetemperatur abzukühlen? Keine Ahnung, jedenfalls sehr weit. Nach einem halben km Marsch immer am Bach entlang war keine merkliche Abkühlung feststellbar. Glücklicherweise mündete dann ein trivialer Kaltbach in unseren Heißbach und schon passte die Temperatur.

So „erfrischt“ folgten wir Piste und Straße Richtung Süden. Von diesem Gebiet hatte wir eine wirklich empfehlenswerte Karte so dass bald die Verlockung aufkam, einer in die Berge weisenden Piste zu folgen. Bei der Ersten, die sicher zur Erschließung eines Schwefelberges angelegt war, ging es nach vielversprechendem Anfang nicht weiter. Ein tonnenschwerer Felsblock hatte die Fahrbahn erheblich eingeengt. Ein schmaler Toyota Hilux wäre vielleicht noch vorbeigekommen, nicht aber wir mit unserem breiten Boliden.Nach Karte würden aber bald 2 weitere Pisten in die Hochgebirgswelt abzweigen. Die Nächste war nur ein dünner Strich in der Karte und das zu Recht. Nach wenigen Kilometern auf ausgewaschener und schmaler Schneise bergan nutzten wir die vielleicht letzte Gelegenheit zum Umdrehen. Das Auto wird doch noch gebraucht; wir sind erst am Anfang des Urlaubs.

Nun der dritte Versuch. Diese Piste sollte zu einer Azufre (Schwefelmine) hinaufführen. Und es ging gut. Jeden km steckt sogar eine km- Angabe am Straßenrand. Erst jubeln wir über 5.100 m und dann, nach 21 km, über sagenhafte 5.400m; man beachte die Fingerhaltung. Neugierig steigen wir aus, laufen ein wenig umher, beobachten unsere Atmung und wie wir uns fühlen. Immerhin 2x persönlicher Höhenrekord :-).

Das hier oben lebende Tier, ein Vicunja, staunt nur über diese komischen Ausländer.Der tolle Tag ist noch lange nicht zu Ende, als wir gegen 19 Uhr in San Pedro einrollen. Schmale sandige Straßen, auf denen neben Einheimischen auch jede Menge Touristen aus aller Welt flanieren. Es gibt eine Unzahl an Reiseagenturen, kleinen Läden und Restaurants. Unschlüssig laufen wir auf und ab. Ein Zettelverteiler bemerkt das und drückt uns  Gutscheine für ein Lokal gleich um die Ecke in die Hand. Wir würden einen Pisco Sour zur Begrüßung bekommen, den Nationalcocktail von Chile. Eigentlich würde ich den nie bestellen, da rohes Eiweiß verarbeitet ist, aber probieren kann man ja mal. Zum Glück sind es nur winzige Gläschen mit dem Getränk, die ich Beide trinken muß. Mein Fall ist es nicht. Das Lokal ist urig und gemütlich und auf einer Schubkarre brennt ein Feuer. Es ist etwas teurer, aber die Qualität des Essens rechtfertigt den Aufschlag.

Die Krönung des Abends sind dann die unverhofft auftretenden Musikanten. Eine Stunde wenigstens spielen sie frohgelaunt Andenfolklore. Uns gefällts!

Bevor wir uns gestern in San Pedro niederließen, hatten wir, wie immer an fremdem Ort, noch die Umgebung nach einem Stellplatz abgesucht, den wir auch im Dunkeln wiederfinden würden. Etwa 4 km vor der Stadt gefiel uns ein großer Baum unweit einer Nebenstraße gut. Auch weil Erinnerungen an Afrika aufkamen. Allerdings wurde man früh wegen der nahen Strasse unfreiwillig vorfristig geweckt. Also nichts gegen den Baum, aber wir suchen weiter.

Samstag 10.11.2012 Heute ist Gegend erkunden vorgesehen. Wir wollen in der Region durchaus einige Tage bleiben. Als erstes ist die Laguna Cejar an der Reihe, ein etwa 20 km südlich von San Pedro innerhalb des riesigen Salar de Atacama gelegener Salzsee. Eigentlich sind es sogar 3 kleine Seen, von denen aber nur 1 zum Baden freigegeben ist. Am Wächterhäuschen zahlen 2 Personen ca. 5.- Eintritt und haben, bevor die Massen aus SanPedro eintreffen (und wie sie eintreffen), eine Wasserfläche von ca. 500 m Durchmesser vor sich. Das Besondere, was uns hergezogen hat, ist, dass die Verhältnisse wie am Toten Meer sein sollen; auf Grund des hohen Salzgehaltes soll man nach Reiseführer nicht untergehen können. Also wurde das Handtuch geschnappt und los. Bei der Frage, ob es eine Dusche gäbe, um das Salz wieder abspülen zu können, verwies die nette Dame auf ein großes Fass neben dem einige ausrangierte 5-l-Wasserflaschen standen. Na gut, einfach aber sicher ausreichend. Aber wir kamen nicht in die Verlgenheit, uns entsalzen zu müssen. Denn das Wasser ist lausekalt! Anfangs noch einige m am Ufer flach und wie Ostsee im Mai schimmert danach die wenige Schritte entfernte eiskalte stahlblaue Tiefe hervor. Wir mussten einige Zeit warten, bis sich endlich ein jugendlicher brasilianischer Adonis der inzwischen eintreffenden Besucher per Kopfsprung ins Nass warf. Er musste schon etwas schwimmen, um nicht unterzugehen. Nun müssen wir also doch noch ans Tote Meer. Das soll ja eher wie warmes Gelee sein, in das man nicht eintauchen kann.

Genug gesehen. Frühstückshunger. San Pedro. Nach einigem Suchen finden wir eine günstig gelegene Parkmöglichkeit und erkunden das kleine Städtchen. Eigentlich sind es nur 4 Gassen waagerecht und 4 Gassen senkrecht, die den Ortskern bilden, aber da mußt du erst mal hinfinden. Jede Menge Gassen und Straßen und Plätzchen aussenrum, Einbahnstraßen dazu und die Fußgängerzone erschweren die Navigation erheblich. So richtig sattelfest waren wir auch eine Woche später immer noch nicht.  Jedenfalls fand sich ein freier Tisch vor einem kleinen Cafe, von dem man das Treiben auf dem zentralen Platz hervorragend beobachten konnte. Die Bestellungen klappten auch gut: Cafe cortado (ein Glas Cafe mit etwas Milch), Huevos revueltos (Rührei) und das obligatorische Agua Mineral sin Gas. Da wie fast immer uns die Eier nicht lange genug gebraten waren, wurde noch eine wichtige Wendung versucht zu lernen: mas cocinar oder so ähnlich. Nebenan sind 2 Internetcafes, so dass einer von uns e-mails checken kann während der/die andere Karten schreibt und das bunte Treiben beobachten kann. Für die Karten holen wir im Postamt (Correos) um die Ecke an die 2 Dutzend Briefmarken und werfen sie nach erfolgter Beschreibung in den Kasten auf dem Hauptplatz. Garantiert war auch für DICH ein Gruß dabei. Auch 2 Monate später hat nicht eine Karte ihren Empfänger erreicht. Ich habe schwer den Postbeamten in Verdacht, neben dessen Schalter sich die beschriebenen Karten stapelten, diese einfach weggeworfen zu haben oder sich sogar noch der Briefmarken bemächtigt zu haben.Tag-10-Correos

Dann Stromausfall und Ende mit Internet. Aber es riecht so lecker. 3 Häuser weiter findet sich eine leicht zu übersehende Hühnergrillstube. Ein halbes Huhn mit Pommes ist für 2 kaum zu bewältigen. Vielleicht kann man hoffen, dass hier die Vögel ein paar Tage länger leben als bei Wiesenhof. Derart gestärkt und zufrieden und neugierig machten wir uns auf den Weg Richtung Osten, 160 km zum Paso de Jama an der argentinischen Grenze. Immer ein Blickfang ist der Hausberg, der Vulkan Licancabur, 5.916m, ein Muss für den nächsten Besuch. Die gute und nur von wenigen, meist mit Gebraucht-Pkw beladenen, Trucks befahrene Straße steigt unmerklich an und 40 km später hat man 4.500 m erreicht. So einfach geht das.

Nach 30 km überholen wir einen sein Bike schiebenden Radfahrer. Oben, am Abzweig nach Bolivien, zur Laguna Verde, wartet offensichtlich sein Kompagnon. Er erwidert mein freundliches Winken und so bin ich neugierig und steige aus und gehe mal zu ihm rüber. Oh, ist das jetzt kalt und windig hier oben. Wider erwarten kein Deutscher, sondern Jim, ein Feuerwehrmann aus der Nähe von Seattle, der sich mit 53 pensionieren lassen konnte. Er wartet auf seinen 55 jährigen Freund. Sie machen 3 Monate Urlaub und wollen weiter über den Paso Jama nach Argentinien. Da wir jetzt auf 4.500 sind und der Pass auf 4.277 m liegt, fragt er, ob wir wissen, ob das hier der höchste Punkt der Strecke ist. Aber wir wissen es ja auch noch nicht. Good luck, mucha suerte! Die folgenden 100 km geht es immer wieder mal abwärts und dann wieder hunderte Höhenmeter bis 4.800m  nach oben. Alles in traumhafter Landschaft, aber für jemanden, der das Rad schon bei der Aufstiegstour schieben muß, eigentlich eine unlösbare Tortur. Dazu der kalte Wind, die dünne Luft und die Aussicht auf ein Biwak am Straßenrand. Am liebsten wäre ich umgekehrt und hätte ihnen erzählt, was auf sie zukommt. Aber eigentlich waren sie ja alt genug 🙂 Wir hätten sie auf dem Rückweg sehen müssen; da das aber nicht der Fall war, bleibt zu hoffen, dass sie umgedreht sind oder von einem gnädigen Trucker mitgenommen wurden.

Unser nächstes Ziel sollen einige Salare und Lagunen um den Cerro Agua Calientes sein. Auf der Karte sind 2 Wasserflächen eingezeichnet, so dass ich ganz naiv Alpenlandschaft mit grünen Wiesen und Gebüsch erwarte. Aber es kommt viel schöner: Wüste und Felsen. Eine Anzahl felsiger Monolithen trotzt dem immer wehenden kalten und schmirgelnden Wind. Eine sorgfältige Observation ließ keine Besteigungsspuren erkennen. Die Moais de Tara, ein Ziel für kommende Generationen 😉 Und die Wasserflächen waren die „üblichen“ Salzseen am Rande von Salzpfannen.

Nach weiteren 100 km sinkt die Strasse dann wirklich langsam zum Pass nach Argentinien ab und mit Blick auf den Cerro Curutu (5.398m) drehen wir schließlich um.

Kurz bevor die Berge verlassen werden, will ich noch ein Bierchen auf den schönen Tag trinken. Beate hatte seit einiger Zeit ob der Höhe Kopfschmerzen, ließ sich dann aber doch bei so einem wichtigen Grunde zu einem Gläschen Roten hinreißen.

Am Abzweig nach Bolivien, wo wir früh Jim trafen, nehmen wir die Piste bis zur 5 km entfernten Grenze. Ich kratze all mein spanisch zusammen und frage, ob man das Auto hier stehen lassen kann, da wir keine Erlaubnis fürs Ausland haben und weiter zu Fuß zur Bolivianischen Laguna Verde laufen oder trampen kann. Die Uniformierten sind entzückt über meine Versuche und sichern mir jede Unterstützung zu. Also manjana nach Bolivien. Wurde dann aber doch nichts. In der einsetzenden Abenddämmerung grüßt der omnipräsente Licancabur herüber.

Sonntag 11.11.2012 Mennoh! So ein schönes Übernachtungsplätzchen an der Laguna Cejar und schon wieder macht der marode Reifen vorne links schlapp. Der Radwechsel ist aber Dank Beate in wenigen Minuten vollzogen.

Dann folgt ein geruhsamer Vormittag an bekannter Stelle. Hm, es ist Sonntag…. man könnte ja mal einen Tag einfach so …. vergammeln? Und das Treiben auf dem Platz beobachten, die Hunde, die schrägen Vögel, die an- und abreisenden Touristen, die Einheimischen…..

Geht nicht! Können wir wohl nicht. Die Hummeln im Hintern schicken uns wieder auf Erkundungsfahrt. gegen Mittag machen wir uns auf die Reise Richtung Paso Sico, wo es in über 190 km nach Argentinien ginge. Auf dem Wege liegt das Naturwunder der beiden Seen Laguna Miscanti und Laguna Miniques. So kitschig und  schön, unbeschreiblich,  auf Fotos nicht annähernd widerzugeben.

Beate beobachtet die Wasservögel auf der Laguna; im Hintergrund der Cerro Miscanti, 5.622 m.

Irgendwann endet die asphaltierte Straße und geht in eine Erdpiste über. Bauarbeiter sind aber schon hier. Auch das Dixi.

Und immer wieder ist die Szenerie steigerungsfähig. In der Einsamkeit und Abgeschiedenheit hier oben bietet der Salar Agua Calientes („Salzsee Warmes Wasser“) eine unglaubliche Kulisse. Nur war das Wasser, das wir mal anfühlten, leider kalt.

Ausnahmsweise hatte ich ein Bier aufgemacht und grüßte ganz besonders Schulle und alle Anderen natürlich auch:Hier in Blick in unsere Bordküche:Es folgte der unglaublichste Sonnenuntergang des Lebens: alle paar Sekunden flammten die Wolken in anderem Licht und die Formationen wurden außerirdisch. Unglaublich.

Montag 12.11.2012 Der Tag beginnt, nachdem die Sonne die Scheiben abgetaut und etwas Wärme auf die Hochebene gebracht hat, mit einem heißen Kaffee. Es ist anzunehmen, dass wir im Umkreis von 100 km die einzigen Menschen sind.Jetzt ist es nicht mehr weit bis ans Ende der für uns befahrbaren Strecke zum Paso Sico. Der schönste Landschaftsteil dürfte vorbei sein, es geht sachte abwärts und die für uns unpassierbare Grenze kommt näher. Eine vielversprechende Straße führt nach Karte links abbiegend wieder weit hoch. Es geht an die 5.000 m, aber wir sind so alleine hier, dass uns der Mut verläßt und wir zur Straße zurückkehren und uns an den fast 200 km- Rückweg nach San Pedro machen.

Ein Blick zurück auf die letzte Übernachtungsstelle:

Und schon folgt die nächste Attraktion. Versteinerte Saurier?

Unten beim Örtchen Toconao soll es nach Karte und auch Empfehlung einer Reiseagentur tolle Klettermöglichkeiten geben. Zwar finden wir bei inzwischen glühender Hitze um einen Bach herum attraktive Steilwände, aber von eingerichteten Routen keine Spur. Bemerkenswert ist, dass inmitten der trockensten Wüste der Welt ein Bächlein sprudelt und Bäume wachsen. Man muß etwas Kleingeld Eintritt bezahlen, um das Areal mit Steinbruch, Inkahütten und Grillplatz zu besuchen. Wir suchen nicht länger nach den Kletterwänden, da es  hier trotz 2.500 m mit über 30°C einfach zu heiß ist.

Weiter Richtung San Pedro: Ob hier das Leben des Brian gedreht wurde?

In San Pedro angekommen besuchen wir zuerst die Tankstelle und wollen bei der Gelegenheit den Reifendruck überprüfen. Gerade vorne links sieht’s schon wieder verdächtig aus. Die Funktionsweise  des Gerätes hat ein freundlicher Angestellter schnell erklärt, aber welchen Druck müssen wir vorprogrammieren, wenn die Maßeinheit „Psi“ ist? Zum Glück ist das Wörtchen empfehlen auf spanisch (recomendar) ähnlich wie im englischen und er versteht meine Frage, welchen Druck wir wählen sollen und empfiehlt cuatrocientos, 400 Psi.
Erklärung von zu Hause: Psi ist pound per square- inche, also Pfund pro Quadrat-Inch und ungefähr Faktor 15 zu unseren bar. Die empfohlenen 40 Psi waren mit rund 2,8 bar die richtige Empfehlung. Bedauerlich, dass so etwas was nicht im Reiseführer steht.

 Bei Schlendern durch die wenigen Gassen von San Pedro werden wir vom Aufsteller des „Inti Sun“ angelockt. Menü für 8.-, da kann man nicht viel verkehrt machen. In einem schattigen Innenhof stehen ein paar einfache Tische und Bänke, an denen wir uns niederlassen. Im Hintergrund flimmert ein Fernseher. Es gibt chilenisches Bockbier (auf dem Etikett steht „Kunstmann- das gute Bier“) und leckeren chilenischen Roten. Die Speisen sind einfach aber lecker zubereitet und so sitzen wir noch bis in die Dunkelheit und lassen uns von der netten Kellnerin gelegentlich die leeren Gläser nachfüllen.

 In tiefer Dunkelheit lassen wir unseren Schlafbaum links liegen und landen an einem kleinen See inmitten des Salar de Atacama.

Dienstag 13.11.2012 Während wir früh noch überlegen, an welchem See wir denn eigentlich sind, kommt aus einem roten Pickup  eine kleine Frau in Uniform und gibt uns zu verstehen, dass hier Eintritt gezahlt werden muss. Außerdem zeigt sie immer auf unsere leere 5-Liter- Wasserflasche, bis wir ihr diese mit fragendem Blick geben. Als wir dann an der Ausfahrt unseren Obolus bezahlen, wird alles klar. Wir sind in der Dunkelheit wieder an der Laguna Cejar gelandet (die mit dem Salzwasser, Totes Meer, ihr erinnert euch?) und die leere Flasche ist für das Süßwasser zum Besucher- Salzwasser- Abspülen.

Eine beliebte Beschäftigung der jugendlichen  Touristen scheint das Ausleihen von Mountain Bikes zu sein. Die Ausflüge finden aber meistens in der topfebenen Fläche des Salar de Atacama statt. In den Bergen haben wir nie jemanden mit dem Rad gesehen, vom amerikanischen Feuerwehrmann mal abgesehen. Bei den gebuchten Ausflügen scheint ein Begleitfahrzeug obligatorisch zu sein. Ob Einzelradler oder Gruppe, immer war ein Guide dabei und in diskretem Abstand folgte dann ein Auto mit Fahrradhänger; vielleicht um die erschöpften Sportler, die sich in der Hitze etwas zuviel zugemutet haben, wieder aufzunehmen.

Auf dem Weg in die Berge wünschen der Licancabur und Lamas viel Glück. Unser Ziel ist der Cerro Toco, ein 5- tausender, den ich per Internet im Vorfeld ausgeguckt hatte. Wir müssen nur wieder die Straße hoch zu der Stelle, wo wir den Amerikaner getroffen hatten und gleich rechts auf erkennbarer Piste abbiegen.

Locker und entspannt wurde die Sache angegangen:

Um 12 Uhr mittags brachen wir am Auto auf und folgten dem einigermaßen erkennbaren Pfad immer bergan. Überraschenderweise strebte der Pfad gar nicht dem Punkt entgegen, den wir für den Höchsten hielten, sondern zog sich rechtshaltend bergan. Ein Phänomen, dem man oft in den Bergen begegnet.Wir waren schon ordentlich akklimatisiert, spürten aber trotzdem den zunehmenden Höheneinfluß.

Um 14:10 war es so weit: unser erster ehrenhaft erstiegener 5-tausender: der Cerro Toco mit 5.642 m!

In Bildmitte unterhalb des Knies ist die Laguna Verde in Bolivien zu sehen; also jene die wir zu Fuß an den freundlichen Grenzern vorbei besuchen wollten. Es folgt die obligatorische Übung an ungewöhnlichen Orten:

Beate hält einen Stein mit magischen Gravuren in der Hand, der dann die Reise von hier oben in die 12.000 km entfernte und 5.610 m tiefere Heimat antreten wird und nun auf dem Fensterbrett liegt.

Ich glaube, dass wir, 15:30 Uhr unten angekommen, ganz schön fertig waren, so ausgepumpt und durchgefroren…

Nach der Begeisterung kam auf der anschließenden Erkundungsfahrt der Frust. Die Hochebene auf 4.500m ist völlig zerwühlt von im Bau befindlichen Autobahnen zu den astronomischen Einrichtungen. Furchtbar. Naturzerstörung in gigantischem Ausmaß und mit Sicherheit von der EU mitfinanziert.Das Abendessen im La Pasona in San Pedro war bei entsprechend gedrückter Stimmung sowieso nicht erwähnenswert, weil lieblos, teuer und mit unaufmerksamen Service serviert.

Mittwoch 14.11.2012 Nach der inzwischen üblichen Übernachtung an der Laguna Cejar stand heute der nächste 5-tausender auf dem Programm: der Vulcan Lascar. Eigentlich hatten wir vorher den Weg erkunden wollen aber wegen des Gerüttels auf schlechter Piste vor 2 Tagen nach 20 km abgebrochen. Das sollte sich natürlich rächen. Erst geht es 40 km auf der Hauptstraße bis hinter Toconao, dann links abgebogen immer bergauf auf glatter Erdpiste 20 km bis hinter dem Dörfchen Talabre und dann sollten 60 km Rüttelpiste bis ans Ziel folgen. Aber schon nach 10 km endet die Piste in einem Talkessel mit vielen Lamas und 2 Hirten. Umdrehen. Wir haben schnell den einsamen Wanderer erreicht, dem schon bei der Hinfahrt zugewunken wurde. Es ist Gunn, ein Holländer, der sich seit 6 Jahren schon in Chile rumtreibt und sich von Feuerland Richtung Norden hocharbeitet. Zitat: „Chile, das schönste Land in Südamrika, aber sooo teuer.“ Er hat den Lascar, der im Hintergrund vor sich hin raucht, in den letzten Tagen auf 2 Wegen bestiegen und weiß wo wir falsch abgebogen sind. Wir nehmen ihn gerne die paar km mit und sind dann wieder auf der richtigen Fährte. Die Piste zieht sich ewig in der Einsamkeit um den Cerro Corona herum, bis wir endlich die Laguna Lejia sehen. Nun sind nur noch 20 km auf staubiger Hochebene auf der Rückseite des Corona zurückzulegen und „schon“ ist der Lascar erreicht. Siehe da, wir sind nicht alleine, aus einem roten Toyota Hilux grüßt jemand herüber.

Nun aber los, der Gipfel scheint wieder mal zum greifen nah, aber wir wissen inzwischen wie das täuscht. Auf dem gut erkennbaren Pfad schrauben wir uns aufwärts.Die Szenerie ist wie immer sagenhaft. Wenn es nur nicht schon wieder so spät wäre… Das bekannte Problem.

Dann kommt ein junger Mann den Berg herunter, ein Geologie-Student an der Uni in Copiapò. Er sagt dass der Mann unten am roten Toyota ihr deutscher Dozent sei und dass dann noch 2 Studenten kommen würden, eine Französin und ein Kubaner.

Um halb 6 nachmittags oder besser abends war der Rand des Kraters auf 5.460 m endlich(!) erreicht. 2 Schritte weiter und es ginge 1.000 m abwärts in den Schlund, aus dem Schwefeldämpfe wabern und an dessen Flanken Geysiere dampfen. Dante muß schon hier gewesen sein. Für die 50 Höhenmeter bis zum höchsten Punkt fehlen Zeit und Motivation. Hier müssen wir auf jeden Fall noch mal hin. Der Blick in den Vulkan war zu kurz und muß ausgiebig nachgeholt werden!

Runter ging’s schnell. Um viertel vor 7 abends hatten wir unser Auto erreicht und fuhren die 20 km zur Lagune. Rückblickend bot sich die Szenerie von 3 Bergen, Einer schöner als der Andere. Am Meisten kribbelt es natürlich beim Rechten. Zitat aus Wikipedia (darf ich als zahlender Unterstützer hoffentlich verwenden):

„Der Acamarachi (auch: Cerro Pili) ist ein Stratovulkan in Nord-Chile, 40 km südöstlich von Toconao und nordöstlich der Vulkane Aguas Calientes sowie Láscar. Der Vulkan liegt auf dem Hochplateau Puna de Atacama. Seine Höhe beträgt 6046 m. Die Neigung der Flanken erreicht stellenweise 45 Grad. An der Nordseite befindet sich ein Lavadom. Es handelt sich um den höchsten Berg in diesem Teil der nördlichen Anden. Er bildet das südsüdöstliche Ende eines kleinen Vulkankomplexes, welcher sich vom benachbarten Vulkan Colachi Richtung Nordnordwest ausdehnt. In seinem Krater befindet sich ein See mit einem Durchmesser von 10-15 m. Dies ist vermutlich der zweithöchste Kratersee der Welt und der zweithöchste See überhaupt in Südamerika hinter demjenigen im Krater des Ojos del Salado. Der Vulkan stellte ein Heiligtum der Inkas und ein ritueller Ort dar. Es wurden oben Metall- und Textil-Gegenstände aus der Inka-Zeit gefunden. Der Zeitpunkt des letzten Ausbruchs ist unbekannt.“

Wir übernachten an der Laguna Lejia (=Wäschelauge) in 4500 m. Gewohnt kühl mit gelegentlichen Erstickungsanfällen. Bis zum Licht- aus- machen wurde immer mal wieder der Motor zum Aufwärmen des Schlafzimmers angestellt. Nervig an dem Auto war, wenn der Motor aus war und der Schlüssel stecken blieb, piepte das Ding unaufhörlich. Also musste immer der Schlüssel abgezogen werden. Und ich schwöre es ist wahr: einmal drehte ich am Zündschloss, zog den Schlüssel ab- und der Motor lief weiter. Soviel zum Thema amerikanische Autos.

Donnerstag 15.11.2012 Die Piste wird nun Richtung ehemaligem Grenzübergang nach Argentinien immer mieser und wir wollen auch zurück nach San Pedro. Immer wieder präsentiert sich auf dem Rückweg der Lascar in schönen Motiven. Leider lag auch ein totes, höchst wahrscheinlich überfahrenes, Lama am Straßenrand.

Wieder auf der „Hauptstrasse“ sind auch hier reichlich die Erinnerungsstätten zu sehen.

In San Pedro angekommen führt der erste Weg wohl wohin? Haben wir eigentlich schon ein Bild des wichtigsten Ortes in San Pedro gezeigt: der Tankstelle? Diese liegt untypisch auf dem Hof einer Ferienanlage; also Sackgasse. An der Zufahrt stauen sich in der Regel immer einige Fahrzeuge, zumal auch Busse und Lkw hier tanken kommen. Die Einfahrt ist ein langer Schlauch und umdrehen muß man auch noch. Dann gibt es einen Wasserhahn, an dem wir immer unseren 10 l- Kanister füllen und einen Wasserhahn mit Schlauch zum Autoabspülen. Bei letzterem ist aber das Ventil festgegammelt und ließ sich auch vom Personal mit Werkzeug nicht öffnen. Diesmal hatten wir Glück, dass gerade ein Angestellter der Ferienanlage die Straße sprengte, um den Staub zu binden. Gern erfüllte er uns die Bitte nach Wagensäuberung. Leider war er an den folgenden Tagen nicht wieder zur Stelle. Wer hier ein Bombengeschäft machen will, muß nur außerhalb des Ortes einen Supermarkt mit Tankstelle samt Autowäsche eröffnen.

Dann entdeckt Beate den besten Eiscafé (Cafe helado) in unserem Eckcafé. Wir gucken wieder Leute, schlürfen noch mehr Kaffee und knuspern Obstsalat. Ausruhen. Aber nicht zu lange. Es zieht uns noch mal nach El Tatio. Zum Einen weil es so schön war, zum Zweiten, weil wir noch mal „saunieren“ wollen und zum Dritten…. ein leichter 5-tausender, der Soquete steht dort auch herum. Also rollen wir Richtung Norden durch die liebgewonnene und inzwischen vertraute Kulisse von Vulkanen, Vicunjas und Grassteppe.

Nicht ganz ernsthaftes Ziel war der Vulcan Soqute, der hier mit seinen 5.280 m im Hintergrund links schön zu sehen ist.

Es dämmert schon, als wir an bekannter Stelle am weißen Sinterblock ankommen. Schnell wird es dunkel und bitterkalt. Es gibt YumYum- Instantnudeln (immer Geschmack beef, der Rest schmeckt nicht) gleich mit kochendem Quellwasser angerührt. Zum Warmhalten brummelt  hin und wieder der Motor. Und noch eine andere elektronische Fehlkonstruktion des amerikanischen Autos soll erwähnt werden: Nach einigen Minuten Zündung aus geht das Licht aus und läßt sich nicht einfach per Knopfdruck wieder einschalten. Wir hatten zwar die Stirnlampen dabei, aber unpraktisch war es schon. Ach, und was auch nicht geht: Motor aus und Radio hören. Wirklich. Sobald eine Tür aufgemacht wird, ist das Radio unwiderruflich aus. Draussen sitzen und Musik hören geht nicht.

Freitag 16.11.2012 Jetzt sind wir doch wirklich schon ausreichend akklimatisiert und trotzdem war die Nacht in 4.500 m nicht sehr erquickend. Immer wieder diese Atemnot, kaum dass man eingeschlafen ist. Bei mir hält es sich noch in Grenzen, aber Beate findet abermals nur halb sitzend etwas Ruhe. Beim Planschen später in der bekannten Badewanne im Bach kommen die Lebensgeister wieder zurück – um bald darauf wieder zu gehen. Denn es steht in jeder Therme am Heißwasserbecken geschrieben: nicht länger als 10 min. Aber es war doch so schön in dieser Badewanne mit fließendem Wasser….

Mit etwas weichen Knien und kurzatmig schleichen wir zum Auto zurück. Dann fahren wir 3 km zum aufgegebenen Lager der Thermalquellenarbeiter und stellen das Auto neben dem fetten Haupt- Absperrventil auf 4.500 m ab. Vor einigen Jahren wurden hier die unterirdischen Heißwasser- Quellen angebohrt um die Erdwärme zu nutzen. Es fragt sich nur für wen und wozu. Die Beantwortung der Frage hatte sich schnell erledigt, da als Reaktion auf den Druckverlust die Geysiere „ausgingen“. Auf Druck der Touristikbetreiber wurde das Projekt eingestellt.

 Es gibt keinen erkennbaren Pfad nach oben, so dass wir nach Gefühl bergan steigen. Schnell geht es aufwärts und die Aussicht auf die umliegenden Berge wird immer phantastischer. Der zerrissene Kraterrand mit einem gewaltigen Zacken als Hauptgipfel rückt immer  näher.

Aber wir müssen auch realistisch sein: wir schaffen es niemals bis zum Gipfel. Es sind zwar „nur“ 700  Höhenmeter aber der Weg zöge sich noch ewig. Hätte ich die Beschreibung etwas aufmerksamer gelesen, ware mir aufgefallen, dass 10 Stunden für hoch und runter angegeben waren. Noch ein Ziel für das nächste Mal.

Auf der Rückfahrt wählen wir mal den rechten Abzweig über Machuca. Ist zwar etwas länger, aber die Straße ist besser ist die Landschaft auf andere Weise spektakulär. Wir stoßen auf ein breites Tal mit dauerhaftem Flüßchen, das bestimmt schon zu Inkazeiten bewohnt war. Später, die letzten 40 km vor San Pedro, erinnert die Landschaft mit den roten Granitfelsen an das Damaraland im nördlichen Namibia.

Unser Eck- Cafè ist leider voll, als wir gegen 18 Uhr wieder in San Pedro ankamen und so konnte im Lokal nebenan mal ein Bier vom Fass (hierzulande sagt man Schop, ein Erbe der deutschen Einwanderer) zu probieren.

Zum Abendessen war sicherheitshalber unser Lieblingstisch im Inti Sun reserviert, da vor einigen Tagen abends kein Platz zu bekommen war. 

 

Samstag , 17.11.2012  Wir finden uns, zum wievielten Male eigentlich, an der Laguna Cejar wieder. Heute ist wieder die morgendliche Kontrolltruppe da; wir zahlen die üblichen 4.000 Peso und lassen unsere leeren großen Wasserflaschen dort.

Der Wasserkanister wird an der Tankstelle aufgefüllt, der Benzintank natürlich auch und weiter geht`s zum Frühstück auf dem  Hauptplatz. Schleicht sich hier langsam Routine ein?

So früh hatte die Chefin noch gar keine Gäste erwartet und rennt erstmal zum nächsten Laden um einzukaufen. Wir werden für`s warten mit herrlichem Obstsalat und Beate obendrein mit leckerstem Eiscafe belohnt.

Tochter Mercedes freut sich auch über die frühen Gäste.Aber warum waren wir denn heute so früh schon unterwegs? Wer sich erinnert: bei der Ankunft in unserem Gebiet hatten wir mit dem Auto 5.400 m erreicht.  Hier schien damals der Cerro Sairecabur mit 5.971 m unerreichbar hoch. Nun waren wir aber gut akklimatisiert und immer noch voller Tatendrang und so zog es uns nochmals ohne ernsthafte Absichten dort hinauf. Es gab keine Vorinformation aus Reiseführer oder Internet. Wir gingen also querfeldein einfach auf der Suche nach einer Aufstiegsmöglichkeit immer am Fuße des Berges entlang.  Möglicherweise waren wir schon in Bolivien, als sich eine mögliche Route zumindest auf den Nebengipfel aufzeigte. Was sich aber auch zeigte, war unsere Unerfahrenheit in weglosem Gelände. Nach einigen 100 hochgeschnauften Höhenmetern wurden die Felsbrocken größer und  die Steigung steiler. Der Licancabur mit seinen  über 5.900 m war schon fast auf Augenhöhe, als uns nichts übrigblieb, als anstrengend weit im Geröll zu queren. Absteigen und wieder rauf wäre die bessere Wahl gewesen. Trotzdem zufrieden wurde der Rückzug eingeläutet.

Im Hintergrund der Nebengipfel, zum Greifen nah, und doch dieses Mal unerreichbar. Na und!?

Wieder mal ausgepumpt und durchgefroren erreichen wir unseren Wagen. Und wieder springt er zuverlässig an. Einige 100 m weiter liegen, wohl zwischenzeitlich herabgerollt, mittelgroße Steine auf der Piste. Nach so einem schönen Tag soll man auch eine gute Tat vollbringen, sage ich, steige aus und rolle nach Atem ringend die Brocken weg. Als ich wieder im Auto sitze, ist der Motor aus. Ausgegangen oder vor’m Aussteigen ausgeschaltet- egal. Aus ist aus und vor Allem: bleibt aus! In 5.400 m Höhe gegen 18 Uhr sitzen wir fest. In 20 km Entfernung und 1.500 m tiefer liegt die Piste nach San Pedro, auf der morgen früh vielleicht ein paar Autos mit Besuchern nach El Tatio unterwegs sind. Oh Oh Oh. Das wird eine sehr ungemütliche Nacht. Erfrieren werden wir schon nicht, aber die dünne Luft….. Dann kommt ein Wunder zwischen die Überlegungen und der Motor springt wieder an. Wegen des geringen Luftdrucks leuchten einige Warnanzeigen, aber für uns gibt’s nur eines: runter! Und schon ist die Welt wieder in Ordnung: tolle Abendstimmung.Abends sitzen wir noch mal im Bandidos del Desierto. Die Musiker sind wieder angekündigt, kommen aber nur zu dritt. Nett, aber nicht mehr so fulminant und überraschend wie beim ersten Besuch.

Sonntag 18.11.2012 Es gilt, sich von dieser unglaublichen Gegend zu verabschieden. Ich habe es bisher, glaube ich, noch nicht ausgesprochen: Afrika hat Konkurrenz bekommen. Für jemanden, der solche Landschaften liebt, gibt es hier noch sooo viel zu entdecken. Hier warten noch einige 5- und 6- tausender auf unseren Besuch. Erst viel weiter nördlich werden die Berge wieder gefährlicher mit Schnee und Gletschern.

Ein Novum, um 9 Uhr sind wir in San Pedro und alles ist noch zu.

So fahren wir gleich die 140 km auf guter Strasse nach Calama. Ab jetzt sind wir Normaltouristen und gehen erst mal einkaufen. Es ist schließlich Sonntag und was soll man da schon machen? In diesen Einkaufstempeln gibt es wirklich fast alles. Exemplarisch hier unter dem gigantischen Eingangsportal 2 Bilder von der Torten- und Brötchenauswahl:

Interessant für Individualreisende sind die Öffnungszeiten, die so ein Super-Super-Markt hat. Sonntag bis Donnerstag bis 22.30 Uhr,Freitag, Samstag und Feiertags (!) bis 23.00 Uhr.

Über die folgenden 180 km bis zur Pazifikküste gibt es nichts zu berichten. Öde und eintönige Wüsten- und Bergbaulandschaft. In Tocopilla sind wir wieder am Meer. Die Stadt selbst lebt wohl von der Erzverschiffung und dem Kraftwerk für die Minen im Inland. Das gilt für die meisten Städtchen hier an der Küste im Norden.

Wie zum Ausgleich für die zuletzt öde Landschaft wurde es am Meer immer schöner und eindrucksvoller. Eine echte, wenig befahrene und gut ausgebaute Küstenstraße windet sich die nächsten 180 km bis Antofagasta Richtung Süden am Pazifik entlang.

Jetzt hatten wir es weiss auf grün: noch ganz schön weit nach Santiago. 1.560 km. Das ist fast die Entfernung Berlin- Moskau.

50 km vor Antofagasta liegt Mejillones, gem. Reiseführer „eine etwas seltsam anmutende Mischung aus Bergbauhafen und Badeort“. Das einzige geöffnete Restaurant ist „Zlatka“, auch eine Empfehlung im Reiseführer. Die merkwürdige Stimmung des Ortes überträgt sich auch auf den Laden: große Halle mit vielen Tischen an denen sich wenige Gäste verlieren, es ist kühl, der Großbildfernseher dudelt eine deutsche Actionserie, an der Wand hängen Kalender aus dem vorigen Jahrhundert (1998). Am Tisch vor dem Tresen sitzt das hochbetagte Patrones- Ehepaar und beobachtet die Kellnerinnen. Meine angefragte halbe Portion Meeresfrüchte muss auch erst vom Chef genehmigt werden. Am Schluß, wir sind die letzten Gäste, stehen die Kellnerinnen an, um dann mit ein paar Geldscheinen in der Hand nach Hause zu gehen.

Montag 19.11.2012 Morgennebel begrüßt uns beim Aufstehen. Wir hatten das Auto einfach auf einem unbewachten Campingplatz direkt über dem Meer geparkt. Alles ist verwahrlost und müllig. Geweckt wurden wir von den Bohrhämmern einiger Handwerker, die wohl versuchten, den Verfall an einem Bungalow aufzuhalten oder zu den Truppen gehörten, die den Platz für die Hauptsaison herrichten.

Hinter dem Ort erstreckt sich eine wüstenhafte Halbinsel in den Pazifik hinein. Nach 80 km ist Punta Angamos erreicht. Eine martialische Kanone dürfte an einen Sieg der Chilenen gegen die Peruaner im Salpeterkrieg 1879 erinnern. Die Abgeschiedenheit ist phantastisch, aber:

Das bekannte Problem weltweit. Der Spruch könnte bedeuten: nicht noch mehr hier hinschmeißen- sondern saubermachen!

Bei der Rückfahrt durch den Ort sieht es auch nicht besser aus.

Dann sind wir wieder in Antofagasta. Das erhoffte Wellenschauen fällt mangels der Brecher von der Hinreise aus. Auch das Vorhaben, mal im rechten Winkel zum Ozean in die höhergelegenen Stadtteile zu fahren oder nur die Stadt anzusehen wird abgebrochen: zu dichter Verkehr und keine Parkplätze. Das können wir auch zu Hause haben.

Dafür gelingt ein anderes in Chile schwieriges Vorhaben, die Autowäsche. Bei der Kärcher- Wäsche stehen wenigstens 5 Autos an, aber wir haben bei der Hinfahrt noch eine „richtige“ Waschanlage gesehen und finden Diese sogar. Die Wäsche kostet 3x so viel wie am Kärcher, aber dafür sind wir gleich dran. Es ist dann so ein Mix zwischen Vollautomat wie zu Hause und Kärcher- Handreinigung. Es ist nur „basico“ bezahlt und so wandert ein kleines Scheinchen in die Tasche der Service- Fachkräfte, denn die Karre ist wirklich saudreckig. Und dann traue ich meinen Augen nicht! Honni, er lebt! Ist nicht mal älter geworden, die letzten Jahre.

Mitten in der Wüste ragt auf einmal eine Betonhand aus der Erde. Es ist sehr windig, so dass der Erstbegehungsversuch nicht vollendet werden konnte. Info aus Wikipedia: „Mano del Desierto ist eine 1992 geschaffene, 11 m hohe Eisen- und Zementskulptur von Mario Irarrázabal in der Atacamawüste. Die Skulptur steht auf einer Höhe von 1000 m ü. M. unweit der Stadt Antofagasta im Norden von Chile. Sie wurde von der lokalen Förderorganisation Corporación Pro Antofagasta finanziert. Seit ihrer Einweihung am 28. März 1992 ist die Skulptur zu einem Anziehungspunkt für Touristen geworden, die auf der Route 5 fahren, die Teil der Panamericana ist.“

Allmählich wird mir heute die Fahrerei zuviel. Die Strecke durch die Wüste ist nicht direkt langweilig, aber zieht sich. Das bekannte Problem.Im Städtchen Chanaral finden wir einen Supermercado und kriegen das Auto mit der Fernbedienung im Schlüssel nicht mehr auf, als wir die Einkäufe verstauen wollen. Toll, im kurzen Hemd bei beginnender Abendkälte auf der Fernbedienung ‚rumzudrücken. Aber nichts geht, bis mir einfällt, dass doch zumindest 1 manuelles Schloss da sein muss. So geht die Fahrertür auf und die Alarmanlage an. Als die zu Schweigen gebracht ist, wenden wir uns noch mal Richtung Norden, dem Nationalpark Pan de Azucar entgegen, der hier gleich beginnt. Bald ist eine einsame Stelle, die Playa Blanca, in der ersten Reihe direkt am Meer gefunden und der Fahrer kann sich endlich den verdienten Feierabendschluck gönnen. Kurz darauf auch die Beifahrerin. Zur Belohnung gab es außerdem für Beide einen kitschigen Sonnenuntergang.

Dienstag 20.11.2012 Der Tag beginnt mit einem Bad einschl. Körperpflege in einem künstlich angelegten Pool mit Meereswasser. Danach wird das Salzwasser mit Kanisterwasser abgespült. Bilder nur auf schriftliche Anfrage und mit Altersnachweis.

Ein Stückchen weiter nordwärts in den Nationalpark hineingefahren kommt ein kleines Fischerdorf.  Einige Baracken nennen sich Bar oder Restaurant aber bis auf  Eine sind alle geschlossen. Bei dieser Einen offeriert eine Mutti in Kittelschürze Nescafe und Tee. Milch zum Kaffee gibts nicht, aber Empenadas con Camarones, Teigtaschen mit Shrimps.  Erst Eine zur Probe und dann begeistert noch Zwei nachbestellt. Im Hintergrund dösen 2 Dutzend Pelikane, in die Leben kommt, als der Fischer sein Auto mit dem Fang belädt, um wahrscheinlich in die Stadt zu fahren. Noch nie haben wir so nah und so lange Pelikane beobachten und fotografieren können.

Als wir wieder loswollen kommt ein Radfahrerin in Jack Wolfskin- Klamotten und fragt auf spanisch nach irgendeinem Tal. Ihr Akzent ist so eindeutig, dass ich auf deutsch sage, dass wir ihr keine Ahnung haben.  Sie ist Berlinerin, etwa in unserem Alter und allein von Calama  nach Santiago unterwegs. Wir werden nicht warm und verabschieden uns bald. Dann  fahren wir nochmal nach Chanaral, decken uns im Supermarkt von gestern mit ein paar Kleinigkeiten ein und ihr ahnt es schon: die Türen des Dodge öffneten sich wieder nicht! Die Lösung war ja nun bekannt, also kein Aufreger mehr. Das Problem hatten wir bei all den Macken des Autos wirklich nur hier. Es muß hier irgendetwas geben, das die Funk- Fernbedienung außer Kraft setzt. Eine Magnet- Anomalie, Außerirdische oder ein Tunnel in die fünfte Dimension. Wer wird das wann herausfinden? Bis das geklärt ist, fahren wir erstmal weiter Richtung Santiago. An einem Heiligtum für die Jungfrau von Andacollo müssen wir mal anhalten. Nachdenklich steht man davor und liest den Dank für die Rettung der Bergleute in Copiapò 2010.

Schon wieder geht einer der letzten Tage in Chile zu Ende und es gilt eine Übernachtung zu finden. Standesgemäß in erster Reihe und allein mit den Brechern des Pazifik ist Diese im kleinen NP Llanos de Challe gefunden.

Mittwoch 21.11.2012     Morgen werden wir schon in Santiago sein. Was machen wir aus dem schönen verbliebenen Tag?  Beate fängt erst mal mit Muschelsammeln an.

Dann fahren wir 50 km bis Vallenar und versuchen ein dem letzten Unterwegs- Tag angemessenes Frühstück zu finden.  Hier hatte der Reiseführer mal Recht: ein totes Nest. Und wie so oft, wenn man aufgeben will, geht die Sonne auf. Die Kette, bei der wir schon vor einiger Zeit gut gegessen hatten, ist in dieser Einöde zum Glück auch präsent.

Gestärkt mit Thunfisch- Sandwich, Cafe Cortado und Orangentorte gewinnt wieder die Entdeckerlust und nochmal geht es in die Berge. Nach Karte stehen in 100 km einige 6-tausender herum.  Wieder ein ganz anderes Chile. Total abgeschieden und doch nicht so einsam wie die Atacama. Weinfelder ziehen sich immer an der Straße entlang. Alto del Carmen… kennt man das nicht als Weinlage? Irgendwann stimmt die Karte nicht mehr mit den Wegweisern überein, Navi ist sowieso stumm und als nach hunderten Kurven eine Schotterpiste beginnt, von der wir nicht wissen, wo sie endet, drehen wir schweren Herzens um.

Der Kreis schließ sich. Warum jetzt experimentieren. Unsere erste Übernachtung im Freien war in Tongoy, dann soll die Letzte auch dort sein!

Donnerstag 22.11.2012 Das war die allerletzte Nacht in diesem Jahr in erster Reihe am Meer. Wenn ich an Fisch denke, ist mir nicht ganz wohl. Etwas lustlos räumen wir schon mal unsere Schlafsäcke und Isomatten zusammen. Die werden jetzt nicht mehr gebraucht. Große Freude und Erleichterung: Beates Fotoapparat taucht wieder auf. Wegen dessen vermeintlichen Verlustes wurde gestern abend der Kellner scheel angesehen und wurde der Strand früh um 4 Uhr zum x-ten Male abgesucht. Dabei steckte das Teil ordnungsgemäß in der Deckeltasche.

Immer wenn das Thema auf Santiago kam und Ilona Sch. war dabei, hieß es sofort von ihr: übernachten müßt ihr im Hotel Paris! Also riefen wir eine Woche vor der voraussichtlichen Ankunft dort an (nachdem wir das Prinzip der hiesigen Fernsprecher verstanden hatten: man MUSS nämlich vorher die Gesellschaft auswählen, über die man telefonieren will, also z.B. Telefonica 0123- ) und reservierten „una habitacion para dos persones“. Das Navi führte uns diesmal sicher bis in unmittelbare Nähe, aber dann war wegen eines Polizeieinsatzes die Straße gesperrt und wir mußten (wieder mal Einbahnstraßen) etwas aufmerksam sein. Nicht wissend, dass genau gegenüber dem Hotels ein Parkhaus ist, quetschten wir uns eine Straße weiter in eine Art Park- Hof, auf dem schon viele Autos standen und die beiden Mitarbeiter ob unseres Kauderwelsch Mitleid hatten und uns ein Eckchen zuwiesen. Zum Dank bekamen sie später unsere Überbleibsel wie Schüssel (Fuente), Klappstühle und sogar übriggebliebene Bierdosen. Das sollte nun unsere einzige Hotel- Übernachtung der ganzen Reise werden. Zimmer 17. Ohne Fenster nach draußen, nur zum Flur. Und es ist heiß und stickig. Aber mit riesigem Bad. Ich frage nach einem Zimmer mit Fenstern (ventanas); erst gibt es keines, dann doch, aber die Fenster gehen zur lauten Straße und wir bleiben in Zi. 17. Als das Fenster zum Flur, auf dem wir ein weiteres Fenster zum überdachten Innenhof geöffnet hatten, eine Weile offen stand, besserte sich das Klima merklich. Beate fing an, unsere Sachen zu sortieren, während ich mich auf die Suche nach dem Laden machte, wo es Ilonas Whisky Wattsons geben soll. Dieser stand nämlich auf dem Zettel, den uns Ilona mitgab, die jedes Mal feuchte Augen bekam, wenn das Thema angesprochen wurde 😉 und den wir, wenn irgend möglich, mitbringen sollten. Nichts zu finden, also bei der Rezeption gefragt, wo der Laden denn sei. Der Herr, der jetzt hier Dienst hat, spricht etwas spanglish und ich verstehe, dass es Ilonas Laden nicht mehr gibt, aber er unter neuem Namen weiterbetrieben wird. Also melde ich mich nochmal bei Beate ab, wandere an der Kirche vorbei, über die 6spurige Hauptstraße (mit Ampel, an der die Fußgänger brav warten) in die Fußgängerzone und tatsächlich: nach 500 grüßt rechts ein Delikatessenladen namens Unimarc . Und was soll ich sagen, es gibt wirklich an einem Thresen mit Bedienung diesen Wattsons. Und weil gewohnt billig (wie gasagt, das einzig Billige ist in Chile der Schnaps) nehme ich gleich 3 Flaschen.

Und dann geht der Stress los. Gedacht war, mit dem Auto zum Hotel, danach zum Flughafen, Auto abgeben und mit dem Bus zurück. Gegen 20 Uhr waren wir dann mit Sandra verabredet. Sandra, eine Bekannte von Beates Schwester aus frühen Jugendtagen, lebt seit 12 Jahren in Santiago und verdient ihr Brot mit Übersetzungen. Den Rest der Zeit fährt sie mit dem Rennrad die Anden hoch und runter 🙂 Aber das Navi hat den totalen Blackout. Der Flughafen liegt nordwestlich der Stadt, aber wir werden beharrlich nach Osten geleitet. Schon fast in Argentinien platzt mir der Kragen und wir fahren nun nach dem im Wagen vorhandenem Kompass und folgen den Wegweisern nach „norte“. Navi ist aus und will, wenn wieder mal eingeschaltet, sofort nach Osten. Nach quälenden 2 Stunden erreichen wir mit Glück doch noch den Aeropuerto, werden problemlos das Auto los und werden von Sandra eingesammelt, die inzwischen von dem Elend unterrichtet worden war. Sie fährt zielsicher ins Viertel Bellavista (Kollwitzplatz hoch 10) ins Restaurant Azul Profundo, auf das wir uns vorher verständigt hatten. Denn hier soll es guten Fisch und Meeresfrüchte geben. Das Unwohlsein vom Morgen beim Gedanken an Fisch und Meeresfrüchte war gottseidank schon gegen Mittag verflogen. Dazu einen guten Argentinischen Malbeq und der letzte Abend ist mehr als gelungen. Wenn wir z.B. 2014 wieder hier sind, ist die erste Mitreisende schon gefunden. Rodrigo, die Bekanntschaft von der Hinreise, war leider verhindert, wird  sich aber melden, falls er  irgendwann in Berlin sein sollte.

Freitag 23.11.2012 Nun gibt es nicht mehr viel zu berichten. Für 11 Uhr war des Taxi bestellt. Das Zimmer war mit 30.- auch nicht zu teuer. Wir gehen noch mal in die Fußgängerzone von gestern. Man könnte ja noch was frühstücken. Aber so richtig Hunger haben wir noch gar nicht. Ein wirklich einladendes Cafe wird leider von Rauchern vernebelt; zum Glück auch in Chile eine Ausnahme. So kommen wir nochmal am Delikatessenladen vorbei und für Lennart kommt ein Pisco in den Korb. Aber nicht aus dem Laden heraus: vor 10 Uhr wir kein Schnaps verkauft. Also noch ein wenig auf und ab, doch noch einen Kaffee und einen Toast an einer Schnelltheke (frisch und lecker) und dann wird der Pisco abgeholt. Das Taxi braucht im Gegensatz zu unseren fast 2 Stunden gestern nur 35 min zum Flughafen. Dann doch noch ’ne Aufregung: wir wollen einchecken und werden nicht im System gefunden. Selbst die Profifrau auf der anderen Seite des Schalters braucht eine Weile um herauszufinden, dass wir hier falsch sind: nicht mit LAN sondern mit TAM fliegen wir. Nachdem auch diese Hürde genommen war mußten noch die endlose Schlangen an der Ausreisekontrolle und am Securitycheck genommen worden und schon war der Zeitpuffer aufgebraucht. Das letzte Geld wurde noch für Souveniers ausgegeben…. und das war’s mit Chile. Kurz vor 14 Uhr hob der Flieger nach Sao Paulo ab. Im anschließenden Langstreckenflug hatten wir wieder ein 2er- Reihe für uns.

Samstag 23.11.2012 Die Nacht war in Höhe der Kap Verdischen Inseln von heftigen Turbulenzen begleitet, die außer mir kaum jemand bemerkte, da alles schlief. Als Entschädigung gab es einen Flug über das Stadtzentrum mit Blick auf den Eiffelturm. Mit etwas Verspätung waren wir am Samstag gegen 16 Uhr wieder in Tegel. Lennart war zuverlässig zur Stelle und wir gingen noch im Kaufland Oranienburg einkaufen.

Am Sonntag wurde dann bis 14 Uhr geschlafen bevor es wieder ein richtiges Frühstück wie gewohnt gab. Am Montag begann der Alltag……

Aber es gibt Hoffnung, denn: nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub!