(Das ist ein Gastbeitrag, denn bei der schönen Tour waren Beate und Gerald leider nicht dabei.)

aus Elkes Tagebuch:

14.07.2007

Am Samstag, den 14.07. fuhren wir mit zwei Autos Richtung Österreich. Nachdem Dirk seine Familie gut in Zell am See versorgt hatte, stieß er zu uns nach Sagritz.

Hotel sehr schön, Aussicht noch schöner, Essen na ja, Schrammelmusik Hilfe … .

15.07.2007

Gut gelaunt aufgestanden, voller Enthusiasmus um 10 Uhr Richtung Spielmann aufgebrochen, kurze Shoppingtour Elke – Wanderstockkauf.

Dirk brachte uns per Auto die Serpentinen hinauf zum Ausgangspunkt. Elkes Gesichtsausdruck nur noch pure Angst (galt nicht), Andreas kurz vorm Erbrechen (galt schon eher, Auto könnte schmutzig werden) und Dirk durfte endlich mal ohne Manuelas Aufsicht die Sau raus lassen.

Auto abgestellt und los ging es erst über wunderschöne Blumenwiesen immer hinauf. Als Dirks Schnaufen die Autogeräusche von unten übertönte machten wir die erste Pause. Elke vom Alpenseebad abgehalten mit Versprechen auf Rücktour.Lothar immer vorneweg, wobei die Landschaft von Blumen in Steine, diese in Geröll, Schneefeld und viel Wind übergingen. Die Sonne brannte heiß, Andreas verwandelte sich trotz Vermummungsverbot immer mehr in einen Beduinen (genannt Alibaba).  Auf dem Kamm stark durchgepustet erreichten wir nach gut drei Stunden den Gipfel.

Tolle Aussicht, Fototermin und dann der Abstieg. Elke schwächelte mit ihren Knien… na ja, Omi. Dirk wurde runterwärts immer munterer, Lothar und Andreas schritten tapfer voran. Was ihr die Anderen nicht glauben wollten, Elke hatte Murmeltiere gesehen.

Nach 7 Stunden und 1.000 Höhenmetern Weg geschafft und wir geschafft.

Im Hotel erst einmal geschlafen, ein müdes Abendessen folgte und dann… nur noch müde, gute Nacht.

Nach der heutigen Einlauftour geht es morgen richtig zur Sache = Originalton Lothar.

16.07.2007

Um es vorneweg zu nehmen, Lothar hat es wahr gemacht… .

Frühstück halb acht, diesmal fuhr Lothar Auto, unsere Nerven etwas entspannter.

Los ging es beim „Alten Pocher“ auf 1.807 m. Immer auf einer Straße die Serpentinen hoch. Jeder hatte sein Lauftempo, die Gruppe zog sich etwas auseinander. Nach ca. 500 Höhenmetern hörte die Straße auf und das Kraxeln begann. Bis dahin sehr schöne Aussicht auf die gegenüber liegenden Berge und Alpenlandschaft.Unser Ziel war der Hocharn, auch Hochnarr genannt auf 3.254 m Höhe gelegen.

Am Zirmsee (Badeverbot für Elke) trafen wir auf eine andere Gruppe. Als sie uns sahen, brachen sie fluchtartig auf, ob das an Andreas Vollbart und Vermummung lag? Sie lotsten uns noch etwas in die falsche Richtung, wir mussten über dicke Steinbrocken kletternd wieder unseren Weg finden.

Die Sonne brannte wie am Vortag heiß, die Luft war hier oben aber einigermaßen frisch im Gegensatz zum Tal, wo das Thermometer auf 37 Grad geklettert sein soll.

Wir sahen den Hocharn in der Ferne liegend, zwischen ihm und uns steiler Anstieg, Stein, Geröll und Schneefelder. Nur so ein richtig schöner Weg, den man klar sah und der leicht zu begehen war, der fehlte irgendwie.

Die Kräfte hatten schon etwas nachgelassen, beim Einen mehr, beim Anderen weniger. Es ist interessant, wie der Einzelne mit den Anstrengungen und Strapazen umgeht. Jeder macht sich individuell seine Gedanken, nach außen hin stöhnt der Eine mehr, der Andere jammert mal, der Dritte verbeißt sich die Schmerzen, der Vierte lässt sich nach außen hin nichts anmerken.

Originalton Andreas: Der Eine sagt: „Ich kann nicht mehr“, der Andere sagt: „Schnauze“, dafür gehen wir in einer Gruppe.

Wir entschieden uns jedenfalls für einen steilen Stein-, Geröllweg, der uns auf den Kamm und dann weiter auf den Hocharn führen sollte. Der Weg war schwer, steil und nahm kein Ende.

Dirk passte nach einer Weile und kehrte um, die Gaststätte „Alter Pocher“ rief zu laut nach ihm.

Gute Entscheidung für ihn, nur verpasste er leider, wie Lothar und Andreas leicht bekleidete Damen im Bikini ritterlicherweise über das Schneefeld zum Kamm trugen. Währenddessen stieß Elke auf eine Gruppe Murmeltiere, mit denen sie ein bisschen kuschelte und in deren Mitte sie sich wohl fühlte. Leider waren sie muslimisch und deshalb kamerascheu, so dass sie sich genau wie die muslimischen Frauen im Bikini nicht fotografieren ließen. Und wenn ihr das nicht glaubt, dann lügen wir eben nicht mehr weiter.

Während dessen hatten Lothar und Andreas ein bisschen Elke vergessen, die in einigem Abstand hinterher kam. Sie hatte ihre Jungs aus den Augen verloren und bekam etwas Panik. Nach dem Schneefeld und kleiner Kletterei hatte sie sie wieder eingeholt und sich erst einmal beschwert. Na gut, im Nachhinein, sie konnten sich eben nicht um alle Damen gleichermaßen kümmern. In 3.000m Höhe auf dem Kamm angekommen und nach einer Pause Bilanz ziehend, beschlossen wir nicht mehr bis zum Hocharn zu gehen.Andreas hatte zu dicke offene Blasen, bei Elke war Kraft und Luft raus und Lothar sah die Zeit zu weit fortgeschritten. Also den selben Stein-, Geröllweg wieder zurück, rutschend, schlitternd, kletternd. Dass dies ein markierter Weg sein sollte, konnte Elke nicht verstehen, aber mal ganz unter uns: Er war es.

Unten am See heil angekommen, noch eine Weile über Steine kletternd und dann die Serpentinenstraße wieder Richtung Auto. Andreas lief zum Schluss wie aufgezogen, Weg, Blasen und Umgebung nicht mehr wahrnehmend.

Wir hatten es geschafft, insgesamt ca. 1.100 Höhenmeter hinter uns, na gut nicht ganz was wir uns vorgenommen hatten, aber es war auch genug.

Dirk kam uns froh gelaunt am Auto entgegen und konnte beim „Pocherwirt“ ein leckeres Essen empfehlen.

In Sagritz angekommen zog sich Elke sofort zurück, war zu keinem geselligen Zusammensein mehr fähig, die Jungs trafen sich später wenigstens noch auf ein bis mehrere Bier…

17.07.2007

Morgens um 8 Uhr, Lothar sieht eine schwächelnde Gruppe vor sich.

Andreas muss streiken wegen seiner offenen Blasen, Dirk nimmt sich einen freien Tag und fährt zu seiner Frau und Elke meldet einen Beautytag an.

Überlegend, ob er sich nicht lieber eine neue Gruppe für den Großglockner sucht, zieht Lothar los zum Brennkogel = 3.018m. Für ihn eher eine lockere Tour, Anmarsch gut zwei Stunden, oben drei Stunden pausierend, Berliner Zeitung lesend und dann wieder absteigen.

Andreas las währenddessen mit Genuss ein Buch, verarztete seine Wunden, überprüfte seine Ausrüstung – ein Gefühl von Ferien – .

Elke ging hinunter in den Ort, besorgte einige Kleinigkeiten und machte sich nach einem schönen zweistündigen Mittagsschlaf ans schreiben.

Das Abendessen vereinte uns wieder, Dirk wird wohl später kommen…

Jetzt ist er da, die Haut etwas heller vom Badetag am See. Dirks Füße sind sauber, der Ottendorfer See derweil dreckig. Schlechte Beratung an der Post, durch die gekaufte Telefonkarte ist er ab jetzt Österreicher. Elke hat wohl den Test zum Österreicher nicht bestanden, sie durfte ihr Handy normal aufladen.

Übrigens: Lothars Highlight war 3 Stunden Gipfel, Dirks 3 Stunden Spaghetti essen.

Andreas ist jetzt stolzer Besitzer von exquisiten Socken (20 €), extrem 3 XXL – Schnäppchenpreis in Heiligenblut. Er sagte vorher zu Dirk: „Geld spielt keine Rolle“.

Abends die Rechnung wie immer auf Zimmer 19 schreiben lassen, Bild folgt später… .  (Anmerkung des Redakteurs im Februar 2016: wann ist „später“?)

18.07.2007

Au Mann, müde wie immer, ob einem da noch etwas zum Schreiben einfällt?

Jedenfalls sind wir morgens losgezogen, haben ein Auto am Glocknerhaus abgestellt für die Rücktour nach der Glocknerbesteigung.

Ausgangspunkt für die heutige Tour war die Franz-Josephs-Höhe = 2.369m.

Hier ist Murmeltiergebiet, wo man sich auch mal an ihnen satt sehen kann. Die Jungs würden sie allerdings lieber gut durchgebraten serviert bekommen.

Los ging die Tour durch mehrere Tunnel, wo man Sirenengesang, Plätscherwasser und einiges mehr den Touris bietet.

Zu Beginn sehr schöner Ausblick auf den Großglockner und die Eislandschaft drum herum. Nach einer Weile standen wir vor einem größeren Eis-/ Schneefeld, wo wir unsere Steigeisen einweihten. Hat schon Spaß gemacht, nur dass sich von Dirks Schuhen anschließend langsam die Sohlen trennten. Sie lösten sich in Wohlgefallen auf, zum Schluss hing nur noch ein Sohlenfetzchen am Schuh. Mit diesen Schuhen die ganze Tour und immer mit vorneweg – alle Achtung.

Der zweite Held des Tages war Andreas, der mit seinen offenen Füßen die ganze Tour mannhaft durchstand.

Jedenfalls war der Anstieg erst einmal wieder ziemlich geröllig aber begehbar, später ein wenig Kletterei dabei.

Oben auf dem Grat angekommen wurde der Weg leichter, aber man durfte lieber nicht rechts und links runter sehen. Dirks Blicke hefteten sich streng auf Lothars Schuhe vor ihm und auch niemand anders mochte auf die schöne Landschaft um sich herum achten.

Nach 5 Stunden hatten wir den Gipfel = Fuscherkarkopf erreicht und freuten uns mächtig.

Für Walters 50 Geburtstag wurde ein Geburtstagsständchen gefilmt – die gesanglichen Qualitäten – wir werden sehen.

Der Abstieg wurde lang und länger, die Wegfindung schwierig und die Füße samt Schuhe immer schlimmer. Irgendwie hatten wir es aber dann geschafft, aßen noch einmal beim „Alten Pocher“ und schlichen in unsere Zimmer.

Andreas kann leider morgen nicht mit auf den Großglockner kommen, seine Füße sind einfach zu schlimm.

19.07.2007

Denkste, Andreas und Dirk sind ins Sportgeschäft nach Heiligenblut gefahren und kamen beide freudestrahlend mit neuen Schuhen = Made by Muck = Selbstläufer wieder. Dirk mit noch ein paar schönen Steigis dazu. Andreas gab gleich eine Balletteinlage mit seinen neuen Schuhen – ein ganz neues Lebensgefühl. Es wurde fotografiert und gefilmt, jedenfalls hatten wir eine Menge Spaß.

Hastig packte Andreas seine Sachen für den Aufstieg um, hups, die Stirnlampe vergessen. Vielleicht geht er morgen früh mit Kerze los, bloß wie diese an die Stirn kleben?

Wir räumten unsere Zimmer, brachen langsam auf und fuhren nach Kals, wo wir das Auto am Lucknerhaus abstellten.

Den Rucksack aufgeschnallt – auweia sind die Dinger schwer (ca. 15 kg?). Das Gewicht drückt dich nieder, die Füße wollen erst gar nicht richtig los. Hilft nichts, ein Bein vor das andere, irgendwann läuft man sich ein.

Nach einer Stunde die Lucknerhütte erreicht, kurze Pause und dann nochmal ca. 1,5 Stunden bis zur Stüdlhütte. Der Weg war gut begehbar, ein Glück.

Die Stüdlhütte o.k. – Matratzenlager, Waschraum, schöne Terrasse mit Ausblick auf Berge. Essen reichhaltig mehrgängig, alles dabei, nur Wiener Schnitzel können wir langsam nicht mehr sehen. Hier werden so ca. 50 Leute übernachten, die morgen auf verschiedenen Wegen zum Glockner kommen werden. Dabei eine Gruppe Gebirgsjäger (=Hersteller der berühmten Murmeltiersalbe), also auch mal was für Elke. Mal sehen, wer heute nacht alles schnarcht, Oropax liegt bereit.

Wir haben mal so überlegt, wie es wäre, wenn alle ihren Beruf mit auf den Berg nehmen müssten. Lothar hätte es mit ein paar Akten noch am einfachsten, Andreas mit einer Musikanlage schon schwerer, Dirk könnte ein Klo hinter sich herziehen und Elke eine Straßenlaterne – was braucht man am dringendsten? – Dirks Klo liegt vorne.

20.07.2007

In der Nacht haben wir kaum ein Auge zugetan, war es die Anspannung oder doch das wechselseitige Schnarchen? Andreas und Dirk beschuldigten sich gegenseitig oder war es doch Lothar? Nein, Dirk ist der größte Schnarcher.

Wecken um 4.30 Uhr, wir sind nicht allein, ca. 16 Betten waren fast alle belegt, Frühstück reichhaltig. Preis Übernachtung + Halbpension in Stüdlhütte ca. 50 €.Losgelaufen 5.50 Uhr, waren von den Frühaufstehern fast die Letzten.

Außerhalb des Protokolls: Wollten uns beim Zustieg nicht verausgaben, um die Kletterei zu genießen.

Von 2.800 m Stüdlhütte anstrengendes Laufen (Rucksackgewicht bergauf) mit Gurt anlegen 2 Stunden bis zum Einstieg Stüdlgrat.

Schwieriges Gehgelände, frei kletternd bis zum Frühstücksplatz = 3.550 m um 9.30 Uhr erreicht. Haben eine halbe Stunde länger gebraucht als angegeben, sonst sollte man laut Auskunft der Tafel am Frühstücksplatz wieder absteigen. Von da an zu Lothars und Andreas Leidwesen Seilsicherung. Bergführer mit kleiner Gruppe an uns vorbei, äußerte, was wir hier machen, ein Unwetter soll aufkommen. Dirk war empört, der Bergführer konnte seine Leistung offenbar nicht richtig würdigen. Elkes Moral heimlich im Keller, wie sollten wir jemals heil wieder von diesem Berg kommen?

Gegen 15 Uhr hat Lothar eine markante Stelle in der Beschreibung finden können, danach hatten wir noch 4 Seillängen vor uns. Kurz nach 17 Uhr waren wir auf dem Gipfel.

Groß Glockner, wir alle vier haben es geschafft!!!

Die Freude über das Geleistete war nicht überschwenglich, da alle noch den Abstieg vor sich sahen.

Dennoch war es ein erhabener Augenblick in unserem Leben.

Dunkle Wolken rückten näher und trieben uns voran. Die Überschreitung der Scharte vom großen zum kleinen Glockner stellte noch eine besondere Herausforderung dar. Die Scharte war sehr schmal, rechts und links ging es steil bergab. Lothar vorneweg, Elke und Dirk in Schwebesicherung hinterher und Andreas als Letzter nur von vorne gesichert.

Der Fels des kleinen Glockners Leitls bot genügend feste Griffe und Tritte, doch wir hingen zu sehr am (Ab-) Seil. Schließlich begriff auch der Letzte, dass diese Methode zu zeitaufwendig war. Noch sahen wir unser Ziel, die Erzherzog-Johann-Hütte, doch der Einsatz unserer neuen Stirnlampen wurde immer wahrscheinlicher. Schließlich nutzten wir die Sicherungsstangen im Leitl als Abseilfixierpunkte. So kamen wir in zwei Zweiergruppen zügiger voran.

Endlich erreichten wir das Schneefeld, das wir im steilen Teil mit der gleichen Methode überwinden konnten.

Hört sich ja alles ganz einfach an, doch das Einholen des Seils war nicht immer leicht, schließlich musste Elke von Dirk noch ein Stück am Seil getragen werden, um die nächste günstige Abseile zu erreichen.

Schließlich hatten wir alle gefährlichen Stellen überwunden.

21.07.2007

Erzherzog-Johann-Hütte, die auf 3.400 m Höhe höchstgelegenste Hütte Österreichs = ein Schlaraffenland für Schmuddelkinder. Hier braucht man sich nicht zu waschen, weit und breit kein Waschraum, denn die Hütte hat dazu kein Wasser. Körperlich hygienisch angegriffen nahmen wir unser karges Frühstück ein.

Nun standen uns noch 1.400m Abstieg (aber nicht mehr so steil) über Gletscher und Geröll bevor, bis wir auf Elkes geliebte Wanderwege und Blumenwiesen stießen.

Zwischendurch rasteten wir in der Lucknerhütte, dessen Hüttenwirt Andreas als Großvater der Gruppe erkannte. Das verstand Andreas aber gar nicht. Lothar bekam seinen Großmutter-Kaffee, während sich Dirk und Elke statt des gewünschten Germknödel einen Kaiserschmarren teilten und mal wieder nicht aufaßen.

Ende gut alles gut, erschöpft und mit Freude erreichten wir den Parkplatz und fuhren zum Quartier.

Eine erlebnisreiche schöne Reise ging zu Ende.

Während Dirk mit Familie seinen Urlaub fortsetzte, traten Lothar mit Andreas und Elke am nächsten Tag die Heimreise an.