Meteora/ Griechenland 14.- 21- Mai 2012

 

Irgendwann im vergangenen Jahr kam die Sprache darauf, dass man ja schon lange nicht mehr in Meteora gewesen sei. Flugs bei Vollseil nachgesehen und tatsächlich: unsere letzten Kletterabenteuer dort fanden 2003 und 2004 statt. Im Herbst zeichnete sich dann ein Reisetermin Mitte/Ende Mai ab, konkret unter Einbeziehung von Himmelfahrt und Pfingsten vom 12. bis 27. Mai.  „Einspruch!“ kam es von den Sternies: „Wir wollen mit euch unsere Silberhochzeit feiern.“ Das ließen wir uns  nicht 2x sagen und brachten beide Vorhaben unter einen Hut.

Das Gros der Meute buchte ab Schönefeld mit easyjet; wir wie gehabt ab Tegel den Hinflug als Direktflug nach Thessaloniki mit AirBerlin für 126.- p.P.  zu uns genehmer Zeit am späten Vormittag. Der Mietwagen in Corsa-Größe (es wurde dann ein Fiat Punto) wurde wie gewohnt über billiger-mietwagen.de vermittelt. Der wahre Vermieter war Europcar und bekam dafür 165.- EURO für die 7 Tage incl. Vollversicherung.

 

Montag, 14.Mai 2012

So weit so gut. Seit Herr Mehdorn das Ruder bei AirBerlin übernommen hat, wird der Konzern auf Kostenreduzierung und Gewinnsteigerung getrimmt. Das ist sicher gut für die Aktionäre; für den Nutzer wird die Planungssicherheit jedoch immer geringer. Das war schon bei unserm Flug nach Thailand im November 2011 so und sollte sich auch diesmal wieder zeigen. Wenige Tage vor dem Abflug kommt kommentarlos eine e-mail von AB, in der uns die geänderten Flugzeiten mitgeteilt werden: statt 10.40 Uhr direkt nach Thessaloniki schon 6.40 Uhr über Stuttgart mit 2 ½ Stunden Aufenthalt dort. (Was für ein Glück, dass der Startort nicht noch nach Leipzig verlegt wurde…) Also quälen wir uns Montagmorgen halb 4 aus dem Bett, um pünktlich in Tegel zu sein und Lennart das Auto überlassen zu können.

Am Check In die nächste kalte Dusche: es ist nur noch 1 Gepäckstück pro Person erlaubt. Herr Mehdorn kann froh sein, dass er nicht in der Nähe ist! Zum Glück ist eine Tasche klein genug, um als Handgepäck durchzugehen. Also diese schnell nach Dingen durchsucht, die im Handgepäck nichts zu suchen haben und  dann ist auch diese Hürde genommen.

In Stuttgart wird für sagenhafte 18€  gefrühstückt: 2 Milchkaffee, 1 superoberleckeres (O-Ton Beate) Vollkornbrötchen mit Frischkäse und ein Paar Wiener (hier Seidewürstle genannt).

Ankunft in Thessaloniki ohne weitere Mehdornsche Störaktionen; wir machen uns auf die Suche nach dem Autovermieter. Durch die Terminverschiebung werden wir erst später erwartet und demzufolge steht niemand zur Abholung bereit. Schnell ist klar, dass Europcar direkt am Flughafen keinen Stützpunkt hat. Ein kurzes Telefonat und 15 Min. später ist der Abholer schon da. Die Wartezeit wird nicht lang, da unvermittelt die easyjet-Gereisten auftauchen: Peter, Walther, Betti, Ilona und Andrè.

Dafür sieht das Wetter nicht wirklich gut aus. Während in Berlin schon Sommer ist, krallt sich hier der April fest: auf der 3 ½- stündigen Fahrt über Larissa und Trikala nach Kastraki wird die Heizung leicht aufgedreht und der Scheibenwischer hat gelegentlich heftig zu tun. Welch Glück, dass wir nicht zelten würden, sondern ein Hotelzimmer auf uns wartet. Zunächst jedoch fahren wir noch eine Besichtigungsrunde über den Ort hinaus Richtung Klöster. Und schon kommt die Sonne durch:

Unsere Zimmernachbarn Kirsten und Oliver sind schon ein paar Tage eher angereist und haben per e-mail von der schönen Lage berichtet. Aus dem ursprünglichen Vorhaben, ähnlich wie in El Chorro ein Ferienhaus für alle zu mieten, ist leider nichts geworden. Vielleicht beim nächsten Mal?

Dienstag, 15.Mai 2012

Als wir uns nach 8 aus dem Bett schälen, sehen wir Kirsten und Oliver gerade noch Richtung Felsen entschwinden. Sie werden den Härtetest, 150 m VI+  am Kumarieskopf klettern. Wir probieren derweil das Frühstück: frischer Kaffee, mehrere Sorten Tee, blaugekochte Eier (so richtig schön hart, wie wir sie mögen),  1 Sorte Edamer-ähnliche Käsescheiben, 1 Sorte Wurstscheiben (Art Mortadella), leckeren griechischen Joghurt, 1 Sorte Brötchen (Sesam), 2 verschiedene Blätterteigschnitten (Spinat und  ??), abgepackte Butter, Marmelade usw. Sowohl von den kleinen Bistrot- Tischchen der Frühstücksraumterrasse als auch aus den Zimmern hat man einen tollen Blick Richtung Sonnenaufgang auf den Felskessel, der vom Heilig-Geist-Felsen, den Kumaries- Türmen, dem Kaukasier und dem Sourloti gebildet wird.

Gegen 11 trudeln wir bei den anderen auf dem Zeltplatz ein. Betti hat durch Gustls Vermittlung ein kleines Zimmerchen mit Dusche im Haus abbekommen.

Die anderen Seilschaften stehen mehr oder weniger fest; mal sehen was sich jetzt für uns ergibt. Wir haben nicht mal einen Kletterführer dabei! Und dass ein 60 m- Vollseil für die Mehrseillängen hier auch nicht erste Wahl ist, hatte ich schon längst vergessen. Problem Nr. 1 wird dank Gustl, einem (inzwischen über 70-jährigen) Urgestein der Meteorakletterszene, schnell gelöst. Er hat noch ein Exemplar Band I abzugeben, wovon ihm seinerzeit  der Meteoraerschließer und Kletterführer-Autor  Dietrich Hasse eine größere Stückzahl überlassen hatte, als dieser im hohen Alter  die griechische Wahlheimat Richtung Deutschland verließ.

Zu Beate und Gerald (nunmehr handlungsfähig mit Kletterführer) gesellen sich Betti, Gustl und Peter – die beiden letztgenannten jeweils im Besitz eines Halbseiles. Am ersten Tag wollen wir keine Bäume ausreißen und starten an den Kleftikosfelsen (Kleftikos = Räuber, Viehdiebe)  unterhalb des  Ambaria. Diese, die mit ihren 40m- Wänden in Sachsen als bedeutende Felsen zählen würden, wirken unter den Riesen Ambaria und Bantowafels wie Spielzeug. Die Kletterei wird mit einer 1-Seillängentour etwa IV+ auf den Nördlichen Kleftikos begonnen. Genau das Richtige, um sich wieder mit dem Konglomerat aus Sandstein und Kieselbrocken vertraut zu machen, von denen letztere die Neigung haben, herauszubrechen und herabzufallen. Schnell gewöhnt man sich -im Vorstieg- an den etwas eigenartigen Kletterstil: immer leicht verspannt, um an 2 Händen den möglichen Ausbruch eines Trittes verkraften zu können.

Auf dem Gipfel freuen wir uns alle für Betti, für die es der erste Klettererfolg nach ihrer schweren OP im Winter ist.

 

Vom Gipfel sehen wir Walther, Andreas, André und Ilona, die sich  an der Südwestkante des Ambaria, V, 4 SL, 160 m, einklettern. Das soll auch unser nächstes Ziel sein. Gustl will nicht mehr, Betti kann nicht mehr, also gehen wir’s zu dritt an. Gustl hat uns neben guten Wünschen auf den Weg mitgegeben, nicht über den Aufstiegsweg, sondern über die neue Abseilpiste in der Nordseite Richtung Campingplatz abzuseilen.

Die Kletterei ist nicht schwer, wir kommen zügig voran und begegnen der über diesen Weg abseilenden Walther und Co.-Seilschaft, die noch nichts von der neuen Abseilpiste wissen.

Nachdem wir uns im in einem Steinmann gelagerten Gipfelbuch eingetragen haben, machen wir uns auf die Suche nach der Abseilpiste.

Nach einigem umsonstigen Hin und Her rufe ich schmunzelnd Gustl an, der, gerade bei Lidl an der Kasse anstehend, leider auch nichts Erhellendes beisteuern kann. Vorsichtig tasten wir uns in vermuteter Richtung abwärts. Beim Blick über die Kante sind 120 m tiefer am Wandfuß Wanderer zu sehen. Wir rauschen die erste Seillänge abwärts zu einem Standplatz. Etwas Sorge bereiten mir die gesichteten Personen unter uns, die im Steinschlagbereich unseres Seiles sind. Wir seilen eine weitere Etappe herunter, die Wanderer entpuppen sich als die schon kletternden Seilschaften Walther und Co., die nun unter uns in der Wand sind. Na gut, also 1 Stunde Pause. Als sie dann neben uns sind, seilen wir weiter ab und beenden den Klettertag wohlbehalten.

Abendessen gemeinsam bei Stefanos. Es gibt wieder mal Choriatiki, Suvlaki und Moussakas.

Mittwoch 16.Mai 2012

Ganz schön hellhörig unser Hotelchen. Hat ja auch den Vorteil, dass man nicht zu lange schläft; somit sind  wir frühzeitig am Zeltplatz. Die Seilschaften haben sich schon gefunden; Pläne sind geschmiedet. Ich bin beim Blättern in meinem neuen Kletterführer auf die hintere Meteorawand in der Nordgruppe gestoßen, durch die einige lohnende mittelschwere Routen gehen sollen. Gustl bestätigt die Einschätzung und beschreibt  den Zugang: mit dem Auto hinter dem Doupianifels links abbiegen, dann 2…3 km der holprigen Piste folgen bis die Felsen in Sicht kommen. Hinter den Schäfereien parken und hinter den Ypipantisfelsen zu unserem Turm wandern. Peter ist noch frei und begleitet uns mit seinem Halbseil (ohne das wir ja nicht wieder herunterkommen würden). Bei bestem Sommerwetter finden wir alle markanten Punkte; der Ypipantis beherbergt sogar ein kleines Kloster; nur den letzten Zustieg zu unserem Felsen bleibt verborgen.

Nach 2 Stunden Hin- und Zurück-Sucherei brechen wir durchs stachelige Unterholz, auf Korsika würde man Macchia sagen, finden einen Pfad, folgen ihm, sehen schon die Südwand und stecken wieder fest. Zerschrammt, zerstochen und verschwitzt stehen wir irgendwann doch noch am Wandfuß. Das dichte Gestrüpp reicht bis unmittelbar an den Felsen; ein Zeichen, daß nur wenige Besucher hierher kommen. (Im Laufe der Tage sehen wir aber, dass das für fast alle Routen in Meteora – von den Modewegen mal abgesehen – zutrifft.) Die Wand ist beinahe flächendeckend mit trockenem Moos überwuchert, das sich wie 2 cm dicker Samt anfühlt. Im Moos lassen sich die Linien von 3 Kletterouten anhand der wenigen Haken erkennen. Wir wählen eine Linie, die die gesuchte Südwand, eine V-, sein könnte. Am ersten Stand wird klar, dass wir auf einer klassischen Moosreibung gelandet sind. Der nächste Haken ist bestimmt 15 m weit weg, ich desertiere nach links zu einem Stand, der zur Schlängelei, V+, gehören könnte. Von hier ist der nächste Haken nur 12 moosige Meter entfernt. Bei einigen Anläufen verlässt mich immer 5-6 m über dem Stand der Mut. Jetzt hat Peter seine Sternstunde: stöhnend schiebt er sich unaufhaltsam dem nächsten Stand entgegen und holt uns durch die Mooswüste nach. Ich übernehme wieder und stoße auf ein Gipfelbuch, in dem die Jahreserste schon weg ist. Wir seilen 2 x 40 m ab

und brechen durchs Dickicht dem Hinteren Meteorablock entgegen. Gustl hat uns hier die Schöne Kante, IV+, empfohlen. Erstbegeher: Gustl. Und in der Tat: gutgriffige und gut gesicherte 35 m in fast senkrechtem Fels. Auch hier ist die Jahreserste schon weg, aber wir haben die 100. Begehung. Ist doch auch was!

Der Rückweg zum Auto ist  nun schnell gefunden. Wenn man den Weg kennt, sind’s vielleicht 15 min zum Fels. Wir spielen noch mit den tapsigen Welpen an der Schäferei und freuen uns auf’s Abendessen.

Auf der recht kühlen Terrasse eines Lokals gibt es – naaa? Richtig: Choriatiki, Souvlaki und Moussakas.

Obwohl alle anderen Tische frei sind, läßt sich direkt am Nebentisch ein Gruppe junger Serben oder Rumänen nieder: 1 Frau und 6  rauchende Kerle. Von denen jeder Einzelne unentwegt bemüht ist, die anderen zu übertönen, um die  Gunst  der holden Dame zu erringen. Irgendwann verziehen wir uns auf der Suche nach Luft und Ruhe in den Innenbereich des Lokals.

 

Donnerstag, 17.Mai 2012

In unserem knuffigen Quartier nerven mich zunehmend die Geräusche der Duschen und Toiletten der anderen Zimmer sowie das morgendliche Stühlerücken im „Speiseraum“ direkt über uns. Also raus hier und ran an die Wand.  Als wir aus dem Haus treten, kommen Richtung Westen über den schneebedeckten Pindos-Bergen tiefhängende Regenwolken näher. Gustl, der alte Insider, prophezeit baldigsten Regen. Da mit Feucht von oben hierzulande immer zu rechnen ist, hat der Schöpfer der Felsen auch für einige Klöster auf diesen  gesorgt, damit Kletterer auch bei nassem Wetter was zu tun haben. Jedes Kloster hat individuelle Ruhetage. Irgendwer weiß, dass Metarmophosis (Great Meteora) heute offen sein müsste. Also dorthin. Im Vergleich zu unseren letzten Besuchen vor 8 und 9 Jahren hat sich einiges verändert: die Straßen sind breiter geworden und das Kloster sieht wie geleckt aus.

Die damals noch zu ahnende mittelalterliche Atmosphäre ist fast völlig verschwunden. Wenigstens sind noch die Kammern mit den Weinfässern und den Schädeln der Altbewohner unverändert. Auch in der Klosterküche liegt der Staub noch auf den Tiegeln. Beeindruckend ist immer wieder der Saal mit den Deckenbildern, die zeigen, auf welche Art die vielen Heiligen zu Tode gekommen sind: Kopf und/oder  Gliedmaßen abschlagen, aufspießen, ertränken, verkehrt herum aufhängen, flüssiges Blei trinken, steinigen und zerquetschen sind nur eine unrepräsentative Auswahl.

Das Kloster hinter uns lassend, machen wir bei nun wieder zwar windigem, aber trockenen Himmel mit Ingrid und Lothar noch eine kleine Besichtigungstour zu umliegenden Felsen und Klöstern. Gustl hat für den Abend Feuerholz an der Campingplatz-Feuerstelle vorbereitet. Irgendwas fehlt, jedenfalls fahren wir noch mal zu Lidl in Kalambaka und holen Tsipouro und Cola für den Abend. Bei der Gelegenheit gehen wir zu zweit in Kalambaka in einem kleinen gemütlich-familiären Lokal futtern – und es gibt Choriatiki, Suvlaki und Moussakas. Nee – reingelegt! Statt Moussakas wählt Beate diesmal Pastizio: Machart Moussakas, jedoch sind Auberginen und Kartoffeln durch Makkaroni ersetzt. Sehr lecker.

Wieder auf dem Zeltplatz sehen wir, daß unsere Entscheidung, bereits in Kalambaka geabendbrotet zu haben, genau richtig war: Die Truppe sitzt im Campingplatz-Restaurant, was ja völlig okay ist. Aber hier darf in manchen Lokalen geraucht werden und dieses gehört dazu. Später dann kommen nach und nach alle zur von Gustl gehegten und genährten Feuerstelle und es wird noch ein langer richtig gemütlicher Abend.

 

Freitag, 18.Mai 2012

 

Erinnerst du dich an meine zunehmende Unzufriedenheit im Quartier, lieber Leser? Beim Herumstromern entdecken wir das Doupiani-House. Absolut ruhig gelegen mit einem phantastischen Panoramablick auf Kastraki mit seinen gigantischen Felsen, den breitgezogen sich windenden Fluß bis hin  zum fernen Gebirge. Nach Liste soll ein Zimmer 90.-€ kosten; die freundliche Wirtin bietet 65.- mit Frühstück. Wir packen und ziehen um.

Danach holen wir Peter am Zeltplatz ab und nehmen das Projekt Monifels in Angriff. Zuletzt waren wir 2004 auf diesem kleineren und mit den Resten eines Klosters bedeckten Felsens gewesen. Den Weg darauf, die Wallfahrt, eine VI+ von Gustl, hatte ich in guter Erinnerung. Und wieder ist alles zugewachsen. Den Felsen direkt vor Augen kommen wir nicht durch den Dschungel zum Einstieg! Als wir gerade entnervt absteigen wollen, raschelt´s im undurchdringlichen Gestrüpp, Gustl erscheint wie hingezaubert und führt uns über den Hauch einer Pfadspur, die wir nie gefunden hätten, zum Einstieg. Mir ist das Klettern schon fast vergangen, doch Gustl will vorsteigen. Er geht bis zum ersten Ring, holt mich nach … und erklärt, wieder abseilen zu wollen. Das ist sein gutes Recht; meine Moral ist aber bei dem Moos auf dem Weg,  Bewölkung und kaltem Wind auch gerade im Keller und so finden wir uns unten am Einstieg versammelt und einen Opferkarabiner ärmer wieder. Gustl verschwindet und nun stehen wir wieder zu dritt im Dschungel rum. Der „Oberlehrer“, für hiesige Verhältnisse eine Quacke ähnlich dem Hinteren Meteorablock, sieht kletterbar aus. Wir arbeiten uns durch Brombeergestrüpp, Feigenbaumgeäst und rutschigen Farn an den Einstieg vor. Der Schulweg, eine V+, soll uns nach oben führen. Einige herausbrechende Kiesel sind Beleg, dass hier nicht oft geklettert wird. Nach 35 m und 6 Exen stehe ich oben und öffne gespannt das Gipfelbuch. Na, das hat sich gelohnt: gleich die Jahreserste für 2011 und 2012. Eine kleine Entschädigung für den entgangenen Monifels. Beim Blättern im Originalgipfelbuch finde ich erstaunt unseren Eintrag von 2003. Damals müssen wir im Abstieg von der Himmelsleiter am Ypsilotera hier vorbeigekommen sein. Berndte, der Held, war damals der Vorsteiger, und auch Inga war in der Seilschaft.

 

 

 

Wieder Boden unter den Füßen wühlen wir uns Richtung Straße durch ein vertrocknetes Bachbett und stehen endlich am Auto. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: wir reden hier nur von einigen hundert Metern Luftline, die aber durch den dichten Bewuchs zu Kilometern werden.

Es ist schon später Nachmittag, gleich nebenan liegt der Doupianifels, zu dem man mit dem Auto bis an den Einstieg fahren kann. Welche Erholung. In Peters Kletterführer Band II sieht „ohne Bedenken“, VI-, ganz einladend aus. Dicht links der populären Ostkante ist der Einstieg schnell gefunden und los geht’s. Die 120 m auf 4 Seillängen verteilt sind purer Genuß, vor allem die steilen letzten 35 m zum Gipfel. Klettern kann so schön sein! Weit nach 19 Uhr seilen wir wieder ab und werden mit einem „Meteoraglühen“ belohnt.

 

Wir kommen als Letzte im Lokal „???“ an. Überraschung: 2 Musiker mit Gitarre und Bouzuki machen sich bereit. Wir essen Choriatiki, Lammkotelett (oberlecker für 9.-€) und Moussakas (unter den bisherig in Meteora gekosteten ebenfalls am leckersten) und genießen den unvergleichlichen Abend. Ebenfalls für Stimmung sorgt ein Gruppe von Auslandsgriechen, die hier bei „Zorbas Dance“ ihre Wurzeln wieder entdecken. Oppa!

 

Samstag, 19. Mai 2012

Wenn auch ohne Geräusche vom Stühlerücken und Toilettenspülung ist das neue Hotel auch noch nicht das NonPlusUltra. Hier stört jetzt ein kleiner, an sich unscheinbarer Herr: unser lautstark sprechender, seine Mitteilungswut nur durch häufiges krächzend-würgendes Husten unterbrechender Nachbar auf dem Balkon nebenan. Beruhigt es, daß seine Frau dafür kaum zu hören ist? Sicher, jeder mag sich mitteilen und vielleicht bin ich ja auch in puncto Geräusche besonders empfindlich… Für die nächste Tour wünschen wir uns wieder ein Ferienhaus für alle, wie in El Chorro eben.

Gustl hat schon Tage vorher das Dörfchen  Gavros mit seinen Felsen als Ziel vorgeschlagen. Eine Karawane von 4 Autos setzt sich in Bewegung. Wir fahren einen Umweg über einige Dörfchen, um einen von  Gustls Lieblingsplätzen zu besuchen: Du stromerst einen Wiesenabhang hinunter und findest dich in einem stillen Kessel mit kleinem Wasserfall, der als Bächlein weiterzieht, wieder. Schattenspiele der alten Bäume, Schildkröten ducken sich im Gras, im Wasser tummelt sich zu Hunderten der quappige Froschnachwuchs , ein Erwachsener hält tapfer die Luft an, auf daß die Eindringlinge endlich weiterziehen mögen… An Orten wie diesem müssen die griechischen Sagen mit Flussnymphen und Sartyren entstanden sein.

Wir reißen uns aber los und steuern Gavros an. Griechenland pur.  In einem kleinen Lokal, das sicher nur selten so viele Ausländer zu Besuch hat, meldet Gustl unsern Abendbesuch schon mal an. Die Powerkletterer wenden sich den Felsen an den sog. Sägezähnen zu, während die gemäßigte Hälfte zu den Aghios-Nikolaos-Türmen aufsteigt. Hier waren wir schon 2004, übersahen damals jedoch die Aghios-Nikolaos-Kapelle – dieses Mal führt Gustl uns direkt vorbei.

In guter Erinnerung war mir der „Sonnige Donnerstag“, V+, auf den Abendturm, den ich auch jetzt vorsteigen will. Als jedoch das Hasenherz von unten keine Sicherung vom 1 Haken zum Stand in ca. 40 m ausmachen kann, ist es mit der Begeisterung vorbei und ich schließe mich Walther und Betti in der vermeintlich kurzen Mittagsvariante, V, auf dem Mitternachtsturm an. Peter klinkt sich auch noch schnell ein. Doch der Weg zieht und zieht sich! Nach 4 Seillängen ist endlich der Gipfel erreicht. Im Gipfelbuch blätternd mein déjà-vu: Das war DER Gipfel, den ich nie wieder hatte besteigen wollen! So die Erkenntnis nach der glücklichen Heimkehr 2004. Ursache: die Abseile. Vor 25 Jahren hatte Dietrich Hasse hier eine einzige Lastöse eingebohrt, um 45 m in die Tiefe zu kommen. Kein Mensch weiß, wie es unter der Öse im Fels aussieht.

Doch es nützt nichts, irgendwie müssen wir ja wieder nach unten. Walther schwingt sich in die Tiefe, man hört ihn aus der Ferne schimpfen weil er durch die Bäume nicht sehen kann ob das Seil bis zum Boden reicht  – und irgendwann das erlösende „Seil frei“.

Am Mitternachtsturm holen sich indessen Kirsten und Oliver die 4. Begehung des „Blauen Freitags“, VI+, und  am „Sonnigen Donnerstag“ Andreas und Andrè die 98. und die Damenseilschaft Ilona und Beate die 99. Begehung. Sollen wir die 100. auslassen? Niemals!

Zufrieden kamen wir im Dorflokal direkt neben der Kirche an; auf dem Grill lagen wohl 25 Souvlakis bereit. Die besten, die wir bisher naschten: zart und leicht mariniert. Dazu gab es natürlich Choriatiki, später außerdem noch würzige Wurststückchen am Spieß. Für 6 Souvlakis, 2 Bier, Wasser und 1 Choriatiki zahlten wir mit  Trinkgeld 15.-, die Hälfte weniger als in Kastraki.

 

Sonntag, 20. Mai 2012

Hilfe – schon wieder Urlaubsende  in Sicht! Unser letzter Tag wird ein echter Höhepunkt im doppelten Sinne. Lothar will den „Traumpfeiler“, DER Meteoraweg schlechthin, vorsteigen. Ingrid, Beate und ich schließen uns an. Zuletzt durften hier 2003  Berndte und Gerald dem Gustl am Parallelseil nachsteigen. Später ist Berndte den Weg noch mal vorgestiegen. Wir reden von 260 m Kletterei, 9 Seillängen bis V+. Ich beginne mit der spärlich gesicherten 1. SL, um dann Lothar das Ruder für die nächsten 4 SL, darunter die Schlüsselstelle, zu übergeben. Hätte ich gewusst, dass alle Sicherungen und Standplätze in bestem Zustand sind, hätte mich die Ausgesetztheit weniger Nerven gekostet. Mit dem Hintern 100 m über dem Boden zu baumeln und nicht wissen, ob der nächste Standplatz ordentlich eingerichtet ist, ist ein seltsames Gefühl. Lothar läßt sich von solchen Nebensächlichkeiten nicht irritieren. Als die Ausgesetztheit ab der 7. Seillänge in Höhe übergeht, übernehme ich wieder den Vorstieg und darf als erster den Gipfel erreichen.

Das Gipfelplateau ist wenigstens einen halben Hektar groß. Auf der höchsten Stelle steht das Gipfelbuch. Darin zu lesen, dass Heinz Zak den Aufstieg in Speed in 23 Minuten schaffte…

Wir seilen 2x 45 m über den Weg des Wassers ab, sind dann auf einem Zwischenplateau mit Einsiedelei und Glocke und wandern abwärts um den Felsen zurück zum Auto, das wir gut 7 Stunden nach dem Start wieder erreichen.

Hungrig feiern wir den Abschied im Lokal, in dem vorgestern die Musiker waren. Der Kellner begrüßt uns erfreut und bedauert, diesmal keine Livemusik bieten zu können. Wir nehmen Choriatiki, Lammkotelett und Moussakas.

 

Montag, 20. Mai 2012

Um 14 Uhr müssen wir das Auto in Thessaloniki abgeben Mit uns fährt und fliegt Betti. Für die 230 km sind 3,5 Stunden kalkuliert. Um  halb 11 sollten wir spätestens losfahren. Beinahe wäre alles anders gekommen. Weil Beate auf sich warten läßt (was wohl heißt, sie bummelt rum – stimmt gar nicht 🙂 ), fahre ich ihr mit dem Fiat vom Parkplatz zur Tür entgegen. Als sie auf mich zukommt, stoße ich zurück – nicht ohne mich vergewissert zu haben, dass kein Auto hinter mir steht. Trotzdem knallt es ganz mächtig! Häh? Ich Trottel wollte auf einer Rampe wenden und ein Hinterrad hängt jetzt in der Luft und der Wagen liegt mit dem Boden auf Beton. Ich renne hilfesuchend zur Rezeption: der Chef trommelt ein paar Urlauber zusammen und ehe ich ein ordentliches Foto machen kann, steht das Wägelchen wieder auf 4 Rädern. Danke, danke, danke! Ingrid ist heute Geburtstagskind!, und wird von allen lieb und reichhaltig beschenkt. Jetzt aber müssen wir uns verabschieden, sonst wirds knapp. Wir fahren die nördliche Route mit neuer Autobahn, setzen bei SPAR noch ein paar Euro um und finden die Mietwagenstation  ohne Probleme. Wir fliegen nach Düsseldorf im etwas mehr 3/4 vollen Flieger, schaffen in den geplanten 50 min den Anschluß nach Berlin und sind gegen 20 Uhr wieder in Tegel.

Mit Lennart sitzen wir noch im Kruah Thai  und schlagen uns die Bäuche voll (endlich mal kein Suvlaki) und fallen gegen Mitternacht ins Bett.

Dienstag, 21. Mai 2012

Der Alltag hat uns wieder ….