Von meinen Spruch „hinter Polen ist Europa noch lange nicht zu Ende“ animiert, ließ sich Inga auf einen kleinen Urlaub nach Moldawien und in die Ukraine nach Odessa ein. Ursprünglich war nur Odessa auf meinem Zettel, aber nach dem Check, wo liegt Odessa eigentlich genau?, zeigte sich die Nähe zu Chisinau und siehe da: ein Gabelflug z.B. mit Austrian nach Chisinau und zurück ab Odessa ist möglich und gar nicht so teuer. Preise von unter 300.- p. P. sind realistisch…. nur weil wir zu lange gezögert hatten, wurde es etwas mehr.

So kamen wir also am Freitag, dem 22. Juni 2018 nachmittags in Chisinau an. Zur Einreise genügt ein Reisepass, die Formalitäten am Flughafen sind minimal und schon steht man in einem fremden und doch so nahen Land.

Hier aus Wikipedia ein ganz kurzer Abriss zu Land und Stadt:

Geographisch im Osteuropäischen Flachland gelegen, ist die Stadt umgeben von einer flachhügeligen Landschaft mit sehr fruchtbarem Erdboden aus Schwarzerde, der schon seit Urzeiten die Grundlage für landwirtschaftliche Nutzung bot für den Anbau sowohl von Wein als auch von Obst. Durchzogen von dem Fluss Bîc zeigt die Stadt, besonders im Frühling und im Sommer, ein sehr naturbezogenes Stadtbild mit vielen Bäumen und großen Parkanlagen.

Chisinau ist eine ausgesprochen grüne Stadt. Viele Hauptstraßen sind von Bäumen gesäumt. Hinzu kommen großzügige Parkanlagen, die auf dem ganzen Stadtgebiet verteilt liegen und das Stadtbild prägen

Die erste schriftliche Erwähnung von Chișinău geht ins Jahr 1436 zurück, als die Ortschaft Teil des Fürstentums Moldau war. Dieses Fürstentum stand zuerst unter polnischer, später unter osmanischer Oberhoheit. 1818 Abtretung an das russische Reich.

Ab 1834 entstand durch einen großzügigen Stadtentwicklungsplan ein imperiales Stadtbild mit breiten und langen Straßen. Chisinau war um 1900 ein Zentrum jüdischen Lebens im Russischen Kaiserreich.  Im Zuge der russischen Oktoberrevolution übernahm im November 1917 eine nationale Vollversammlung die Regierung. Am  1917 erklärte sich das Land zu einem autonomen Gebiet innerhalb von Russland und die Moldauische Demokratische Republik wurde ausgerufen. Nachdem Bolschewiki am 5. Januar 1918 die Stadt besetzt hatten, bat der Landrat Rumänien um militärischen Beistand. Die am  einmarschierten rumänischen Truppen stellten innerhalb von wenigen Tagen die Ordnung im Land wieder her. Am 6. Februar 1918 erklärte man die Unabhängigkeit und kurz darauf den Anschluss an Rumänien.

Im Zweiten Weltkrieg wurde Chisinau fast vollständig zerstört. Am 28. Juni 1940 wurde die Stadt durch die Rote Armee besetzt. Dabei wurde das zu Rumänien gehörende Gebiet Bessarabien von der Sowjetunion annektiert. Am 10. November 1940 ereignete sich ein verheerendes Erdbeben. Das Beben hatte eine Stärke von 7,3 und führte in der Stadt zu massiven Zerstörungen.

Während der deutsch-rumänischen Besetzung kam es zu systematisch organisiertem Massenmord überwiegend an jüdischen Einwohnern. Am 24. August 1944 wurde Chisinau von der Roten Armee besetzt. Die Stadt verlor, obwohl sie von direkten Kampfhandlungen verschont blieb, bis Kriegsende schätzungsweise 70 % ihrer Wohnfläche. Vor allem das Erdbeben von 1940 und die Luftangriffe beim Vorbeiziehen der Fronten trugen wesentlich dazu bei.

1947 erkannte Rumänien Bessarabien als Teil der UdSSR an. Chisinau wurde Hauptstadt der Moldauischen Sozialistischen Sowjetrepublik. Ab Ende der 1940er Jahre setzte ein rasantes Bevölkerungswachstum ein. Mit dem neuen Baustil jener Zeit entstand das bis heute charakteristische Stadtbild von Chișinău mit vielen großen Wohnblocks.

1989 kam es zu Spannungen mit der Zentralregierung in Moskau, was zur Wiedereinführung der rumänischen Sprache und 1991 zur Unabhängigkeit des Landes führte.

Zurück in die Jetztzeit. Beim Verlassen des Airbus schlug uns eine Treibhaushitze entgegen. 35 Grad und gefühlte 100 % Luftfeuchtigkeit (was sich aber bald ändern sollte). Passkontrolle ging ruck zuck und schon standen wir in der übersichtlichen Ankunftshalle des kleinen aber feinen Flughafens. Das vom Hotel bestellte Taxi war längst weg, da wir über eine Stunde Verspätung hatten. In Afrika wär‘ das nicht passiert 😉

Am zentralen Taxischalter wurde uns gesagt, dass gerade keine Taxis da wären und wir uns gedulden müssten. Das fiel nicht schwer, da auf einem Riesenmonitor das WM- Spiel Brasilien gegen Costa Rica lief. Dann endlich war ein Taxi da und wir steuerten das über booking vorgebuchte Hotel „Luna“ an. Mit von der Partie war noch eine slowakische Studentin, mit der wir uns das Taxi teilten und die ganz erstaunt war, dass  etliche Worte ihrer Sprache mit dem russischen verwandt waren. Kosten für  ein Taxi vom Airport zum Zentrum ca. 10.- EUR. Nachahmer können ohne Sorge statt bei booking direkt beim Hotel buchen und sogar noch sparen.

Das Hotel stellte sich als gute Wahl heraus. Neugierig machten wir uns auf den Weg zum ersten Cache und in die Stadt. Der erste moldawische Cache war dann auch bald signiert und wir gingen dem Menschenlärm nach, um zu sehen, was da los sei. Public viewing! WM! Und der Regen fing an und es wurde kühler. Aber bei Bier für 50  Ct. pro halbem Liter im Plastikbecher ließ es sich aushalten. Apropos Geld- die Währung heißt Leu, wie in Rumänien, und die Umrechnung ist auch ganz einfach: eine Stelle weg streichen und vom Rest die Hälfte. Es gibt genügend Geldautomaten, die die kleinen Scheine, die fast wie Monopolygeld aussehen, auswerfen. Wenn Maestro Bankcard nicht geht, dann auf jeden Fall Mastercard mit Geheimzahl. Außerdem gibt es gelegentlich offizielle Wechselstellen, aber man kann auf Nachfrage auch mit Euro oder Karte in Hotel und Gaststätte bezahlen.

Dann Abendschmaus im Restaurant Peter I. und noch viel Spaß mit Slawa und Sergej, zwei leicht angetrunkenen Weißrussen, mit denen auf englisch und etwas russisch parliert wurde. Ingas erste Erfahrung mit einem ganz neuen Getränk: Kwass. Ich selbst fand den moldavischen Rotwein excellent. Später dann zum Frühstück wieder was Neues: Kascha, das ist Buchweizengrütze, die viel besser schmeckt als sie sich anhört.

Am Samstag wurde ein Volvo XC 90 gemietet, den ich schon lange mal mit Diesel und Automatik testen wollte. 14 Jahre alt und fast 300 Tkm auf dem Tacho. Eine Geschichte fast für sich, aber alles gut gegangen. Das nächste Mal aber lieber bei den renommierten Vermietern am Flughafen.

Als Ziel war eine der wenigen historischen Stätten auserkoren: Orheiul Vechi, ca. 40 km nordöstlich der Stadt. Dort gibt es ein Kloster, eine Ausgrabungsstätte und noch einen der wenigen Caches. Hatte ich schon erwähnt, dass es nur noch 14 Grad waren?

Das hübsch modernisierte Kloster samt Mönch und auch der Cache wurden gefunden; die Ausgrabungsstätte nicht. Dafür entschädigte der Bummel durch das Dörfchen zum Auto zurück und die reifen Aprikosen und Maulbeeren frisch  vom Baum.

Die Rückfahrt führte an einem der  größten Weingüter des Landes vorbei: Cricova. Für eine Besichtigung war es zu spät, aber ein Cache ging noch. Dabei fiel mir zum ersten Mal das überall verwendete Baumaterial auf: eine Art Kalkstein mit vielen Einschlüssen aus der Urzeit. Es sollte uns später auch in Odessa begegnen. Scheinbar ist die halbe Gegend aus diesem Naturmaterial gebaut worden.

Zurück in Chisinau. Breite Magistralen, mäßiger Verkehr, alte Ladas, teure SUVs, etwas verschlafen und verschnarcht. Die Leute haben es sicher nicht leicht zwischen EU und Russland und der Ukraine. Ein Viertel des Volkes soll im Ausland leben….

Großartige Baudenkmäler gibt es nicht. Dafür muss der Plattenbaukomplex auf der Magistrale vom Flughafen her halten.

Das Abschiedsdinner gab’s im Restaurant La Placinte. Auch wieder lecker, gemütlich und preiswert.  Hier probierte Inga  wieder Wareniki aus: diesmal Die  mit Kohlfüllung. Vorher war es schon mit Kartoffelfüllung und in Odessa folgten weitere Varianten. Die Gerichte sehen wirklich wie auf  der Speisekarte aus und kosten nie mehr als 7…8 EUR.

Danach wieder public viewing und müde ins Bett.

Hier noch ein Link zu ’nem interessantem Artikel über Moldavien.

Am Sonntag war das Taxi nach Odessa überpünklich da und weiter ging die Reise.

 

Das Taxi war ein Dacia Logan mit sage und schreibe 630 Tkm auf dem Tacho und mit Gasantrieb. Der Fahrer sprach nur russisch, war von oben bis unten tätowiert, mitte 40 und sehr schweigsam.

Nur als ich fragte „как вас зовут ?“ kam die Antwort „Oleg“. Überall im Auto hingen, lagen, klebten Totenköpfe und auch die Tätowierungen gingen in die Richtung. Auf dem T- Shirt stand irgendwas mit „Tod“. Da das Autochen aber nicht schneller als 100 fuhr, zuckelten wir entspannte 150 km durch ländliche Gegend zur Grenze zur Ukraine.

Gefühlt war es ein Grenzübergang wie von Botswana nach Sambia. Also, wie von dort gewohnt, die Pässe abgeben und darauf vertrauen, dass sie irgendwann wieder auftauchen. Hat geklappt. Nach weiteren 50 km lieferte uns Oleg am Flughafen Odessa ab.Bei Budget wurde der reservierte Hyundai Elantra Automatik! (man lernt ja dazu) abgeholt und Inga dirigierte uns sicher zum Hotel Potemkinn. Vorher wurde noch Geld geholt, das hier Griwna heißt und ähnlich gut unzurechnen geht: eine Stelle abstreichen und den Rest durch 3 (statt wie in Moldawien durch 2) teilen. Das Hotel war wieder eine sehr gute Wahl! Zwar war die gebuchte Suite wegen Lage zur Straße nicht bewohnbar aber das alternativ angebotene Zimmer 307 zum Innenhof war perfekt für uns. Wie gewohnt war nur eine Nacht gebucht. Nach wenigen Schritten waren die Potemkinsche Treppe und danach das touristische Staddtzentrum erreicht. Gerade zur Treppe lohnt es sich, den Link zu clicken und die interessante Geschichte nachzulesen.

Hier ticken die Uhren schon anders als im beschaulichen Chisinau. Ein Restaurant am Anderen und viele Menschen im Freizeitmodus.

Selbstredend waren auch einige Caches dabei, darunter sogar ein FTF. Durch GC sahen wir auch ohne Reiseführer interessante Parks und Gebäude.

Hier das Denkmal für die Gefallenen des Afghanistankrieges. Der Soldat druckt sehr gelungen „wozu das bloß?“  aus. Keine Heldenpose mehr, wie zu Sowjetzeiten…

Im Süden der Stadt wurde dann Schwarzmeeridylle gesucht, aber nicht gefunden. Jeder m² ist mit Betonklötzen bebaut. Auch das mit Vorschusslorbeeren bedachte Hotel, das bei booking bestellt war, war so ein Klotz ohne Charme und ohne touristischer Infrastruktur in der Nähe. Reumütig kehrten wir zum „Potemkinn“ für die nächsten 2 Nächte zurück.

 

Am Dienstag stand dann das Binnenland (samt einiger Caches) auf dem Programm. Auf einer breiten Autobahn verlässt man Odessa Richtung Norden. Nach einiger Zeit wird einem die Weite des vorausliegenden Landes bewusst. Unwillkürlich kam das Gefühl auf, weiter, immer weiter fahren zu wollen. Über Kiew, Moskau, Minsk, Warschau wieder nach Hause…

Die Vernunft siegte natürlich 😉 und der letzte Abend wurde wieder im Kumanets bei Schaschlik und Wareniki genossen.

Und schon war die kurze, aber schöne, Reise am Mittwoch, d. 27. Juni  vorbei….  Auto bei Budget abgeben, guten Wodka für 5.- EUR pro Liter im Duty free kaufen und….. nicht ins Flugzeug steigen, da Verspätung. Endlich in Wien angekommen, sehen wir nur noch die Rücklichter des Fliegers nach Tegel. Der Umgebuchte, 1 Stunde später, fällt wegen Technikproblemen aus. Mit einem kleinen Gutschein ausgestattet sehen wir uns also in Wien das Spiel Deutschland- Südkorea an.  D. scheidet nach dem 0: 2 als Gruppenletzter aus (geschieht ihnen recht).Abends um 8 sind wir dann endlich in Tegel, Peter sammelt uns auf, fährt mich aufs Land und dann mit Inga nach Hause. Schön war’s.

N d U i v d U !!!!

Ein kleines Nachspiel gab’s noch. Zu Hause ließ sich im Reisgepäck mein Tablet nicht finden (auf dem letzten Bild links unten). Und tatsächlich ergab die Nachfrage im Fundbüro Flughafen Wien, dass es dort abgegeben wurde und (gegen stattliche Gebühr) nachgesendet werden kann.