US BEATES TAGEBUCH:

Urlaub Norwegen 13.(ein Freitag, natürlich ) – 24.7.2007

Neue Reise – neues Team:

 
Sabina & Jörg, auch Sterni genannt

 ( = zusammen die Sternis),

 Heidi & Kai –  
und wir beiden urlaubsreifen Gestalten…
Samstag, d.14.7. gegen 22Uhr

Gerade dunkelt es draußen nach und nach ein, augenblicklich spart der grauwolken-verhangene Himmel etwas an sprühendem Naß, mit dem er uns doch intensivst heute beschenkte.. Tja, diese Zeilen tippe ich im Wohn- und Küchenbereich unseres gemütlichen Heimes in Eikelandsosen, einem kleinen Örtchen nahe Bergen, tiefes Mittel-Norwegen also. Die Fahrt hierher gestaltete sich ausgedehnter und regenreicher als ursprünglich vermutet:

Gestern (13.7. = Start in den Urlaub)

war freier Freitag für uns beide – laaangsames Erwachen, den Sack leergesüffelter Weinflaschen (schon wieder) weggebracht, den treuen, jedoch jetzt im Gestänge wackeligen Rasenmäher zum Gras-Schneidegerät-Doktor gefahren, Einkauf der auf unserer langen Futter-Liste noch nicht abgestrichenen Mitbringsel, endlich dann doch Klamotten zusammengesucht und rein ins Auto und los nun endlich – die Zeit meldet 15.00h, der Weg ist sooo weit, die anderen bestimmt längst on the road…Haaalt, ein Tierarzt kann nun mal nicht  n e i n  sagen, wenn da berichtet wird vom armen kleinen Igelchen – da schaut, lauscht, betastet und spritzt man… möge es ihm geholfen haben.

 
Unser Auto rollt uns gen Norden, die Fahrt wird nur unterbrochen von wenigen Pausen für Mädchen – ist´s die Aufregung , eine kommende Blasenentzündung oder gar das Alter? Wer weiß, wer weiß – vielleicht hat der liebe Leser ja den treffenden Hinweis. Wir verlassen sprachlich vertrauten Boden, den dänischen begrüße ich barfüßig am Hafen von Aabenraa. Der Däne hält sich an die auf Autobahnen vorgegebenen max.130km/h – zugegebenermaßen eine zwar etwas langsamere, dafür aber deutlich entspanntere Fahrweise als hierzulande; keine Drängler, nicht die übliche Wo-kommt-der-denn-plötzlich-her – Schrecksekunde, wenn du einen Moment später wieder in den Rückspiegel schaust und dicht hinter dir klebt einer, der da eben einfach noch nicht mal zu erahnen war… Und so geht es km um km vorbei an kleinen Siedlungen mit niedlichen Häuschen – und es wird und wird nicht dunkel!!! Gegen 22h verblasst das zuvor rosarote Abendlicht, doch ein heller Schimmer bleibt, taucht die Landschaft in diffuses GrauGelb und begleitet uns weiter fast bis zum Fährhafen von Hirtshals – der Tag endet fast schon, als wir endlich ankommen:
Autos drängen sich dicht an dicht, eingewiesen und somit gewollt eng parkend, der Rest Reisegruppe findet sich: Kai und Heidi haben sich im abgedunkelten Auto schlummernd eingeringelt, die Sternis schnattern ein wenig mit uns, der frische Wind und die Müdigkeit treiben uns dann doch alle in die eigenen kleinen vier Blechwände – und irgendwann heftiges Klopfen an der Scheibe, Hochschrecken, Blick voraus – he, wo sind die Reihen von Autos vor uns hin?! Gähnende Leere, direkte Sicht auf die riesig aufragende Gestalt der Fähre nach Langesund, den Rachen weit aufgerissen – komm, komm endlich!  
Also los: Auto drinnen abgestellt und flinke Füße auf der Suche nach einem akzeptablen Schlafplatz an Bord; überall werden Matten ausgebreitet, Decken geschüttelt, Sitzbänke und Fußböden belegt. Der erfahrene Fährennutzer schleppt seine dicke Matratze samt Schlafsack, Kuscheldecke, aufblasbarem Nackenkissen, Schlafmaske (dieses Teil, das banküberfallmäßig übers Gesicht gestülpt wird – da halt ich mit, zerr mir später mein buff schützend vor Auge und Nase), individuell zurechtknetbarer Ohrstöpsel ..usw. usf. mit sich. Überhaupt sendet er wohl einen Teil seiner Großfamilie ins Schiff voraus, um die besten Liegeplätze frühzeitig und großflächig zu besetzen. Heißt für solche verschlafenen Trantüten wie uns, dass man eben Deck um Deck abschlurft auf der Suche nach einem lauschigen Plätzchen ohne massiven Durchgangsbetrieb (wer mag schon dauernd von fremden Füßen angestoßen – o sorry, sorry – oder von auf einem herumkrabbelnden Kinderchen befreit werden) und weit ab von WC, Cafeteria oder Raucherecke. Der Rest unserer Reisegruppe war flinker – und so kommen auch wir in den Genuß eines Stückchens gepolsterten Bodens zwischen zwei festgeschraubten Tischchen, über uns auf der Bank ringelt sich Sabina ein in ihre riesige schwarze Tarndecke – wo ist hier oben und unten?? – , Jörg platziert sich zwischen sie und einen Dicken, der späterhin Gerald mit seinem kontinuierlichen Schnarchen weitestgehend um den verdienten Schlaf bringen sollte. Da fällt der alle 30min weinerlich bis trotzig quäkende Knirps der Familie nebenan kaum noch ins Gewicht..

All das stört Beate nicht, wenn der Schlaf an den Augen zerrt. Hab mein Kuschelkissen unter und meinen Gerald dicht neben mir, die leicht rollende See wiegt mich sacht, irgendwelche Musik dudelt unaufhörlich, die Schritte und Gesprächsfetzen der vorbeiflanierenden Nichtschläfer treten mehr und mehr in den Hintergrund – und alles ist gut..

 
(Nun wirklich Samstag, der 14.7.)

Ankunft in Langesund gegen 8 Uhr; die Beräumung der Fähre fordert ein wenig Geduld – 1h später rollen wir wieder weiter gen Norden: Kai irgendwo voraus GPS-geleitet, wir orientieren uns an Landkarte und einem wegbeschreibenden Internet-Ausdruck und die Sternis versuchen einfach nur den Anschluß zu halten.. Zwischendurch häufige kleine Pausen (na, wofür wohl..), ein Bankautomat im kleinen Städtchen Bo spuckt hiesige Noten aus, die teilweise in der gegenüberliegenden Bäckerei sogleich in leckere Naturalien umgesetzt werden – erwartungsgemäß teuer, teuer; doch das weiß man ja vorher. Nicht umsonst schleppt das Auto Kisten an flüssiger und fester Nahrung für die nächsten Tage mit sich.

 
Angelandet in südsüdöstlicher Region geht es nord-westlich auf Street Nr.36 vorbei an Skien, Ulefoss nach Seljord, hier die E134 bis Josendal, jetzt Richtung Odda (Nr.13) und dort über die 550/551durch einen 11km-langen Tunnel für hinterher zahlbare 60 NOK Maut zwischen Eitrhem und Gierde ohne die Möglichkeit, die Röhre im Fall von Rauchentwicklung seitlich verlassen zu können(!) zur Fähre nach Lotfallstranda. Unterwegs immer wieder beeindruckende Wasserfälle an hoch auftürmendem Fels – und das Kletterherz sehnt sich angesichts der oft markanten Wände und plattigen Schrägen, die wohl jedoch nie bisher Ring und Seil gesehen haben. Bei Roldal klettert die E134 hoch in die Berge (wir überholen zwei Radler!! – junge Burschen mit sehnigen Beinen), das Thermometer zeigt verregnete 7°C Außentemperatur, wir blicken auf Schneefelder und kleine Seen zwischen rauen Felsblöcken – fantastisch schön!!

PS: wie wir später im Reiseführer lasen, standen wir am Latefoss, einem der bekanntesten Wasserfälle Norwegens.

Im übrigen sind Straßenbezeichnungen wie E… und deren Einzeichnung auf der Karte als dicke rote Bahnen nicht für voll zu nehmen; unsereins suggeriert hiermit den vollmundigen Begriff „Autobahn“; wahrhaftig handelt es sich jedoch um gut befahrene Landstraßen durch wunderschöne Natur – also plane bitte deutlich mehr Fahrzeit ein, lieber Urlauber. Vom Anlanden in Langesund bis Zielort Eikelandsosen waren wir von 9-18 Uhr für ca. 500 km unterwegs, unterbrochen nur von flinken Stops ab und an für dringende Bedürfnisse, einmal 20min Frühstück bei bereits erwähnter Bäckerei in Bo und 45min Wartezeit an der Fähre in Lotfallstranda zum Übersetzen nach Gjiermundshamn für 105 NOK (14 EUR) á PKW& zwei Personen.
Die letzten Kilometer jetzt auf Straße Nr.48 wechseln Sonne und kräftige Schauer einander ab. Hinter Eikelandsosen suchen wir vergebens nach der in unseren Unterlagen beschriebenen richtigen Abzweigung zu unserer Unterkunft (steile, z.T. unbefestigte Wege, die man sich nicht traut, solche, die vor fremden Gehöften enden oder einfach im üppigen Grün..), rufen dann doch den Vermieter an und finden uns vor der einzigen Abfahrt wieder, die wir eben n i c h t ausgekundschaftet haben… Unser Häuschen hält, was es per Internet versprochen hat – kleine helle Zimmer, ein riesiger Wohnküchenbereich mit Kamin, TV und Terrasse, Whirl- Badewanne und (am ersten Abend streikender) Sauna. Weite Sicht über die Bucht, rechtsseitig der Bootssteg, links verstreute Häuser und ein in diesen Tagen gut gefüllter Wasserfall.
Und die Männer folgen ihrem urinstinktigen (sieht ja verdammt komisch fehldeutbar aus, dieses Wort!) Jagdtrieb – Angel, Kahn, los!! Abends brutzelt dann ein leckerer Leng (hab ich nie zuvor von gehört – ein etwas kopfplattiges schlankes Etwas mit nach oben gerichteten Kulleraugen) in der Pfanne.
Boh, gerade Blick aus dem Terrassenfenster:

23Uhr hier drinnen, draußen schwebt in wiederum nicht weichen wollender Dämmerung eine graue Wolkendecke über windgekräuseltem silbrigen Wellenspiel, absolute Ruhe in unserer kleinen Bucht. Weiter draußen bettet sich ein dunkler Gebirgszug quer, ab und an stößt eine einsame verspätete Möwe aufs Wasser herab – gigantisch schön, tief beruhigend und aufwühlend zugleich. Guuute Nacht uns allen!

Sonntag,15.7.

.. und das Bild sollte sich wandeln alsbald: Beim Wegdämmern gegen 0.45h ab und an eine schüttelnde Windbö am Haus, wildes Geklapper (ein Kantblech(??) am Dach hat sich einseitig gelöst) wechselt mit Stille. Im Tagesgrauen (oder ist´s viel später bereits?, nur die Sonne weiß nichts davon) löst sich das Rundum unserer Bucht auf im trüben Nichts, sich deutlich auftürmende Wellenkämme, Gischt, die weit bis auf die Terrasse spritzt, eine Möwe (die einzige Vogelart weit und breit??) treibt mit ausgebreiteten Flügeln schräg-rückwärts im Sturm (na ja, der erprobte Einheimische belächelt sicher die dramatische Darstellung des bisschen Windes – ich finde es schon mächtig beeindruckend)..

 
Hab mir meinen Laptop in unserem Zimmerchen am Fenster mit weitem Blick auf die nieselregenverhangene Bucht aufgebaut und beobachte gerade nebenbei Jörg, wie er – gut wind- und wasserdicht verpackt – vom Bootssteg aus Mal um Mal seine Angel auswirft: Kurbel, kurbel, kurbel zum Wiedereinholen, vorsichtiges Ausbalancieren nach hinten, Schwung und Wuuuurf – und das (leider immer noch leere) mit sechs Haken bestückte Ende beschreibt einen langsamen müden Bogen und platscht – pluuup –irgendwo so

20 – 30m wasserwärts auf und wird etwas landwärts abgetrieben; dann kurbel, kurbel…

das Ganze hat in seiner stetigen Wiederholung was Beruhigendes – das ist URLAUB….

16.10h inzwischen – Gerald und Jörg treiben seit 5min im Kahn 100m vorm Haus – und gerade biegt sich Geralds Angel tief dem Wasser entgegen, der fast schon erfolgreiche Angler breitet beide Arme aus – „..sooo groß..“, Jörg hält erwartungsvoll den (eigentlich zum Einfangen wild durch die Praxis tobender Katzen gekauften) Kescher bereit, Kai bekundet vom Ufer aus Bereitwilligkeit („Ich kann dir leider nicht helfen..“) – und ratsch – reißt die Schnur, verschwinden wichtige Hakenteile im Nichts…

Und die Zeit arbeitet sich auf 20Uhr, unten köchelt Sauerkraut, Kai und Gerald treiben immer noch angelbewehrt in der Bucht herum, landen hin und wieder an. Inzwischen bin ich den radelnden Sternis hinterher hinunter in den Ort und wieder zurückgetrabt; ein wenig Aktivität, die man allabendlich einplanen könnte – aber wir alle wissen um unsere Planungen. In Eikelandsosen menschenleere Straßen; im Zentrum entdecken wir neben zwei Einkaufsmärkten eine MiniBank, ein kleines geschlossenes Kafé, neben dessen Tür ein umgedrehter buntbemalter Blumentopf wartet (später schaue ich mal darunter – es ist der Aschenbecher, der sich unter diesem Landschaftsbild mit Möwen und hoher Welle verbirgt!!).. Heidi überwacht inzwischen von der Terrasse aus die wild auf den Wellen wippenden Angler – baywatching für ältere Erwachsene sozusagen

Und unser Tag klingt aus mit mitgebrachten Bierchen und Wein, Kerzengeschummer, nach und nach löst die Urlaubsrunde sich auf – süße Träume uns allen .

 
Montag, 16.7.

Es ist nicht zu glauben, gleiche Stelle, gleiche Bucht?? Da blinzelt man vorsichtig vom Kuschelbett aus das Fenster an – und was sieht das müde Auge so gegen 8Uhr morgens? Himmel – strahlendblau, gelbes Sonnenleuchten dazu – ist´s die Möglichkeit? Es hat was Irreales, dieses glattgebügelt in der Bucht weit ausgebreitete absolut stille Wasser, in dem sich das üppige Grün der Berghänge glasklar spiegelt. Bis wir alle ausgiebig gefrühstückt haben, schiebt sich jedoch die eine oder andere Wolkenbank bereits wieder über dieses Traumbild, der Wind bläst kleine Wellen auf – ganz kleine nur.

Spontan verkündete Tagesplanungen: Kai und Heidi werden die Stadt Bergen verunsichern, der Rest der Reisegruppe wird sich auf die Räder schwingen, sobald wir (Gerald und Beate also) vom Angelausflug zurückkehren mit reicher Beute. Und dies sollte sich recht schnell umsetzen lassen: Kaum das erste Mal im Leben richtig ausgeworfen, zuppelt meine Angel auch schon kräftig vor sich hin. Ein äußerst komisches Gefühl, dieses Vibrieren der Rute, die sich unruhig dem Wasser entgegenneigt. Kein Empfinden für Größe-Kraft-Verhältnisse derer am anderen Ende; will heißen, ein wenig taucht da das Bild auf von Überraschung aus sich teilendem Naß – ist´s was Großes aus dunkler Tiefe? Dazu muß man wissen, dass das Wasser sich im Fjord mit Ausnahme schmaler Randstreifen bis in etwa 200m (!) Grund-Losigkeit abwärts bewegt und sich die ausgeworfene zarte Angelsehne nach spätestens 2m Sicht im wässrigen Nichts auflöst… Eine mittelkleine Makrele schwebt heran, eine zweite platscht zurück in die Wellen, die glückliche. Kurz darauf beißen sie fast zeitgleich an beiden Angeln; ich fühle dieses Mal deutlich mehr Gegenzug, muß nachlassen, sacht anziehen.
 Und nebenbei Gerald unterstützen, der zwei gutgebaute Dorsche ins Boot hebt in einem Wirrwarr aus Haken, Sehne und Keschernetz. Kaum ist alles geordnet, übernimmt er meine Angel, hui, geht das schwer, wohl wieder ein sooo Großer. Wir werden es nie erfahren – ein Ruck und die Rute schnellt empor, das unbekannt Wesen verschwindet mit allen Haken – möge es sie bald loswerden ohne weitere Blessuren.
Zurück an Land und die Große-Beute-Beweis-Fotos später starten wir vier zu einer kleinen Radel-Erkundungstour in Richtung Tysse. Bergauf und –ab entlang des Nachbarfjords werden wir vor Tveito recht bald durch einen in der Karte nicht eingezeichneten Tunnel gebremst; ein Durchfahren per Rad ist generell nicht ratsam, da es keine Ausweichmöglichkeiten gibt. Dann also kurze kleine Abstecher nach Dale und Adland – Ansammlungen weniger Häuschen, in letzterem Ort mit direktem Fjordzugang, alles still und sonnenbeschienen, hier tickt die berühmte Zeit langsamer..
Unsere Sauna funktioniert endlich! Nicht etwa, weil der angekündigte Elektriker ein so toller Fachmann ist und sie eins-fix-drei repariert hat: Der Gute taucht in unserer Hütte auf, als wir beide gerade auf dem Fjord mit den Dorschen kämpfen, klappert laut Sabina ein wenig am Saunaöfchen herum, erzählt was von auch weiterhin streikender Beleuchtung (nicht so schlimm, hockt man eben nackig im Dustern, oder?) und der Bedeutungslosigkeit der Kontroll-Lampe am Ofen; man müsse nur immer ein wenig am linken Drehknopf wackelnd herumdrehen – und schon kann der Urlauber sich breit machen im angewärmten Kabüffchen. Na, wer weiß, was das für´n guter Kumpel vom Vermieter war, nichts für ungut.  
Mit Geduld, Spucke und späterer Einweisung der Saunierenden bringt Gerald die Technik zufriedenstellend in Gang, das Thermometer schraubt sich auf 35, 45, dann 70°C, ich bette mich zurecht auf der oberen Bank – willkommene Entspannung nach dem gerade geschafften 6km-Trab hinunter in den Ort und zurück. Über die folgenden Stunden wechseln die handtuchumschlungenen Gestalten, die hochrot-triefig aus der warmen Höhle steigen, Sabina wagt ein kühles Fjordbad am Abend, die Männer kippen ein schnelles Bier auf der Terrasse – und schon wieder allen eine gute Nacht
Dienstag, 17.7.

Die angedachte Gruppenradtour fällt im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser – schräg treibender Regen vorm Haus lässt alle ein wenig in Langsamkeit versinken; Frühstück nach 11h ohne jegliche Eile, dann doch mal an der Angel rumgeknüppert und vom Land aus ausgeworfen – und siehe da: Kai erbeutet zwei mittlere Makrelen! Doch die Truhe ist voll, der Magen auch – und zurück in die Wellen mit ihnen; schwimmt weit, weit weg vorm nächsten Angelhaken.

18.45h inzwischen – ich sitze wieder im Zimmerchen am Tisch mit weitem Blick in die Bucht und haue in die Tasten. Alles wirkt dämmrig, graue Wolken hängen tief über den Bergen. Es wird unser letztes gemeinsames Abendessen werden nachher – Kai und Heidi fahren morgen früh zurück. Richtig schade, die Truppe passt gut zueinander – aber auch zu verstehen: Zum einen zeichnen sich bei beiden aktuell dringliche Arbeitsdinge zu Hause ab, zum anderen grenzt die (so auch weiterhin laut norwegischer Tageszeitung existente) Wetterlage Outdoor-Aktivitäten etwas ein. Mir macht´s nichts aus – ich flitze eisern meine 6km hinunter und hinauf, schreibe vor mich hin, starre Löcher in die dicken Wolken, lasse Gedanken gleiten, greife zum Buch.
Mittwoch, 18.7. 

Unsere Bucht klammert sich an die dicken grauen Wolkenberge – und es regnet und regnet. Ein guter Anlaß, sich nochmals ganz eng aneinander zu kuscheln..

 
Wir verbleibenden Urlauber bilden Grüppchen und starten in entgegengesetzten Richtungen nach Bergen: Sternis über Tysse, wir andersrum über die Fähre Venjaneset/Fusa – Hatvik; der bei Bergen heftige Straßenverkehr lässt uns auf der sonnenbeschienenen(!) Insel Sotra ruhigere Ecken suchen. In kürzester Zeit wandelt sich die Landschaft von dichtem Grün zu fast nackten felsigen Rundrücken mit nur etwas Moos, Farn und Buschwerk. Der Wind bläst anders, wild, urtümlich um die überall verstreut liegenden einzelnen Häuschen. Leider findet sich kein Direktzugang unprivater Art zum Fjord; das Meer erblickst du weiter draußen erst sich gischtschäumend überschlagend.  
Donnerstag, 19.7. 

Kurz nach 9h schunkeln wir zusammen mit Jörg aufs Wasser hinaus, da die Vorrats-Truhe leer ist; 3h später kehren wir um zehn Makrelen und einen ?? (gut dorsch-groß, uns völlig unbekannt – aber lecker) reicher zurück

 
und starten mittags bei ab und an leicht bewölktem Himmel eine wunderbare Radtour bis zum 23km entfernten Skate; hier kehren die Sternis um. Im kleinen Havik begegnen wir zwei durch das Örtchen bummelnden pupertären Hausschwein-Damen: da stehst du und geniest diese gewaltige Schönheit, etwas raschelt neben dir, die Büsche geben rosafarbene Gestalten frei – uik-uik und hallo, mal schaun, was so los ist heut im Tal – die Nasen schnüffeln hier und dort, die Mädels wandern weiter… Die Straße endet hier, wir fahren zurück nach Strandvick und folgen auf der Suche nach dem in der Karte eingezeichneten Wanderpfad nach Fusa einem steilem Weideauftriebsweg mit Kuh und –sch.. in die Berge; nach gut 2km schwerer Anstrengung kehren wir jedoch auf meinen Wunsch vor Eintritt in unübersichtliches Walddickicht um.
HimbeerPause…es ist fantastisch! Wohin man schaut, bieten sich die roten Beeren massenweise an; dem Einheimischen scheint dies egal, zumindest sah ich nie jemanden außer uns naschen. Späterhin relativiert sich die Fülle: es ist wohl nur der Großraum Eikelandsosen, der sie so üppig darbietet.

Heimwärts, heimwärts – die Beinchen treten nur noch stereotyp vor sich hin, der Nacken verkrampft – und Gerald strampelt munter voraus, eine kleine kurze Pause bitte, die verbogene Beate richten.

 
Gegen 20h nach über 70 km endlich angekommen, Abendessen diesmal auf der Terrasse, das Mahl direkt vom Grill – leeecker, lecker; nur sind irgendwann alle platzevoll; die Hausfische haben um diese Zeit auch nicht mehr den wirklichen Appetit und die sonst ewig kreischend-kreisend ums Haus ziehende Möwenschar hat sich ebenfalls verkrümelt . Zwei wohl pubertäre Männlichkeiten mit laut blubbernden Motorbooten drehen á la Sehen-und-Gesehen-Werden Runde um Runde vor unserer Nase, landen kurz an, verschwinden dann wieder (der eine rasant über die winzigen Wellen springend, der andere mühsam brummend, fast auf der Stelle schaukelnd) – gute Nacht also..  
Freitag, 20.7.

.. und wir gehen ihn ruhig an, diesen unseren letzten und sonnenlichten Tag in Eikelandsosen; kaum ein Wölkchen zu erahnen, nur der Wind scheint deutlich frischer als sonst. Gerald dreht mit uns Damen eine Besichtigungstour vor dem Städtchen, schippert uns im dortigen „Jachthafen“ mal eben kurz auf Grund – ha, da legt die Frau Hand an die Paddel und schiebt und rudert sich frei sogleich..

Nachmittags Aufbruch, um nochmals die Umgebung per Auto zu erkunden – über Holdhus und Halandsdal in immer gigantischerer Landschaft (wie soll man sie beschreiben, diese tiefsten Täler, dunkle Seen dazwischen, Felswände türmen sich aus dem Nichts in den Himmel!!) nach Tveita, einer Ansammlung weniger Häuschen hingestreckt in einem verlorenen Tal; wir folgen einem zunehmend verwachsenen Pfad in dünnen Baumbewuchs (aus dem es bimmelt und blökt – kleine Schafgrüppchen knabbern hier am üppigen Grün) den beiden Wasserfällen entgegen, wobei der hintere sich nach markanten Felsabstürzen weit weit oben zwischen Geröll und Schneefeldern zu entwickeln scheint. Schnell, schnell, noch steht die Sonne knapp über dem Bergrücken, leuchtet dieses so unwirklich schön erscheinende Tal aus. 
Tja, sicher wären wir noch entschieden weiter dem Himmel entgegengestiegen, wenn es da nicht diese Schnittstelle beider Wasserläufe gegeben hätte; wildes Getose über uralte Gesteinsbrocken – und hinüber führt in etwa 3m Höhe ein 6m langes brückengedachtes Gebilde zweier etwa je 15cm dicker Baumstämme in 50cm Abstand liegend und endseitig jeweils mit einem Brettchen verbunden. Gerald erkundet kurz die Umgebung unterhalb, kehrt zurück und wandert völlig unbeeindruckt hinüber. Sabina balanciert elegant Schrittchen links, Schrittchen rechts, den Blick geradeaus und Sterni startet zweibeinig, geht nach kurzer Zeit in die Knie und als Vierfüßler weiter. So weit, so erfolgreich
Hat inzwischen jemand mal nach Beate geschaut? Die irrt am Ufer unterhalb der Stammgebilde herum, wagt hier einen Vorstoß, klettert dort über wasserumspülte Steine – um immer wieder an dem auf etwa 1m Breite tosenden Naß zu scheitern. Da hilft weder Sabinas Versuch, mir einen Ast vom Gegenufer herunterzubiegen noch Jörgs aufopferndes Bad im Bach, als er mir die Hand entgegenstreckt und auf einem glitschigen Stein wegrutscht. Geht allein weiter, ich warte hier. Aufmunternde Hinweise, wie einfach.. ein wohl verwunderter Gerald – hängt mit 50 und mehr Metern Luft unterm Hintern völlig gelöst in der Wand und nun das hier…  
Es geht einfach nicht, völlige Blockade. Da tauchen Bilder von vor (oje, wirklich sooo lange her?) 34Jahren auf, heimliche Freizeitbeschäftigung unserer Truppe in der 3.Klasse: Überqueren eines Abflussbächleins des Stahlwerkes Maxhütte: zwei etwa 3m lange Rohre, eines vielleicht 10cm dick, ein schlankes schräg darunter gesetzt spannen sich gerade mal 1m hoch über dunkelbraune zäh dahinfließende Stinke-Brühe. Und dreimal dürft ihr raten… Ich rutsche weg, schlage mit dem Kopf auf das untere Rohr und tauche ein in moddrig-quabbrige Dunkelheit. Da hilft es nichts, Jahrzehnte später zu wissen, dass auch die anderen einfach so hinüberkommen; der ganze Körper streikt. Gerald sieht meine Not und lotst mich dann doch mit Händchenhalten unter den Stämmen durch – boooh, geschafft (an die Notwendigkeit der Rückkehr denke ich jetzt erst mal lieber nicht..). Jaaa, ich weiß, lieber Leser – aber das muß an dieser Stelle einfach mal raus, so!  
Wir kraxeln weiter bergan, die Bäume bleiben zurück, graue Steine in Blaubeer- und andere Sträucher gestreut liegen dieser Gewaltigkeit an Felsgetürm, Wasserfall und weit oben blitzendem Schnee zu Füßen – jeder sucht sich ein eigenes Plätzchen zum Staunen und Genießen. Unglaublich, dass es solch geballte urgewaltige Schönheit gibt, unmöglich, es jemanden per Wort fass- und sichtbar zu machen – ihr müßt es einfach gesehen haben!  
Die Sonne versteckt sich hinter dem Berggrat – und sofort wirkt alles distanzierter, düsterer – Aufbruch zum Tal. Wir schrecken die inzwischen auf dem Pfad herumlümmelnde Schafherde auf, Gerald geleitet mich erneut durch das tosende Wasser, die anderen beiden überqueren die Stämme mit gelassener Routine wie gehabt – und schon sind wir zurück in der auf diesem Fleckchen Erde zwar zahlenmäßig gering, aber doch vertretenen Zivilisation: ein weißhaariger Herr mit Nichts als kurzer Hose und Gummistiefeln bekleidet grüßt überaus freundlich, die Kühe beäugen uns gleichmütig-schläfrig – Zeit, sich dem letzten Abend auf unserer wunderbaren Terrasse zu widmen..

An dieser Stelle noch ein kurzer Blick von selbiger direkt unter uns: Da tummeln sich Jungfische im Tang, zarte Quallen treiben dahin, drei Seesterne krakeln zeitlupenhaft über die Steine – nimm dir die Zeit und Ruhe, all dies zu entdecken, es lohnt sich!

 
Samstag, 21.7.

Wir räumen unser Traumhaus und starten unsere Heimreise zunächst dicht am Wasser:

Fahrt über Holdhus nach Hodnanes – Fähre nach Jektavik – E39 über Leirvik, Tunnelmaut, Haugesund nach Arsvagen – Fähre nach Mortavika – weiter die E39 vorbei an Stavanger und Sandnes, runter auf die Str.Nr.13 nach Lauvvik – Fähre nach Oanes.

Unterkunft dann in Jorpeland auf einem Campingplatz (www.solvik-camping.no) für 600 NOK (80 EUR) in einem knuffigen Bungalow mit wiederum riesigem Blick auf den hier eher see-ähnlichen weiten Fjord.
Hier sitze ich nun, neben mir die im Dämmern lesende Sabina; die Männer zappen durch die virtuelle Welt, nachdem die Vorräte an Alkoholika nicht aufgestockt werden konnten, weil: Man höre und staune und versuche es zu verstehen: Im Supermarkt, den wir gegen 19h aufsuchen, wird die Bezahlung und damit die Mitgabe selbst geringstprozentiger Getränke verweigert mit dem Hinweis, dies sei Samstags generell nur bis 17h zulässig.. Also morgen neue Chance? O nein, mein Lieber, weit gefehlt – morgen ist doch Sonntag – und damit sind die Läden einfach mal alle geschlossen… Dafür aber lagern die Reste unserer Riesenpizzen im Kühlschrank; schließlich wollen die jeweils gut 20 Euro auch aufgefuttert werden… Okay, hier wird es doch etwas eher und intensiver dunkel als im 300km nördlich entfernten Eikelandsosen – ich drehe dem Laptop den Strom ab – für heute. Gute Nacht.
Sonntag, 22.7.

Bist du in Norwegen und einigermaßen gut zu Fuß, dann musst du hier gewesen sein:

Ich stehe gegen 11.30h am Rand des 600m Felsabbruches von Preikestolen und blicke weit über den sonnenbeschienenen Lysefjord.

Hinter uns liegt ein auf zwei Stunden angelegter Aufstieg; wir zwei sporteln uns in der halben Zeit zum Ziel mit immer noch genug Zeit zum Schauen und Staunen – einfach aus Spaß an der zügigen Bewegung, der Freude, schon wieder eine Gruppe Gemütlichkeit überholt zu haben. Will heißen, dass alle Altersstufen und Körperlichkeiten vertreten sind und jeder in seinem Tempo dahinflitzt und –kraucht, z.T. den Säugling auf dem Rücken, die Oma untergehenkelt, den Zottelhund vor sich herschiebend… Sie alle treffen sich „oben“ auf der 15x20m großen Plattform des Abbruches.
Zum eigentlichen Höchstpunkt krakelt man nochmals bestimmt 100Höhenmeter wild durchs Gelände, hat dann aber noch weitere Weiten vor Augen und beste Aussicht auf eben die Sammelstelle der Wanderer: etliche drücken sich am Fels entlang, die meisten lümmeln mittig herum, einige stehen in respektvollem Abstand 1m vorm Abgrund oder schieben kniend oder bäuchlings die Nase sichernd über selbigen (so auch Gerald und ich) und die gaaanz Mutigen (oder spreche ich besser von Leichtsinn?) baumeln fotogen die Beine im Nichts (hier oben weht ein zügiges Windchen; eine unerwartete Bö oder ein wenig Unkoordiniertheit beim Aufstehen – und hui…). Als wir nach vielleicht eineinhalb Stunden wieder absteigen, strömen regelrechte Menschenmassen bergan. Die Spätmittagshitze lässt gerade die Jugend sich mehr und mehr entblättern, alles gewohnte Anblicke. Die knapp türkis verpackte üppigst wogende Pracht einer jungen Dame entlockt mir dann aber doch ein freimütiges Grinsen – booh ej!
Wie gesagt – ein Muß-Erlebnis, optimal mit Wanderschuh und wetterrelevanter Bekleidung. Höhenangst? 600m Nichts vor dir? Keine Sorge, die herrliche Gewaltigkeit dieses Fleckchens zeigt sich ebenso direkt auf dem Wanderweg und oben am Fels; versuch und genieß es einfach
Weiter geht die Fahrt gen Heimat quer durch Einöden mit suizidgefährdeten Schafen, die die enge Fahrbahn ihren dichtbei liegenden Weiden vorziehen; irgendwann zotteln wir hinter einem seine Kuhherde mit dem Mountainbike(!) treibenden grauhaarigen gummistiefeligen Bauern hinterher;
sein sicher zum gleichen Zweck gehaltener Hund patscht lieber bei uns am Autofenster rum und lässt sich knuddeln..
Der Regen holt uns wieder ein im Reich der schrägen Berghänge im Setesdal; wir mieten uns nahe Valle für 500 NOK (70 EUR) ein in eine einem Hexenhäuschen gleiche Hütte am Fluß (der allerdings so flach ist, dass die den Fischen dargebotenen Nudelreste des Abendessens 2m vom Ufer entfernt ganz profan zu Boden sinken und platt und sichtbar liegen bleiben – nun ja, scheint ja keiner beobachtet zu haben, wer die Pampe…)
Und es nieselt und regnet. Die Camper vor Ort scheint´s kaum zu berühren, da kauert man klein-überdacht vorm feuchten Zelt, liest und schaut. Der eine oder andere Angler kehrt zurück (wohl ohne Beute), wir plündern unsere noch reichlich vorhandenen Nahrungsvorräte und teilen die zwei Messer, drei Gabeln und zwei Löffel Besteck brüder-schwesterlich durch vier. Die Tomatensoße zur Nudel wird mangels Kelle per Tasse geschöpft, der Laptop zu später Stunde zum Heimkino umgewidmet. Irgendwann geht´s ab in die Falle: in der unteren Ebene Hexenhaus stehen zwei Doppelstockbetten, eines davon mit breiter unterer Liegefläche, das andere kinderferienlagergerecht schmal gehalten – hier lümmeln Gerald und ich uns getrennt ein. Gute letzte Nacht!
Montag, den 23.7.

Von wegen! Habe mich halbschlafend-lebenserhaltend instinktiv die ganze Nacht immer wieder an die Hüttenwand gepresst, um nicht aus meiner schmalen Koje zu plumpsen – und schaue etwas gerädert in den grauen späten Morgen. Unsere Autos rollen uns über Evje und Arendal durch grüne Landen Richtung Fähre zurück nach Langesund; alles ganz nett anzusehen, aber nach den spektakulären Eindrücken der vergangenen Tage streift das Auge routiniert die kleinen Flussläufe und Seen ohne nennenswertes Erstaunen. Gerade die richtige Überleitung zum Abschiednehmen

Fazit:

Packe den Wagen voll dir notwendiger Nahrung, stopfe festes Schuhwerk und ein paar strapazierfähige Klamotten dazwischen, vergiß weder Regenjacke noch Badegewand (gut, haben wir beide umsonst mitgeführt, sind aber bekannterweise eh nicht die geborenen Wasserratten). Denke auch an Brille, Buch, Landkarte, Angel mit reichlich Pilkern und Beifängern, Radel, Geldcard, Stift und Tagebuch/ wahlweise auch Laptop, Kamera, Rasierer, Ladegeräte für die diversen unentbehrlichen Kleingeräte, die man so mitschleppt, .. usw.usf.; das Auto kann´s ja schleppen.

Erwarte nicht den ständig strahlend-blauen Himmel, plane viel Zeit ein für die Kilometer, die du zurücklegen willst, ärgere dich nicht über die hohen Preise und freu dich auf die Überraschungen, die diese Tage unbedingt bereithalten werden für dich.

Wünsch den heimbleibenden Nicht-Urlaubern freundlich eine schöne Zeit – und looos