Komischer Sommer dieses Jahr, erst im Frühjahr heiß, dann Wochen mit Regen und Kälte… und unser festgelegter Urlaubstermin kam immer näher. Würde es wieder eine „Flucht“ durch halb Europa werden, um irgendwo die Sonne zu finden? Geplant war eigentlich eine Österreich- Kennenlern- und Auffrischreise. Denn zu oft sind wir durch dieses Land einfach nur durchgefahren, auch weil mein Schwur von 2001 immer noch galt, bei diesen Halsabschneidern, die bei unanständigen und weiter steigenden Preisen für Skilifte, Speisen und Getränke auch bei bestem Wetter um 16 Uhr die Lifte abschalten, nie wieder einen Urlaubstag zu verbringen. Aber nichts gilt für immer und nach den guten Erfahrungen von 2010 sollte es dieses Jahr eine Tour zwischen Klettersteig und Hochgebirge werden.
Und dann: kaum zu glauben, kurz vor unserem Aufbruch legt sich doch ein stabiles Hoch über Mitteleuropa. Austria, wir kommen!
Freitag, 10.08.2012 Am vorherigen Wochende hatten wir uns, bei Katrins Kanuwochenende also, wie’s der Zufall so will, mit Karl und Ilona für heute Abend am Wilden Kaiser verabredet. Bei einer geschätzten Fahrzeit von 6 1/2 Stunden, sollte es reichen, mittags loszufahren um noch ein gemeinsames Abendbier zu trinken. Die Tage vorher hatte ich mit Ilona, Telefon und Internet versucht, ein Quartier sprich Berghütte mit Zimmer zu finden. Aussichtslos. Wenn überhaupt, dann nur Lager. So buchten Schönauers in der Gaudeamushütte 2 Lager, währen wir per booking.de in der Pension Hartkaiser unterkamen (62,- /Zimmer m.F., keine Empfehlung).

Punkt 19.16 Uhr stießen Beate und Ilona erfreut zusammen. Allerdings hatten wir vom Almparkplatz schon einen strammen 20 min- Aufstieg hinter uns- und waren entsprechend durstig. Ein großes Lob an die Hüttenwirtin Anni, die mit ihrer Herzlichkeit diesen und den folgenden Abend noch schöner machte. Wir lernten in den nächsten Tagen auch ganz andere Wirte kennen.

So sieht es im Lager aus:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Samstag, 11.08.2012  Nach dem leidlichen Frühstück in der von Holländern geführten Unterkunft fahren wir die 10 min zur Wochenbrunner Alm (1080m)  und laufen die 20 min wie am Vorabend bergan. Es ist kurz nach 9 als wir an der Gaudeamushütte (1267 m) auf die schon wartenden Schönauers stoßen. Wir gehen den Weg „duchs Klamml“  Richtung Gruttenhütte (1619m). Es wurde warm:An der Gruttenhütte gab es eine Erfrischung in Form von Tee (es war nur gelegentlich sonnig) und dann stiegen wir in den Jubiläumssteig, der auf 1750 m führt, ein:

 

 

 

 

 

 

 

 

Auf dem Klettersteig der Kategorie A waren jede Menge Leute, auch mit Kindern, unterwegs.

 

Am Ende des versicherten Abschnitts stiegen Karl und Ilona zur Gaudeamushütte zurück, während wir, noch wild und ausgeruht, zum Ellmauer Tor (2006 m) und dann zur Hinteren Goinger Halt (2192m). Das ergab dann 1000 Höhenmeter hoch und wieder zurück, die wir noch einige Tage in den Oberschenkeln merkten. Von den sagenhaften Tiefblicken hatten wir leider nur bei gelegentlichem Aufreißen der Wolken eine Ahnung bekommen. Abends trafen sich Helden der Berge bei Bier und Enzian. Was für ein schönes Bergsteigerleben.

Sonntag 12.08.2012  Wir verabschieden uns in der Pension und fahren ostwärts mit Ziel Dachstein.  Die Straße windet sich an den österreichischen Gebirgszügen entlang: Leoganger Steinberge, Steinernes Meer, Hochkönig….. Stop, hier stehen auf einer Paßhöhe viele Autos herum. Ein Zeichen, dass es hier was geben muß. Eine Karte am Straßenrand zeigt, dass  wir uns am  Hochkönig befinden. Man könnte zur Erichhütte (1550m) wandern und dann über den Gesund-und-schlank-Wanderweg (heißt wirklich so) wieder zurück.

2 Stunden später waren wir wieder unten und fuhren dem Dachstein entgegen. Ein Bleiben am Hochkönig (2950m)  bot sich nicht an, da sich die Hochlagen in dichte Wolken gehüllt hatten. Aber hier gibt es noch einen interessanten Klettersteig: den Königsjodler, den man sich mal merken sollte.

Am Tennengebirge vorbei erreichten wir am Nachmittag über eine Mautstraße den Parkplatz an der Talstation der Seilbahn zum Dachstein. Hier blieb das Auto stehen und wir wanderten die 40 min  zur schon zu sehenden Südwandhütte. Etwas frustrierend waren die Menschenmassen, die sich hier vom und zum Berg schoben…. Und wir gehörten dazu…

In der Südwandhütte war ein 2-Bettzimmer für 2 Nächte vorbestellt. Nach unzähligen Anfragen in anderen Hütten in div. Gebirgszügen war diese die Einzige, die ein Zimmer frei hatte. Erst hatten wir ein Zimmer neben dem Waschraum, das wir aber, ohne den Wirt zu fragen, einfach gegen ein ruhigeres tauschten. Die Hütte war in weiten Teilen noch im Originalzustand, wie man auch am Zettel an der Tür erkennen konnte.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Montag, 13.08.2012   Das Abendessen war gut (Kässpätzle), das Frühstück jämmerlich. So brachen wir zeitig von der Hütte (1910m) auf und waren nach einer halben Stunde Anstieg um 9 Uhr am Beginn des gesicherten Zustiegs und um 9.30 Uhr am eigentlichen Einstieg (2200m) des Klettersteigs namens „Johann“.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Klettersteig Kategorie D-E führt auf die Dachsteinwarte in 2730m Höhe. Die schwierigste Stelle ist gleich ein überhängendes Wandstück am Einstieg. Danach sind (leider) viele ausgesetzte Stellen mit Steighilfen versehen und entschärft worden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Um 12.30 Uhr  war das Vergnügen schon vorbei.  Gleich neben dem Ausstieg befindet sich eine Hütte, in der die mit der Seilbahn heraufgefahren Besucher nach einer Gletscherwanderung eine Erfrischung zu sich nehmen. Nach dem Wechsel der verschwitzten Kleidung wollten wir uns mit einem warmen Getränk belohnen (es war wolkig und kühl), aber die Kellner spielten nicht mit. Nach 10 min. Wartezeit pilgerten wir mit ’ner Menge gesparten Geldes  Richtung Seilbahnstation über den Gletscher.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Theoretisch hätte noch der Hauptgipfel (2996m) bestiegen werden können, aber leider lag das ganze Massiv jetzt in den Wolken und nur zum abhaken wollten wir nicht noch 300 Höhenmeter durch den Nebel krabbeln. Unterhalb der Seilbahnstation zeigte ein Wegweiser: 1,5 Std. zur Südwandhütte. Super, ist ja gar nicht weit. In Wegweiserrichtung fanden wir aber nur die Seilbahnstation. ??? Ortskundige schickten uns zurück und wiesen uns den Weg am Gletscherrand entlang  zur Hunerscharte. Hier führte ein Klettersteig 200 m herauf bzw. für uns hinunter.  Das sah aber noch weit aus bis ganz unten und die Südwandhütte war gar nicht zu sehen. Jetzt wurde klar, dass mit den 1,5 Std.  die Benutzung der Seilbahn gemeint war. Spaßvögel. Als wir den Klettersteig die ersten 100 m abgestiegen waren, stieg oben ein Einzelgänger ein und warf Beate prompt einen Stein ins Kreuz. Das hätte böse enden können…und schmerzte noch tagelang. Der Abstiegsklettersteig endet in einem Riesengeröllfeld, über das die nächsten 200 Höhenmeter zu überwinden sind. Der Steinwerfer hatte uns überholt und verschwand, doch nun kam ein seltsames Pärchen, er mit Lederjacke und sie mit Turnschuhchen, das Geröllfeld nach oben gejapst. Ob sie hier richtig seien auf dem Weg zum Dachstein? Ja, im Prinzip schon, aber bald beginnt ein Klettersteig. Och, macht nichts. Alles im breiten Wiener Akzent. Nach einer nochmaligen Warnung gingen wir weiter runter und sie weiter hoch. Kurz nachdem ich ihnen nochmal hochrief:Ihr seid wahnsinnig! hielten sie dann doch inne und krabbelten wieder zurück. Als wir uns an der Südwandhütte bei großen Radlern erholten und Dohlen fütterten, kamen die beiden unversehrt daher.

So, was machen wir jetzt? Erst mal die Rücksäcke beim netten Hüttenwirt abholen, denn wir haben auf die zweite Übernachtung verzichtet und runter zum Auto. Dann fahren wir die halbe Stunde nach Filzmoos, das von der Durchreise 2010 noch in Erinnerung war. Eigentlich könnten wir ja im Auto übernachten, aber wo? Eine Mautstraße führt unterhalb der Bischofsmütze zur Oberhofer Alm. Ringsum leuchten die Gipfel der Dachsteinkette in Sonnenuntergang. Und es wird kalt. Doch wieder in Filzmoos schauen wir nach ’ner einfachen Übernachtung. Pension Tirol; soll 30.- kosten, mit Frühstück. Für den unteren Standard auch nicht zuviel. Beim zahlen waren’s dann 30.- pro Person….

 

 

 

 

 

Dienstag 14.08.2012  Gut, dass wir ein Zimmer hatten. So konnte die Vermieterin gleich bei ihrer Zahnärztin einen Termin für Beate bekommen. Ein Stück Zahnersatz hatte sich selbständig gemacht. In Eben sitzt Beate dann doch länger als erwartet und kann gegen Mittag 80.- für Röntgen und Behandlung berappen. Wir hätten mehr erwartet und sind gespannt, ob die Auslandskrankenversicherung (wie zuletzt USA)  zahlen wird. (Nachsatz: sie hat gezahlt. Allianz eben.) Westwärts fahren wir wieder am Kaisergebirge vorbei Richtung Imst, dem Kletterdorado nach Eigenwerbung. In einem Salewa- Shop in Saalfelden halten wir mal an und Beate kommt mit neuen Wanderschuhen heraus. Die Investition hat sich gelohnt, denn auf einmal hat die Rutscherei auf ausgelatschten Sohlen ein Ende, wie sich bei den folgenden Touren zeigen wird. Vorher gabs noch ’ne Investition: während Beate im Wartezimmer saß, habe ich mich ein wenig in Eben umgesehen und beim Sporthändler ein Paar zusammenschiebbare Leki- Wanderstöcke  als Belohnung für die Schmerzen gekauft. Es folgt die Region Hochfilzen. Hier scheint ein größeres Langlaufgebiet zu sein und wir merken uns den Ortsnamen. In Imst angekommen, erkunden wir den Weg zur Seilbahn, um morgen nicht suchen zu müssen. Wir stellen fest, dass der Parkplatz schön ruhig liegt und beschließen, mal im Auto zu übernachten. Zum Essen müssen wir wieder 2km  runter in die Stadt. Große Enttäuschung: für eine Kreisstadt ein sehr mageres Angebot an Einkehrmöglichkeiten. Ein Italiener hat aktuelle Zeitungen herumliegen; hier bleiben wir. Eine Riesenthunfischpizza und Nudeln mit Meeresfrüchten machen uns satt und müde. Obwohl, so richtig zufrieden war ich mit den Nudeln nicht, weil jede Menge grob geraspelte Möhren in der Soße herumschwammen. Auch eine Art, Shrimps vorzutäuschen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mittwoch, 15.08.2012  Pünktlich zum Start der Seilbahn stehen wir um 9 an der Kasse. Wir buchen die Hochfahrt „klassisch“ und die Rückfahrt mit dem Alpincoaster. Das soll so eine Art Achterbahn am Berg sein. Später mehr. Bei Kaiserwetter gehts von unten (1050m) zur Mittel- (1491m) und dann zur Bergstation (1800m). Ein halbstündiger Fußmarsch bringt uns durch die imposante Landschaft der Lechtaler Alpen zur Muttekopfhütte (1934 m).  Zu sehen mittendrin  auf dem Foto ; nur die Laufrichtung ist falschrum. An der Hütte parkte Beate die sicherheitshalber mitgenommenen alten Schuhe, da die Neuen wunderbar passten und keine Probleme bereiteten. Dann zog’s sich nochmal mächtig bis zum Einstieg: es waren an die 1,5 Stunden bis zum Einstieg. Dort angekommen wies eine Tafel auf die Freuden und Gefahren des Klettersteiggehens hin.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir warteten noch bis die Vorgänger aus dem Steinwurfbereich waren und stiegen dann an herrlich griffigem Gestein himmelwärts. Über lange Strecken  konnte man ohne Seilberührung im IIer oder IIIer Gelände unbeschwert hochklettern. Später kamen senkrechte Passagen, an denen man doch lieber das Drahtseil mitnutzte; einen Sturz sollte man im Klettersteig nicht provozieren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Je höher wir kamen umso eindrucksvoller wurde die Faltung der Lechtaler Alpen sichtbar. Als das Gipfelkreuz schon in Sicht war kam noch mal ein Steilaufschwung dazwischen. Ohne Stahlseil wäre jetzt VIer Kletterei angesagt gewesen. Leider waren auch hier wieder die anspruchsvollen Stellen mit Steighilfen ausgestattet.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach 1,5 Stunden Klettersteig folgte der Abstieg durchs Geröll des Englkars. Hier gaben meine Schuhe endgültig den Geist bzw. die Sohle auf. Irgendwann war auch das Geröll geschafft, dann ging’s weiter bergab wieder zur Muttekopfhütte. Die Schuhe von Beate lagen noch immer dort, also kamen sie wieder mit abwärts.  Wir wollten zur Mittelstation, aber wo lang? Eine Frage an eine ältere Dame:“ Sie kennen sich bestimmt hier aus?“ wurde prompt mit dem Fingerzeig in die richtige Richtung beantwortet. Wieder folgte eine Stunde Abstieg.  Dann die Versuchung: eine Hütte mit Strudel und Bier. Und schon saßen wir drin. Hier tauchte am Nachbartisch ein Typ auf, der (gottseidank den Nachbarn und nicht uns) ein Gespräch über Jesus usw. aufdrängen wollte. Als er endlich abgewimmelt war, nicht ohne ein „ich segne euch“, kam ein befreiter Blick der Nachbarn: wo haben sie denn den freigelassen? Wir trafen ihn wieder…. Nämlich 20 min später an der Mittelstation, wo ihm eine jüdische und amerikanische Familie von Opa bis Urenkel (Schläfenlocken, Kippa usw.) über den Weg lief und gleich in Beschlag genommen wurde. Am Bahnhof des Alpincosters mußte man eine Wartenummer ziehen und erfahren, dass wir wenigstens 1 Stunde warten müssen. Zum Glück gabs Bier und Radler 🙂  Dann sind wir endlich dran. Zu zweit entern wir die Lore und ich lasse, an der Bremse sitzend, gleich dem Pferd die Zügel frei. Upps- nach wenigen 100 Metern zuckelt Vater oder Opa Abraham  mit Enkel in Schrittgeschwindigkeit die Piste herunter. Ärhhhh! Schnell staut sich die ganze Bahn zu. Wir lassen den beiden gehörigen Vorsprung  und können dann noch mal Beschleunigung und Fahrtwind spüren. Warum rief Beate bloß  immer nur „Bremsen!“ ? Schon in der Dämmerung unten angekommen, sehen wir, dass hier ein Haus der Religionen (?) steht. Weil’s so schön war, übernachten wir wieder auf dem Parkplatz. Davor ging’s wieder runter in die „Stadt“; unser favorisiertes Lokal entpuppte sich als Räucherhöhle so dass wir nach längerem Suchen bei einem anderen Italiener landeten. Ach ja, im Ort gibt es viele Brunnen: an einem mußte ich mich mal waschen. Ob’s peinlich war?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Donnerstag, 16. August 2012  Es regnet….. am Rande das Parkplatzes ist es herrlich ruhig… wir ratzen bis gegen 10 Uhr. Und schon kommt die Sonne ‚raus. Diesesmal frühstücken wir komfortabel im Schuppen und machen uns auf den Weg zum nächsten Klettersteig  bei St. Johann am Arlberg. Unterwegs lockt ein Wegweiser zur Silvretta Hochalpenstraße und dann lockt vorher  noch ein Wegweiser nach Samnaun in die zollfreie Zone. Davon hatt ich schon viel gehört- also nix wie auch dort noch vorbei. Huch, das liegt ja in der Schweiz. Das erklärt, warum die  Dinge hier soviel wie bei uns gewöhnlich kosten. Schweizer Preis minus Steuer macht „normalen“ Preis. Ein Blick auf die Speisekarte einer Gaststätte (ohne Steuervorteil) offenbart die Schweizer Realität: unter umgerechnet 20.- EUR läuft gar nichts. Trotzdem, eine schöne Ecke hier. Auch ein paar 3000er wären im Angebot.

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir fahren bald weiter. An Ischgl (fast menschenleerer Retortenort) vorbei nach Galtür. Im  Februar 1999 wurde Galtür von einer Lawine heimgesucht, die 31 Menschenleben forderte. Angesichts der  steilen Hänge ringsum überrascht das nicht. Das Bild der Kirche kam mir sehr bekannt vor. Wir zahlen ca. 10.- Maut und sind auf der Silvretta-Hochalpenstraße. Gut angelegtes Geld, denn die Straße schraubt sich himmelwärts: An der Bielerhöhe (mehrere Gaststätten), dem höchsten Punkt der Silvretta Hochalpenstraße (2.032 m), befindet sich der Silvretta-Stausee. Ich denke, wir hatten ordendlich Glück mit dem Wetter, denn so norwegisch grün wie  alles ist, dürfte es hier häufigst regnen. Wir widerstehen der Idee hierzubleiben und rollen über endlose Serpentinen wieder nach unten. Bei sicherem Wetter kommen wir bestimmt nochmal her. Die nächste größere Stadt im Tal ist Bludenz. Wie der Zufall  will, fahren wir wieder an einem Salewa Laden vorbei. Aber wir sind nicht in D, hier in A werden um 18 Uhr die Geschäfte zug’sperrt. Dann eben nicht!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir sind wieder auf der Autobahn, diesmal Richtung Osten und wollen fix nach St. Anton a.A.  Aber die Strecke zieht sich ganz schön hin, zum Glück gibt es einen Tunnel. Später fahren wir die alte Strecke über den Berg (sehr schön) und können verstehen, dass der Arlberg bis vor 100 Jahren diesen Teil der Welt von Deutschland abgetrennt hat. In einem Heimatbuch im Quartier in St.Anton ist die Geschichte der Kinder zu lesen, die jeden Frühjahr über den Berg nach Schwaben zogen, um dort bei den reichen Bauern wie die Sklaven zu schuften. Was müssen sich für schreckliche Szenen abgespielt haben…. Erst um 1910 nahm das ein Ende. Wer mehr wissen will: http://www.schwabenkinder.eu/de/

In St. Anton angekommen suchen wir wie zuletzt in Imst den Lift. Schon merkwürdig, am Ortseingang gibts noch einen Wegweiser zur Galzigbahn, dann verliert sich die Fährte. Erst nach Hinweis von freunlichen Urlaubern finden wir den Startpunkt. Der liegt mitten im Ort, ohne Parkplatz, aber wir wollen ja sowieso wieder mal im Bett schlafen. An einer ruhigen Straße  liegt das Haus Strolz. Das Zimmer ist hell, geräumig, hat Sat-TV und kostet mit Frühstück  40.- für uns beide. Wir bleiben 2 Nächte. Wer mal hierher will: www.arlberg.com/ludwig.strolz  . Im Winter ist der Preis aber mehr als doppelt so hoch. Nun ja, man hätte auch bei einem bestimmt netten Wirt mit etwas unappetitlichem Namen nächtigen können…. Auf Empfehlung der Gastgeberin speisen wir im Sporthotel. Lecker, faire Preise, aktuelle Zeitung. Müde und zufrieden fallen wir ins Bett, der Fernseher düdelt kurz noch, Gute Nacht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Freitag, 17. August 2012  Ein Auge auf, Blick aus dem Fenster, zwei Augen auf: schon wieder Kaiserwetter! Nach dem guten Frühstück schultern wir die Rucksäcke und sind nach 500 m Fußmarsch kurz nach 9 an der Bergbahn (1.320m). Mit 1x umsteigen wird man auf den Vallugagrat 2.645 m hochgeschaufelt. Selbst hier oben waren schon 11 °C. Hier wäre es möglich, sich mit einer kleinen Kabinenbahn, die aber nur in größeren Abständen fährt, auf sagenhafte 2811 m befördern zu lassen. Ist zwar aus Unkenntnis mitbezahlt, wir verlassen aber das „Bahnhofsgebäude“ und wandern über hochalpine Schuttlandschaft eine halbe Stunde Richtung Arlberger Klettersteig. Diesen habe  ich  per Internet gefunden und für interessant befunden. Es soll zwar „nur“ über einige Spitzen auf annähernd gleicher Höhe zum Ziel gehen, aber alle  Schilderungen waren voller Begeisterung über Ausgesetztheit und sportliche Anforderung. Und sie hatten mehr als Recht! Es geht mehrfach hoch und runter, wir überholen einige Gruppen; u.a. ein paar Tschechen, die eine Frau dabei hatten, die hier ihren ersten Klettersteig machte. Sowas können nur Tschechen! Sie ist dann im Notabstieg nach der Hälfte aber ausgebüxt. Ich will am Ziel, der Weißschrofenspitze (2752m) noch den Ausblick genießen, aber Beate macht ungewohnt Druck. Wenn wir die Seilbahn am Kapall nicht erreichen, stehen uns neben den gut 400 Höhenmeter Abstieg zur Bergstation (2326m) noch weitere 1000 bis St. Anton bevor. Also hecheln wir den Abstiegs- Klettersteig runter und über die Almwiesen, um um 16.05 Uhr noch eine der letzten Gondeln zu erwischen. Offiziell ist um 16 Uhr Schluß, aber man gibt sich hier gnädig.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Somit haben wir Zeit, nach Bludenz in den Salewa- Laden von gestern zu fahren. Gedacht, getan. Der Laden ist phantastisch, die Auswahl riesig; und mal was anderes als immer Globetrotter oder Aussteiger (Vergib mir, Mario).  5 Minuten nach 6 verlasse ich als Besitzer von ein Paar neuen Salewa- Bergschuhen das Geschäft. Hinter uns wir abgeschlossen. Diesmal wählen wir die schöne und nicht längere Strecke über den Berg zurück nach St. Anton. Dann ist im Sporthotel kein freier Platz zu bekommen. Mangels Alternativen laufen wir noch etwas auf und ab und lassen dann bei den gleichen Speisen wie am Vorabend den Tag ausklingen. Was war’s denn eigentlich? Beate hatte Pasta mit Shrimps und ich was mit Lammbraten in raffinierter Souce.

Samstag, 18.08.2012  Zum Wetter brauche ich nichts zu sagen: blauer Himmel, seidige Luft. Die besten Voraussetzungen, um endlich die österreichische Gletscherwelt zu erkunden. Ein Nebental des Ötztales ist das Venter Tal, und dort wollten wir hin. Nach vorheriger Internetrecherche ist das ein Bergsteiger – und kein Schifahrerort. Was heißt, dass die Landschaft nicht von Unmengen von Liftanlagen verschandelt sein sollte. Die Erwartung ging voll auf. Kurz nach 12 waren wir auf dem Wiesenparkplatz vor dem Örtchen und zahlten der Bauerstochter 2 x 4.- Eur, denn wir wollten nun auf einer richtigen Berghütte übernachten. Also Eine, zu der man richtig weit laufen muß und zu der kein Auto hochkommt. Auswahl war genug: Breslauer Hütte, Hochjochhospiz, Vernagthütte, Similaunhütte, Martin-Busch-Hütte und als Krönung das Brandenburger Haus. Am Vorabend hatte ich alle angerufen, aber wie zu erwarten war: Wochenende, alles voll, wenn überhaupt,  nur noch Lager. Der einzige Lichtblick war die Hütte Schöne Aussicht, die schon auf Südtiroler Seite liegt. Hier war noch ein Zimmer frei. Angegebene Entfernung von Vent: 5,5 Stunden. Das sollte doch zu schaffen sein, zumal wir bisher alle Zeitangaben deutlich unterboten hatten, ohne uns  zu verausgaben. Also die Rucksäcke gepackt und los. Durch den Ort dem Wegweiser folgend zu den Rofenhöfen. Ärgerlich war nur, dass wir jetzt auf einer Straße liefen, die wir auch hätten fahren können, nach einer halben Stunde ein Wegweiser zur Schönen Aussicht wieder 5, 5 Stunden versprach und auf der anderen Seite des Tales ein schöner Wanderweg am Fluß ohne Autos   zu sehen war. Und weil das nicht genug war, rieben natürlich die neuen Schuhe wie  verrückt. Und es war schon 13.30 Uhr.  Als von Vent (rd. 1900m)  nichts mehr zu sehen war, wurde ich immer begeisterter von der Szenerie: „das sieht aus wie damals in Mittelasien, als ich mit Joe in den 80’ern dort war“ mußte sich die arme Beate mehrmals anhören. Aber wirklich, der immer reißender werdende Gebirgsfluß und die langsam auftauchenden schneebedeckten und teils vergletscherten Gipfel ließen die Bilder aus dem Fan- Gebirge in Tadshikistan lebendig werden. Dann waren wir wieder in Mitteleuropa. Noch 5 min weiter bergauf, und wir hätten im Hochjochhospiz (eine Berghütte in 2413m) eine Rast einlegen können. Nein!, für uns  ging es 200 Höhenmeter abwärts, auf einer (europäischen und TÜV-geprüften) Brücke über einen (mittelasiatischen) Fluß und dann wieder die verlorenen Höhenmeter aufwärts. In der Ferne thronte ein Bauwerk an einem Berghang. Das mußte unsere anvisierte Hütte sein.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hier sind wir schon über der Höhe des Hochjochhospizes. Wer durch  anclicken das Bild mit Beate drauf vergrößert, sieht links mittig das Hochjochhospiz und darüber die Wildspitze, den höchsten Berg Tirols mit 3.768 m. Und es zog sich! Gegen 18 Uhr zückte ich das Telefon und rief in der Herberge an, dass wir noch unterwegs sind und man unser Zimmer nicht weggeben soll. Am anderen Ende lachte man nur: wir waren nicht die Ersten in dieser Lage. Langsam verschwand die Sonne hiner dem 3tausender zu unserer Rechten und es wurde kühl. Dann kam nach der x-ten Kurve (hinter der immer das Ziel erwartet wurde) erst ein Schäferhüttchen, dann ein Häuschen und schließlich: die Herberge. Die am frühen Nachmittag anvisierte Hütte war übrigens die Bergstation der Seilbahn auf über 3000 m, die wir unmöglich mehr hätten erreichen können. Als die Schuhe von den Füßen waren und ein Hefeweizen für 4,50  auf dem Tisch stand, war die Welt schon wieder in Ordnung. Vorher war sie es ja auch, aber es hatte eben gelangt.  Wir hatten Halbpension gebucht für 57.- p.P.   Neben dem gemütlichen Zimmerchen war noch ein Abendessen mit Suppe, Vorspeise (irgendwas mit gebackenenem Reis), Hauptgericht (schon vergessen, jedenfalls zu viel) und Dessert (Pudding mit Himbeeren, ich platz‘ gleich) darin enthalten. Wir saßen noch bis um 10 im Gastraum, süffelten Südtiroler Wein (7.-/ halben Liter), schmökerten in den reichlich vorhandenen Zeitschriften und Büchern und fielen dann in wohligen Schlaf.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sonntag 19.08.2012 Der Gedanke, noch einen Tag incl. Nacht dranzuhängen, wurde verworfen. Was hätten wir hier machen sollen? Nach der, leider kalten, Dusche im wohl schönsten Waschraum der österreichischen bzw. Südtiroler Berghütten und Standardfrühstück schulterten wir die Rucksäcke und machten uns auf den Weg zurück, um die Breslauer Hütte anzulaufen. Hier waren wieder Zimmer frei, da das Wochenende vorbei war. Gehzeit ca. 6 Std.. Aber wieder kam es anders: erstmal lockte die Gletscherzunge 200 m unterhalb des Wanderweges. Schon war ich auf dem Geröll auf dem Weg nach unten; Beate folgte in größer werdendem Abstand.  Je näher wir kamen, desto größer wurde das erst so klein aussehende Gletschertor.  Auch der Boden war auf einmal schlickrig und beinahe unheimlich. Aber wenn der Blick erst mal für festen Untergrund geschärft ist, ist auch das kein Hindernis mehr. Die folgenden 2 Stunden ging es immer 200 m unterhalb des Wanderweges durch die Endmoräne Richtung Tal, bis wir wieder an der mittelasiatischen Brücke waren. Hatte ich schon erwähnt, dass ausnahmsweise die Sonne von stahlblauen Himmel schien  und wir in   zweieinhalbtausend Meter 20 °C hatten? Da kann es ja nicht verwerflich sein, die Frau zu einem kühlen Radler einzuladen, oder? Es kam wie es kommen mußte: Gegen 14 Uhr ging ich den Wirt fragen, ob evtl. ein Zimmerchen frei wäre. Ja, eines wäre frei. Das lag genau zwischen Damen und  Herren- Waschraum; unmöglich. Ob den vielleicht ein kleines Lager frei wäre? Dann zahlen wir eben für 4 statt 2 Personen. Nein, nein, alles belegt. Glaub‘ ich nicht! Siehe da, bei der persönlichen Inspektion war Raum 34, ein dreier-Lager frei. Ja, ja, ist frei, sagte der Chef. Ohne Worte! Wir freuten uns und rückten die herumstehenden Liegstühle ins rechte Licht und genossen den unvergleichbaren Nachmittag bis zum Sonnenuntergang in traumhafter Kulisse. Bei einbrechender Dunkelheit verzogen wir uns ins Hütteninnere. Die Holzvertäfelung war noch aus den 30er Jahren mit Inschrift von der Sektion Berlin-Brandenburg. Auf den Stühlen trugen die Lehnen die geschnitzten Namen der Honoratioren der alten Zeit. Leider hielt der Rest nicht ganz mit dem stimmungsvollen Ambiente mit. Die Wirtsleut waren nicht unfreundlich, aber muffelig; kein Vergleich zu den Südtiroler Mädels in der Schönen Aussicht. Die Halbpension für 24.- p.P. war eher unlohnend. Einer dünnen Nudelsuppe folgte zäher Rinderbraten mit Meerrettich zum Drübertun und mit Spinat in Wasser gekocht. Wenn der Braten nicht so zäh und der Spinat gewürzt gewesen wären, sicher lecker, aber so? Immerhin war der Spinat ’ne Anregung, auch mal zu Hause die grünen Blätter zuzubereiten; und es schmeckte sogar. Es gab auch fast keinen Lesestoff. Wir mäkelten etwas, weil wir auch hier von der Schönen Aussicht verwöhnt waren. Immerhin waren Radler für 4,30 und die Halbe Zweigelt für 8.- völlig o.k., wenn man bedenkt, dass hier alles mit dem Hubschrauber oder auf dem Rücken hochgebracht werden muß. Das Lager kostete übrigens 20.- p.P.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Montag, 20. 08.2012     Oh Mann, wie soll ich mit der Blase weiterlaufen? Die Haxen ist mit 5 cm Durchmesser offen fast bis zum Knochen. Etwas übertrieben. Aber nur etwas….. Wir könnten Richtung Vent an der Breslauer Hütte vorbei laufen und nach 6 Stunden am Auto sein. Allerdings wurde bisher kein 3000er bestiegen. Also wenden wir uns nach kärglichem Frühstück erstmal in die andere Richtung, also zum Gletscher, auf dem das Brandenburger Haus thront. Was für eine grandiose Szenerie! Bei dem Kaiserwetter! Hier steht ein zu erwandernder 3000er, die Mittlere Guslarspitze mit 3128 m.  Ehe wir nämlich die nächsten 3000er, die an der Breslauer Hütte stehen, nicht rechtzeitig erreichen und ohne solch einen „Gipfelriesen“ nach Hause fahren, nehmen wir lieber Diesen mit.  Wieder mal eine gute Entscheidung. Aber es zieht sich auch wieder mal endlos bergan. Die Rucksäcke wurden bereits an der Weggabelung deponiert (es lagen schon andere dort) und unbeschwert ging es  nun  dem Gipfel entgegen. Die Aussicht war, na was schon?, wieder prächtigst. Hört das Wahnsinnswetter denn gar nicht mehr auf? Auf dem Bild unten links sieht man ganz klein in der Mitte die Vernagthütte (2755 m), unser nächstes Ziel, zum Greifen nah. Der Direktabstieg ist nicht in unserer Karte eingezeichnet und wir scheuen uns, am letzten Tag dieses Abenteuer einzugehen. Stunden später sehen wir aber, bei ’nem Radler auf der Terrasse der Vernagthütte sitzend, eine kleine Wandergruppe auf der Direttissima herunterkommen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Vernagthütte ist zwischen 3000ern und Gletschern phantastisch gelegen. Witzig ist ein Zimmer  mit Stockbetten für ca. 10 Leute, das direkt auf die Terrasse der besuchenden Gäste geht. Nicht nur ich verlief mich auf der Suche nach dem Klo erst mal ins Zimmer. Am Nachmittag machen wir uns endgültig auf den Weg ins Tal, zurück nach nach Vent. Den  Schlenker über die Breslauer Hütte haben wir längst abgehakt. Selbst ohne Diesen sind wir erst nach 2 1/2 Stunden zügigen Abstiegs  am Rand von Vent.  Es geht auf 18 Uhr zu und wir brauchen noch ein Quartier. Der Geierwallihof, der anfangs auserkoren war, ist zu teuer. Über 100.- pro Nacht; kein Wunder dass sie auf ihrer Website  die Preise verschweigen. Der gegenüberliegende Gasthof zeigte sich beim Näherkommen ziemlich runtergekommen- als weiter: noch eine halbe Stunde bis in den Ort. Ein verblüffter Blick zurück: hinter uns ballten sich die Wolken im Gebirge. Ein ganz ungewohnter Blick. Dann müssen wir noch einen Gang zulegen- es fängt an zu regnen. Ja, gibts denn das?  In den ersten Häusern ist nicht frei oder es ist zu, dann stehen wir im Haus Eberhard. Die freundliche Chefin offeriert für 40.- incl. Frühstück ein Zimmer mit Etagendusche. Top. Zum Abendbrot die paar 100 m zum Restaurant müssen wir mit dem Auto fahren, so sehr regnet es. Danke, lieber Wettergott, dass du so lange damit gewartet hast.

Sonntag 20.08.2012  Nach sehr leckerem Frühstück bei Fam. Fimml  fahren wir erst das Ötztal Richtung Grenze bis zum Beginn der Mautstrecke hinter Obergurgl hoch und statten dann  noch dem Zillertal einen Besuch ab. Hinter Mayrhofen haben wir genug gesehen (Ötztal ist schöner) und wenden uns endgültig der Heimat zu. Mit einem Stop in Waldkraiburg (einem Städtchen zwischen München und Passau). Hier wohnen Beates Schwester Katrin und ihr Freund Udo, die sich gerade ihr neues Auto wohnmobiltauglich umgebaut haben und dieses stolz präsentieren. Dann gabs noch ein gemeinsames Abendessen beim Chinesen, typisch bayrisch halt, und um Mitternacht waren wir wieder zu Hause. Zum Glück ist n.d.U.v.d.U.