Schon so lange wollten wir ein Tour durch die Griechische Inselwelt machen. Sporaden, Kykladen und wie die alle heißen. Bei der Recherche im Net stieß ich auf Santorini, die eine der schönsten Inseln der Welt sein soll. Also wurde bei Air Berlin ein Hinflug für rund 420.- für Zwei incl. Sitzplatzreservierung und Fahrradmitnahme für den 19.10.2011 gebucht. Nur Hinflug, weil Air Berlin dann den Flugverkehr in dieser Gegend einstellt und erst wieder im Frühjahr aufnimmt. Aber bei Aegean Air sind ganzjährige Rückflüge kein Problem (nur etwas teurer, gut 500.- für Zwei).Schon beim Anflug sahen wir, mit Blick auf die 300 m hohen Kraterwände, dass wir eine gute Wahl getroffen hatten:  
 
   
 
  Nach der Landung schraubten wir die Pedale an die Fahrräder, stellten die Lenker gerade und ab ging es nach dem Luft aufpumpen in den strahlend blauen Inseltag. Für die ersten 2 Tage war über booking.com ein Studio für 80.-/ Tag im Apanemo- Hotel vorgebucht. Von der Terrasse des Appartments hatten wir einen traumhaften Blick über die Caldera (den Einsturzkrater des Vulkans) bis zu den Nachbarinseln…. und erst die Sonnenuntergänge…….
 
   
 
  So hätte es sein können! Aber es kam etwas anders…….Anders, aber nicht unbedingt schlechter.  
 
 
Montag, 03.10.2011 Betti, als Teil der Kalymnos- Reisegruppe, ruft uns an, und erzählt, dass ihr Flieger, statt am 05.10. zu fliegen auf den 04.10. vorverlegt wurde. Grund: Streiks in Griechenland. Und der nächste Generalstreik soll am 19. sein. Wir ahnen nichts Gutes….
Besorgte Anrufe bei Air Berlin werden abgewiegelt: machen Sie sich keine Sorgen, wir fliegen. Am 17. Oktober ist auf der AB- Seite zu lesen: Flug anulliert. Anruf: nein, ein Fehler, kurz darauf der Flug wieder drin. Dann abends nach 20 Uhr e-mail von AB: Flug startet statt 19.10. am 18.10. um 8:40, also 24 Stunden eher. Das geht bei uns natürlich gar nicht.Am 18. telefoniere ich mehrmals mit Air Berlin. Das muss man ihnen trotz Mehdorn lassen: der Service ist immer erreichbar. Eigentlich ist Streik höhere Gewalt- die Fluggesellschaft muß keinen Ersatz leisten. Aus Kulanz können wir aber auf ein anderes Ziel zu einem späteren Zeitpunkt in Griechenland umbuchen, um dann den Rückflug wie geplant am 25.10. mitnehmen zu können. Anderes Ziel ist gut; es gibt nur Thessaloniki. Aber das passt auch. Wir könnten die Küste runterbummeln und in Athen wieder wegfliegen. Also soll es so sein. Dann schon wieder eine e-mail von Air Berlin. Diesmal gehts um den Flug nach Thailand im November. Anulliert weil nicht ausgebucht. Danke Hr. Mehdorn! Aber auch hier fand sich eine Lösung (s. Reisebericht Thailand Nov. 2011). Zu guter letzt noch eine mail von booking.com: der Vermieter auf Santorini hat kostenlos storniert. Danke.
Freitag, 21.10.2011 halb sechs aufstehen und schnell nach Tegel. Lennart ist auch gleich da und übernimmt den Wagen. Nach Zwischenlandung in Stuttgart erreichen wir pünktlich am frühen Nachmittag Thessaloniki. Wir werden von der National- Autovermietung abgeholt (gebucht über billiger-mietwagen.de) und zur Station in 5 km Entfernung gebracht. Miete für die 6 Tage 168.- incl. alle km und volle Versicherung. ABER: im Kleingedruckten stand was von Einwegzuschlag, der sich dann als 250.- herausstellte. Gebucht war Ford Focus o.ä.; der Angestellte gibt ob des hohen Einwegzuschlags von sich aus ein Upgrade: wir fahren 1er BMW.
Von der Autobahn Richtung Athen, am Olymp vorbei, biegen wir nach ca. 80 km Richtung Osten zu Küste ab. Etwas überrascht stellen wir fest, dass tatsächlich die Bürgersteige hochgeklappt sind und fast alle Unterkünfte und Tavernen geschlossen sind. Aber “Anatoli” in Karitsa hat noch auf und für 25.- haben wir ein Bett und ‘ne kalte Dusche. Im Zelt am Strand bekommen wir reichlich Fisch und, die Entdeckung, Tsippouro, den griechischen Bauernschnaps. Mit Cola (m)ein Genuß. Und noch eine, diesmal wirklich unliebsame, Überraschung: der Grieche raucht noch im Lokal.
Samstag 22.10.2011 Die Sonne scheint ins Fenster, das Meer rauscht und die klamme Nacht ist schnell vergessen. Ohne Frühstück folgen wir der Küstenstraße ein paar km Richtung Süden. Endlich hat ein Café offen und wir essen eine Kleinigkeit. Das meiste, was auf der Karte steht, gibt es nicht. Sorry, die Saison ist vorüber.
Auf kleinen Strässchen (wir halten am ersten Baumwollfeld unseres Lebens) wenden wir uns wieder gen Inland, lassen Larissa links liegen und versuchen dann in Volos den Weg auf den Pilion zu finden. Der Pilion (“Daumen”) wird im Loose als eine der schönsten Gegenden Griechenlands beschrieben. Aber erstmal stecken wir in Volos im Verkehr fest. Eine große Stadt mit eigenem Flughafen, von der wohl kaum mal jemand bei uns gehört hat. Dann ein unscheinbares Schild und wir haben die Straße. Die Ausläufer von Volos und der zugehörige Müll begleiten uns noch eine Weile aber dann wurde es wirklich schön.
Per booking.de war im Örtchen Milina (ca. 40 km südlich von Volos) eine nett aussehende Unterkunft vorgebucht worden, das Sea Front (50.- pro Zimmmer und Nacht). Wie es so ist, erst schaut man ja doch, ob sich nicht noch was besseres findet, aber schnell war klar, dass dieses Mal per Internet die perfekte Wahl getroffen worden war. Etwas zurückgesetzt von der wenig befahrenen Straße schmiegt sich ein dreistöckiges Ensemble an den Hang, der bis zum Meer abfällt.
Ein älterer kleiner und sehr netter Herr (der Vater?) kommt heraus um zu schauen wer da die Ruhe stört. Eigentlich hätten wir gestern ankommen sollen, aber der Weg war nicht zu schaffen. Und in der LowSeason sollte es auf einen Tag eher oder später nicht ankommen, in Griechenland schon gar nicht. Leider spricht er “nur” griechisch, zückt aber sein Handy und stellt die Verbindung zum Hausbesitzer her, der uns auf auf englisch Willkommen heißt. Also dürfen wir uns von den Appartments Eines aussuchen und nehmen dieses hier:
Sonntag, 23.10.2011 Nach dem Frühstück mit Resten von im Toaster angewärmtem Brot (Überbleibsel des köstlichen Bauernsalates “Choriatiki” vom Vorabend), Käse sowie des zum Zimmer gehörenden Kaffee und Tee`s fahren wir bis zum Südzipfel des Pilion. Eine schöne, wenn auch nicht spektakuläre, Landschaft. Das Lesen der Schrift wird auch besser. Na, wie spricht man die Poseidongabel? Richtig, Psarotaverna, Fischtaverne. Aber nur in der Saison geöffnet. Nur der Müll hält sich nicht an die Jahreszeiten; der ist in Hellas omnipräsent. Beim Abflug in Thessaloniki lagen sogar auf dem Rollfeld Bierdosen, Colaflaschen und Plastikfetzen herum….
Irgendein kleines Dörfchen war im Müller als schwer zu erreichen, aber lohnend beschrieben. Heute geht eine breite Straße mit Standstreifen, das Ganze in die Felsen gesprengt, hierher. Das Örtchen behält davon unbeirrt seinen Charakter. Ein Glück auch.
Gut, das war die liebliche Westküste, an der das Meer eher zahm ist. Wie mag es wohl an der offenen See im Osten Richtung Türkei aussehen? Wir fahren vom Südzipfel wieder nordwärts, durch Milina und Argolasti und dann irgendwann rechts. Hier widersprechen sich Wegweiser, Landkarte und Karte im Müller. Einmal landen wir dem Wegweiser folgend (alles auf griechisch, aber wir könnens inzwischen lesen) im Nichts. Also wäre die einzig mögliche Abzweigung einen Versuch wert. Genau, hier schlängelt sich eine Straße, zum Betonweg werdend und am Ende steil abwärts bis ans offene Meer. Im Hintergrund sind die Sporaden- Inseln zu sehen.
Hier tobt ein ordentlicher Wind, fabriziert tolle Wellen und schaufelt Müll herbei. Es gibt eine kleine Kapelle und ein paar zerfallene Bootsgaragen. Und es ist kalt. Wir wollen zurück nach Milina zu Tsippouro und Choriatiki. Eine nette Geste: auf der Tischdecke ist die Karte abgebildet.
Montag, 24.10.2011 Gerade wollen wir los, da ruft jemand aus der oberen Etage :”Kamera! Delfini”. Und wirklich, es gibt sie noch. Schwamm doch tatsächlich ein Gruppe von 6- 10 Delfinen vor unserem Haus vorbei.
Unser nächstes Ziel heißt “Euböa” oder “Evia” wie es mit griechischen Buchstaben ausgeschildert ist. Wir fahren 1,5 Std. bis Glifa und hoffen, dass auch in dieser ToteHoseZeit Fähren nach Euböa unterwegs sind. Plan B wäre, auf dem Festland zur Südspitze Attikas (südlich Athens) wo es auch schön sein soll. Es bleibt bei Plan A. Alle paar Stunden geht eine Fähre über die Meerenge von 10 km nach Agiokambos. Am Abfahrtsort wie gewohnt fast alles zu; ein paar vermeintliche Asylbewerber hängen herum, und wir. An einem Cafè steht “wie sprechen deutsch” und weil’s offen ist bestelle ich einen Toast und einen Kaffee. Wir werden die einzigen Gäste des Patrones sein, denke ich. Nächste Woche will auch er zumachen.
Die Riesenfähre haben wir fast für uns allein. Euböa auch. Alle Ortschaften, die wir anfahren, gleichen Geisterstädten. Dabei gibt es an der wilden Westküste richtig knuffige Örtchen mit Pensionen direkt am Meer. Aber, wie gesagt…. Jetzt hilft nur noch ein Gewaltritt in die Hauptstadt Chalkis bzw. Chalkida, die wir in der Dunkelheit erreichen. Dunkel, Regen, schlechte Scheibenwischer, auf einmal viel Verkehr und keine Ahnung wohin. Also eigentlich schon: ins Zentrum. Aber 2 x landen wir auf dem Autobahnzubringer und erst mit Zeus’ Wohlwollen plötzlich genau an der Meerenge von Euripos, dem alten Zentrum. Die Meerenge spielte schon in der Antike eine wichtige Rolle. Schiffe, die nicht übers Meer außen ’rum fahren wollten, kamen hier durch und Chalkis kam durch die Zölle zu Wohlstand.
Ein Gewirr von zugeparkten Einbahnstraßen läßt uns das anvisierte Hotel Lucy zwar sehen aber nicht erreichen. Statt dessen stehen wir auf einmal dicht daneben, vor dem Hotel Paliria. Der Diensthabende sagt 60.- EURO und ich sage nach Besichtigung JA. Das Auto bleibt in einem Parkhaus um die Ecke. Schlüssel abgeben und ein Mitarbeiter verschwindet mit dem Wagen auf den Etagen. Früh gehts dann andersrum. Vom Balkon im 4. Stock hat man eine tolle Sicht auf die Stadt und die Meerenge. Mehrmals täglich ändert sich hier die Strömungsrichtung, wie wir gut beobachten konnten. Es wird berichtet, dass sich Aristoteles hier in die Fluten warf, um dieses zu erkunden und dabei 322 v.Chr. umkam.
So soll er ausgesehen haben.Abends schlendern wir etwas durch die Stadt, aber es ist kühl und ungemütlich, so dass wir uns bald unter einem Heizpilz im Vorgarten einer großen Gyros- Braterei niederlassen. Dort müssen schlechte Menschen wohnen, die ein kleines Kätzchen (zum mästen?) mit einer Kette am Kühlschrank angebunden haben. Die Hunde dürfen dagegen auf dem Abtreter des Sterne- Hotels schlafen.
Dienstag, 25.10.2011 Morgen geht der Rückflug. Jetzt gibt es 2 Möglichkeiten. Entweder über die Brücke aufs Festland oder weiter auf Euböischem Boden Richtung Süden und hoffen, dass eine der im Führer eingezeichneten Fähren in Betrieb ist. Gewählt wird Variante Risikooo. Auf gut ausgebauter Straße, anfangs am Meer entlang, später durch kahle Berge, erreichen wir nach 60 km Nea Stira, angeblich die Touristen- Hauptstadt Euböas. Endlich kommt ein wenig Spätsommer- Urlaubsgefühl auf. Es ist relativ mild, sonnig und mehr als 2 Hotels sind geöffnet. Auf der Promenade sind außer uns wenigsten 6 andere deutsche Urlauber in gesetztem Alter unterwegs.
Wir lassen uns erst ein Zimmer über einer Eisdiele zeigen; der Balkon geht aber genau zur Fähre heraus. Das könnte laut werden. Ein paar hundert Meter weiter sieht das Hotel “Delfini” einladend aus. Dieses scheint auf deutsche Pauschaltouristen spezialisiert zu sein. Überall deutsch Hinweisschilder und die Empfangsdame spricht auch unsere Sprache. Bei 45.- mit Frühstück können wir nicht nein sagen.
Bis zum Abend fahren wir noch in der Gegend herum, wandern sogar ein wenig an der schroffen Westküste, treffen eine Kletterheuschrecke und freuen uns auf des Abschiedsessen in der Fischtaverne in Nea Stira. Die ausliegende Speisekarte war voller Köstlichkeiten. Sch.. Nachsaison. Außer Pizza und Spaghetti wollte die Küche nichts zubereiten. Auch war es abends wieder ungemütlich kühl. Na gut, dann gehen wir eben zum heimischen Griechen essen, wenn wir wieder zu Hause sind.
Mittwoch, 26.10.2011 Beim Weggehen nach dem ordentlichen Frühstück wurde noch die Haustechnik im Installationsschacht gecheckt. Schottungen zwischen den Etagen: Fehlanzeige. Da können sich selbst Laien einen Reim drauf machen. Noch schlimmer aber war der fehlende Zweite Fluchtweg. Wenn ein Zimmer bis auf den Flur brennt, bleibt nur der Sprung aus dem Fenster…..Mit der wieder leeren fast Fähre setzten wir dann aufs Festland nach Agios Marina über. Athen war jetzt schon in Reichweite.
Wir waren auf historischem Boden unterwegs: Theben, Marathon, ständig Hinweise auf antike Stätten. Wir wollen nochmal das Meer sehen, fahren irgendwo zur Küste, genießen die Sonne und müssen dann wirklich zum Flughafen.
Am Abend sind wir nach Umstieg in München wieder in Tegel. Aus München wird ein Plüsch- Waschbär mitgenommen, der ab sofort bei Adeline wohnen darf (als Dank für die Bärenversorgung). Lennart holt uns ab und wird zum Dank in seine Wohnung gefahren. Donnerstag und Freitag gehen wir wieder arbeiten. Urlaub- und Vertretungszeit sind kostbar.Irgendwann gibt es einen neuen Anlauf auf die Kykladen und Santorini. Reisebericht folgt.