Schon wieder sollte Freitag der 13. unser erster Urlaubstag sein. Ob man wollte oder nicht- Erinnerungen an den Thailandurlaub 2009 (der auch am Freitag den 13. begann) kommen unwillkürlich hoch; auch das ewig schmerzende Bein trägt zur Erinnerung bei.Aber um es gleich vorwegzunehmen: es ist wieder mal eine schöne Rundreise durch für uns kaum bekannte Ecken gelungen. 

 

 

 
 
 
Freitag, 13.08.2010 Der erste Urlaubstag. Wie immer: noch nichts gepackt, ewig ausgeschlafen und keine Ahnung wo es hingeht. Auf dem Sideboard ein großer Stapel Reiseführer aus der Bibliothek und aus eigenen Vorräten: Slowenien, Italien West, Italien Friaul, nur Istrien, Kroatien, eine Adriakarte, Kletterführer Slowenien, Tschechenkarte. Nur eines ist sicher: nach monatelangem Sommerwetter ändert sich die Großwetterlage mit unserem Urlaubsbeginn. Im Osten und Südosten Mitteleuropas soll aber weiter gutes Wetter herrschen. Wir frühstücken also um 14 Uhr beim Schwantner Bäcker und fahren erstmal ins Osterzgebirge. Ist nicht so weit für den Anfang und die richtige Richtung ist’s auch. Im Hotel Lindenhof Holzhau sind per HRS 2 Doppel- und ein Einzelzimmer reserviert.
Warum das? Überraschenderweise war Inga ganz bedrippelt, dass wir zu ihrem Geburtstag nicht im Lande sein werden. Da wurde eben konspirativ ein bisschen telefoniert und Katrin kam mit Inga und Opa Wolfgang “rein zufällig” mal ins Osterzgebirge.
Samstag, 14. August Geburtstagsfrühstück mit Inga, Beate, Katrin, Wolfgang und mir. Diesiges Wetter, nicht zum Wandern oder Radfahren geeignet.
Katrin hat ne gute Idee: in Dresden gibts das Panometer (nie gehört), das würde sie auch zum dritten Mal besuchen. Also dann los: nach einer guten Stunde Fahrt sind wir in Dresden an 2 ehemaligen Gasometern angelangt, von denen einer zu einer Art Rundgemälde ausgestaltet wurde. Drinnen darf nicht fotografiert werden, aber das macht nichts- es wirkt nur vor Ort überwältigend. Ein Click aufs Foto rechts führt zur Seite der Betreiber. 
Dann müssen wir aber Tschüß sagen und uns alleine auf den Weg nach Süden in die Sonne machen. Wir fahren zum ersten Mal die neue Autobahn Richtung Prag (Vignette für 9.- Eur nicht vergessen) und bleiben kurz nach dem Autobahnende (das ja gar nicht weit hinter der Grenze ist… rrrr) im Baustellenstau stecken. Nach ewigem Gezuckel kommt es mir in den Sinn Melnik anzulaufen. Der Ort wo die Moldau in die Elbe fließt hat in meinen Ohren einen mystischen Klang. Aber die ganze Gegend ist ziemlich abgestoßen, es findet sich auch kein Hinweis auf Melnik Zentrum oder Hotels und schon sind wir dran vorbei und Richtung Prag unterwegs. Hier gibts wieder eine Autobahn die Richtung Zentrum führt. Plötzlich rollen wir über den Wenzelsplatz! Die Orientierung setzte wieder ein (obwohl ich über 20 Jahre nicht mehr in Prag war), wir lassen die Karlsbrücke links liegen und suchen und finden(!) einen Parkplatz. Was für ein Kontrast zu dem Land zwischen Grenze und Stadtrand. Die Stadt brodelt vor Touristen aus aller Welt, ist hochglanzpoliert… und nicht das was wir suchen. Groß laufen kann ich eh nicht, Beate will nur raus aus der Stadt… so geben wir den wertvollen Parkplatz auf und machen uns auf die Suche nach einer Unterkunft. Am südlichen Stadtrand, wo alles wieder ein bisschen nach Osten aussieht, klingeln wir an einer Pension. Ein schräger Typ läßt mich rein (puh, stinkt der nach Schweiß), ich sehe mir die Zimmer an, der Typ quatscht blödes Zeug… bloß weg hier. Langsam wird es dunkel…
Die nächste Stadt 20 km südlich von Prag heißt Beroun. Hier ist die Welt wieder in Ordnung. Im zweiten angefragten Hotel “Hotel Parkan” bekommen wir bei 2 netten Damen für 50.- ein sauberes Zimmer. In einem Restaurace am Marktplatz gibt es Bier für 80 Cent und Knödel… fast wie früher, nur besser. Denn jetzt hat man nicht nur 30 Kronen (das waren 10 Ostmark) pro Tag in der Tasche.
Auf jeden Fall sollte man sich das Örtchen mal merken, denn man ist in 20 min mit dem Auto in Prag. Neben unserem Hotelchen gibt es auch noch ein Best Western. 
Sonntag, 15.08.2010, Nach dem akzeptablen Frühstück machen wir uns auf den Weg nach Österreich- die Alpen rufen! Über Budweis geht die Fahrt durch mäßig interessante Landschaft; der Böhmerwald rauscht vorbei… dann sind wir in Austria und an der Donau. Das Pickerl, die Vignette für Österreich haben wir noch beim Tschechen für 12.- Eur gekauft. Rrrr.. die Brücke ist gesperrt, ewig kurven wir nach der Suche der Alternative durchs flache Land. Endlich geht es über einer Staumauer wechselseitig nach langem Warten an einer Ampel auf die Südseite der Donau und auf die Autobahn. Wir biegen ins Hinterstodertal ab und sind im Toten Gebirge. Das ist aber ‘ne schöne Gegend. Vom Parkplatz am Ende der Straße geht ein Weg zur Alm. Fahrräder raus und los! Nach wenigen 100m geht der Fahrweg in einen steilen Schotterwanderweg über- aus und umdrehen. Auf der Asphaltstraße geht es statt dessen 2..3 km bis ans wirkliche Ende der Straße. Im herrlichen Sonnenuntergang genießen wir bei Radler und Bratenbrot die 2einhalbtausendmeter hohen Berge. Schade dass ich nicht laufen kann; hier starten tolle Wanderungen zu den kahlen Kalkriesen. Na, mal sehen was sich morgen machen läßt.
Montag, 16.08.2010, wir haben im Schmalzerhof übernachtet. 72.- incl. Frühstück. Hübsche ruhige Anlage mit Ziegen, Karnickeln… Das Tal ist frei von Durchgangsverkehr und schön ruhig. Die Besitzer sind leider schon in die Jahre gekommen (noch mehr als wir). Man gönnt ihnen eher den Ruhestand als den Ärger mit den Touristen. Auch das Haus hat den Charme der 80er Jahre… sauber und o.k. aber irgend wie alles mit Patina. Trotzdem empfehlenswert. Ach so, der Regen hat uns eingeholt, also weiter!
Nach Süden nach Süden…. und schon sind wir in Slowenien. Die Vignette kostet stolze 16.- Eur für 10 Tage. Wir wollen ans Meer… Slowenien ist ein kleines Land, 20.000 km² (ein Fünftel der DDR), 2 Mio Einwohner… die Autobahn nach Koper führt an die 40 km lange Adriaküste. Im Örtchen Izola bleiben wir abends hängen.. eine schöne Uferpromenade mit unzähligen Lokalen lädt zum Verweilen ein… Die Anfrage im ersten Hotel “Hotel Marina” (auf dem Bild ganz links mit dem roten Dach) ist erfolgreich: Ja, ein Zimmer ist frei, 100.- Eur. Nö, das ist zu teuer, wir suchen was anderes. Denkste! Nach 1,5 Stunden kehren wir reumütig zurück und sind froh dass das Zimmer noch zu haben ist. Mit etwas Mühe hat man sogar Meeresblick.
Als wir nach dem Abendessen an der Uferpromenade- hmm lecker Fisch und Wein- ins Bett sinken wollen, kommen Erinnerungen an Mexico hoch: was brummt hier so penetrant? 2 Stockwerke über uns muß eine Lüftungs- oder Kühlanlage stehen. Der herbeigeholte Nachtdienst bestätigt unser Gehör und bietet ein Ersatzzimmer an: dieses hat aber nur den Blick zum Innenhof voller Tauben und den zugehörigen Exkrementen so dass wir im Brummzimmer bleiben. Immerhin gab es am nächsten Morgen beim Bezahlen 10% Nachlass.
Der Sonnenuntergang war übrigens grandios….
Dienstag, 17.08.2010  Ausgeschlafen und gut gefrühstückt fiel die Wahl auf das nahegelegene Klettergebiet von Osp. Woher kannten wir das? Nun, vor 1 Jahr wollte Globetrotter Berlin den Kletterführer Slowenien statt für 24.- für 5.- loswerden. Habe ich mal einfach mitgenommen… man weiß ja nie.
Es gibt einen kleinen Zeltplatz, jede Menge Ruhe, eine Bar, ein Restaurant und hunderte Wege. Wir machten 3 Wege im 4er Bereich (jawoll, im 4er!) Dann lief der Schwitz wie in den Tropen und Kopf sagte bei Weg Nr. 4 “hier kannst du dir wehtun” so dass wir nach 2 Stunden weiterzogen… .Richtung Kroatien.
Nach kurzer Zeit sind wir vor der Grenze nach Kroatien. Der kleine Hunger kommt…. und tatsächlich gibt es in jedem Dorf davor eine Gostilna. Ich kann nicht mehr widerstehen….. in Gracice halten wir an und haben es richtig getroffen: im Lokal werden eigene Weine angeboten. Der Wirt bringt ‘ne Kosteprobe weiß und rot. Rot fällt durch aber 3 Liter honiggelber Malvazija werden nach Deutschland verschleppt. Wenn wir schon mal sitzen….. ne Pizza geht auch noch rein. Meeresfrüchte mit Sardelle… so lecker kann das der deutsche Italiener nicht! Den Wirt hat’s sichtlich gefreut.
Wir fahren zur Istrischen Ostküste (Kroatien), die nach Reiseführer 2008 untouristisch und unterentwickelt sein soll. Keine Ahnung wo der Autor war… hier ist alles nur voller Menschen. Allerdings: die Strecke von der Grenze ins Land war atemberaubend schön mit den vielen Kalkabbrüchen und Steilwänden. Nun, wir fragen und schauen ein wenig: am Ende übernachten wir auf einer Lichtung in einem Wäldchen. Aber auch die war nicht einfach zu finden! Jeder Weg endete normalerweise an einem Haus. Vor dem Schlafengehen fuhren wir in die nahegelegene Stadt zum Dinner. Toller Blick auf’s Meer über eine alte Mauer . Im schönen Tourilokal war nur noch ein Tisch neben einer holländischen Familie mit 2 lauten Kindern frei. Die würden aber bald zahlen. Als sie weg waren kam eine holländische Familie mit 3 Kindern…. Aber der Wein heilte den Schmerz.
Mittwoch 18.08.2010  Genug gesehen vom kroatischen Istrien. Wir fahren Richtung Slowenien zurück, sind enttäuscht von allen angeblich malerischen Örtchen an der West- Küste weil nur voll, laut und nochmal voll. Dann kurz vor der Grenze wo es laut Reiseführer unschön sein soll wird es ruhiger und verleitet fast zum dableiben. Weil wir noch nicht gefrühstückt haben gibt es zum Mittag die Meeresfrüchteplatte .
Wie gesagt, vor der Grenze nach Slowenien wurde es immer netter und der nach Reiseführer unlohnendste Ort Umag war der angenehmste! Am Meer gibt es mehrere Lokale direkt am und über dem Wasser. Müssen wir nochmal hin!
Wir kehren über die Küstenstraße nach Slowenien zurück. Eine mehr symbolische Kontrolle am Eingang zur EU. An Koper vorbei kommen wir nun nach Italien, lassen Triest links liegen, biegen rechts nach Goricia ab (noch Italien) und kreuzen nach Nova Gorica (Slowenien). Irre, was dank EU und Schengen möglich ist. Das hätte vor 10 Jahren noch Stunden dauern können.
Wir fahren die Straße im Soca- Tal nordwärts. Die Witterung ist ziemlich feucht.
Das Örtchen Tolmin soll lohnend sein, wir wollen hier eine Unterkunft suchen. Die Pension Kobala etwas außerhalb scheint perfekt zu sein: neu, sauber und gemütlich; 62 .- fürs Zimmer. “High season” sagt entschuldigend die blonde ca. 15jährige Tochter des Hauses.
Wir sagen “vielleicht” und wollen noch ein Klettergebiet für den nächsten Tag besichtigen. Abgesehen davon dass es auch morgen zu feucht sein wird, bekommen wir die Felsen auch nach einer halben Stunde Fußmarsch (aua aua) nicht zu Gesicht. Wir würden hier nicht klettern weil wir zu alleine wären im Falle eines Falles….. Zurück in der Pension offenbart uns die Tochter, dass es nicht zu essen gibt; lohnt sich nicht. Wir mögen doch nach Tolmin fahren. Wenn wir wiederkommen sollen wir das, was wir noch an Getränken vernichten, einfach auf einen Zettel schreiben. In Tolmin ist tote Hose. Das beste ist noch eine Pizzastube, wo auch Slibovitz nach dem Essen zu haben ist. Abends lesen wir noch in der Pension und schreiben einigen Hauswein auf den Zettel.
Donnerstag 19.08.2010  Sehr gut geschlafen; es folgt ein herzhaftes Frühstück mit frischem Kaffee, Schinken und Wurst. Wir fahren das Soca Tal weiter Richtung Norden.
Was einem gar nicht geläufig ist, ist, dass auch oder gerade hier im ersten Weltkrieg die Front mit den erbittertsten Kämpfen verlief. In Kobarit (früher Karfreit) gibt es ein Museum über die furchtbaren und sinnlosen Kämpfe damals. Wenn ich an die Fotos vom Kriegsschauplatz denke, graut es mich jetzt noch….
Hier ein Zitat aus einer österreichischen Zeitung: In der Österreichischen Geschichtsschreibung wird es als „Wunder von Karfreit“ bezeichnet, manche Militärhistoriker treiben die Etymologie auf die Spitze und würdigen das „Karfreitag-Wunder“, obwohl es sich in den Morgenstunden des 24. Oktober 1917 ereignete. Und der slowenische Ort Kobarid kann ja wirklich nichts dafür, daß er auf deutsch Karfreit heißt. Zu alledem hat sich das Wunder gar nicht in Karfreit, sondern in Bovec/Flitsch/Plezzo zugetragen.Dort – in Bovec/Flitsch – bildeten nach der 11. Isonzoschlacht die Truppen der 2. Italienischen Armee einen schier uneinnehmbaren Sperrriegel durch die Sohle des Socatales/Isonzotales. Doch am 24. Oktober durchbrachen die Österreichisch-deutschen Verbände des 1. Korps der 14. Armee in einem wunderbaren Furioso den Verteidigungsriegel der Gegner. Der nun einsetzende rasante Sturmlauf der sowohl im Tale als auch über die Berge angreifenden 14. Armee konnte erst am 12. November am Ufer des Flusses Piave gestoppt werden.In der Zwischenzeit ließ sich der Oberste Kriegsherr Karl in seiner Staatskarosse in Siegerpose durch das von Italienern restlos gesäuberte Socatal (Isonzotal) führen. Beeindruckt heftete er in Kobarid/Karfreit dem Kommandanten des 1. Korps, General Alfred von Krauss, den nächsten Orden auf die stolzgeschwellte Brust.

Die teils in den Fels eingehauenen und teils mit Beton überdeckten Stellungen der Italiener galten tatsächlich als uneinnehmbar. Da mußte schon eine Wunderwaffe her, die bis dato im Kriegsverlauf noch nie eingesetzt wurde, die völlig neu war für die mit bodenständigen Kriegsmaterialien vertrauten Infanteristen und Artilleristen und deren verheerende Auswirkungen weder von Feind noch von Freund richtig eingeschätzt werden konnten: Giftgas.

111.000 Gasgranaten setzten die deutsch- österreichischen Verbände ein, schrieben slowenische Historiker. Die Gasgranaten wurden ergänzt durch die 894 in den Boden eingegrabenen Minengaswerfer eines deutschen Gaswerferbataillons. Die Mine, eigentlich ein einfacher Metallbehälter, der oberhalb mit einem Zünder und explosivem Material ausgerüstet war, wurde mit 12 bis 15 Liter Phosgen bzw. Di-Phosgen unter Druck gefüllt. Sie wurde mit Hilfe einer elektrisch gezündeten explosiven Ladung abgeschossen. Auf Granaten und Minen waren blaue und grüne Kreuze gepinselt. Die „Blaukreuze“ enthielten den Reizstoff Diphenylchlorarcin, der über Reizungen der Schleimhäute zu Niesen, Husten und Erbrechen führte. Die „Grünkreuze“ waren mit Phosgengasen gefüllt, die absolut tödlich wirkten. Beim Angriff wurde zuerst der Reizstoff „Blaukreuz“ abgefeuert, der die Italiener zum Herunterreißen ihrer Gasmasken zwang. Das danach abgeschossene „Grünkreuz“ wirkte schon in kleinster Dosis tödlich.

Am 24. Oktober des Jahres 1917 begann die 12. Isonzoschlacht um zwei Uhr früh mit dem Befehl „Feuer“. Vielleicht glaubten die einfachen Soldaten, daß sie ihre gewohnten Granaten abfeuerten, auf die zwecks Unterscheidbarkeit ein blaues oder ein grünes Kreuz gemalt war. Wahrscheinlich hatte keiner von ihnen in seinem bisherigen Kriegsleben irgendetwas gehört von Stoffen wie Phosgen oder Di-Phosgen. Sicher wußte niemand, daß der Einsatz dieser Giftgase in der Haager Konvention verboten war, und unter „Haager Landkriegsordnung, HLKO, 2. Abschnitt“ hätte jeder nur Bahnhof verstanden.

An die 100.000 Gasgranaten, dazu 900 andauernd feuernde Minenwerfer – die Wunderwaffen hielten, was die Heeresleitung sich von ihnen versprach. Vier Stunden lang – von 2 bis 6 Uhr – prasselten die Granaten und die Minen auf die gegenüberliegenden Kavernen und Erdlöcher. Die Italiener wurden im wahrsten Sinn des Wortes im Schlaf überrascht: Sie erstickten in den Unterständen und in den Schützengräben; manche schafften es nicht mehr, ihre noch dazu untauglichen Gasmasken aufzusetzen; wer sie aufsetzte, riß sie in Todesangst wieder hinunter; wer sie nicht herunterriß, erstickte trotzdem, da das Giftgas Phosgen mühelos durch die schwachen Kohle-Filter drang; neben ihnen verreckten die Ratten und die Zugtiere; in den Kavernen wurden die Fernsprecheinrichtungen zerstört, aber es lebte ohnehin keiner mehr, der sie bedienen konnte.

Um 6 Uhr lag in der Talsohle eine Nebelsuppe aus tödlichen Giftgasen. Von nun an bis 8.30 Uhr feuerte die Artillerie und machte alles dem Erdboden gleich, was sich mit Glück oder Zufall dem tödlichen Gift entziehen konnte. Die Kriegsberichterstatter meldeten, daß 40.000 Italiener in den Morgenstunden des 24. Oktober 1917 gefallen sind.

Mit solchen Fangeisen ging man auch gegen den Feind vor.
Nach einigen weiteren km flußaufwärts stoppten wir spontan an einer Brücke. Hier waren auch Paddler beim Einsetzen zu beobachten. Noch spontaner wurden die Räder rausgeholt und wir rollten auf der straßenabgewandten Seite flußaufwärts. Immer wieder waren, meist deutsche, Paddler mit ihren bunten kleinen Booten und einer Mordsausrüstung zu sehen. Das schien doch etwas übertrieben. Auf der Karte unten (draufclicken zum Vergrößern) sieht man, wo die wirklich schwierigen Teile sind.
Nach einigen km durch friedliche Landschaft kam rechts ein Abzweig mit Hinweistafel zu einem Gefechtsschauplatz aus dem 1. Weltkrieg. Da zu einer Mountainbike Tour auch bergauffahren gehört, gab es kein zögern und los gings. In der hohen Luftfeuchtigkeit lief der Schwitz bald wieder in Bächen an mir runter. Es wurde steil und blieb steil. Wir kamen aber nicht aus der Vegetationszone raus, so dass die Hoffnungen schwanden, das Ziel jemals zu erreichen. Lediglich Wegweiser mit Zwergen! auf alten Feldpaten gemalt und mit Stacheldrahtresten umwickelt wähnten wir als Indizien auf dem richtigen Weg zu sein. Irgendwann zweigte der Zwergenweg nach unten zu einem Gebirgsbach ab. Aber außer überall Gartenzwerge, ganze und kaputte, gab es nichts zu sehen. Weiterradeln ging auch nicht; zu Fuß auf einer nun nur noch Pfadspur brachen wir bald ab wegen Brennesseln und Aua.
Und was kommt nach so einem anstrengenden Ausflug? Richtig: Durst und Hunger! Der gemütliche Gasthof war schon bei der hinradelei aufgefallen. Ich konnte mich nicht zwischen Kavapcici und Gulasch entscheiden, also brachte die dicke nette Kellnerein von jedem die Hälfte. In dem ruhigen Örtchen gibt es reichlich Zimmer; kann man sich merken: Cezsoca, mit so Häkchen über den C, also Tschezsotscha.
Nun sollte es über die heutige Grenze nach Italien rübergehen, aber eine aufregende Hochstraße kam dazwischen. Die wurde von den Italienern zwischen Frühjahr und Herbst 1940 gebaut. Das kann man sich nicht entgehen lassen. Am Ende der Straße (2055 m über dem Meer) stand ein wunderschöner weißer Kalkfelsen, der Mangart mit 2677 m. Ein toller Anblick. Aber es war schon spät und die 2 Std. gem. Wegweiser hätte ich eh nicht laufen können. Wir hätten in der nahe gelegenen Hütte übernachten können (mit dem Auto vor die Berghütte), aber irgendwie zog schon Italien.
So waren wir also bald im Friaul, einer abgelegenen italienischen Provinz. So abgelegen, dass in den wenigen Örtchen keine Unterkünfte waren und wirklich kein Abzweig zur Autoübernachtung da war , weil die Straße in einem engen Flußtal verlief. Einmal gab es unter bizarren hohen Kalkfelsen einen Wintersportort mit nem offenen Hotel. Ein Blick ins Zimmer genügte um die 80.- Eur zu sparen. Es dämmerte und wurde dunkel. Inzwischen an einer Hauptstraße angekommen, gab es zwar wieder Hotels; aber an der Straße…. der Lärm… Nun war es zu spät. Also rein und für 50.- Eur ohne Frühstück die Nacht rumkriegen. Schweigen wir über Details…..
Freitag, 20.08.2010 Lauwarm duschen, dem zahnlosen, schon draußen rauchenden Patrone zulächeln und ohne Frühstück los. Über den Plöckenpass (1.380 m) ging es wieder nach Austria. Wir wollten an die guten Erfahrungen aus dem Stodertal anknüpfen, bevorzugt Täler ohne Durchgangsverkehr anzulaufen, sozusagen “Sacktäler”. Nach Karte schien das Mölltal in den Tauern vielversprechend. Es ging zwar hoch hinauf, aber die kleine gesperrte Straße, die wir schon für unsere Fahrräder auserkohren hatten, war, man höre und staune, für Fußgänger und Radler (Autos sowieso) gesperrt. Dann eben ohne uns! Alternativ sah das Maltatal bei Gmünd in Kärnten auch gut aus. Am Beginn der Maltatal- Hochalmenstraße sind zwar ein paar Eur Maut fällig, aber es lohnt sich. Oben steht am Stausee ein futuristisches neues Hotel, das aber so ungemütlich ist, daß wir dort nicht bleiben wollten. Aber erstmal die Räder aus dem Auto geräumt und ab Richtung Stausee.
Immer ein bisschen bergauf und bergab taucht man langsam in die Tauernbergwelt ein. Nach der zweiten Hütte sind kaum noch Touristen zu sehen. Ein Einheimischer sagt irgendwas zu mir. Ich bin ja nicht ungeübt im Verstehen von südlichen Mundarten, aber ich schaue ihn nur fragend an. Ob wir zur Osnabrücker Hütte wollen, fragt er sichtlich angestrengt nochmal auf deutsch. Hm keine Ahnung… doch, macht mal, sagt er es lohnt sich und ist nicht allzu weit. Am nächsten Wegweiser steht “Osnabrücker Hütte 2 h”; zu Fuß natürlich. Also immer am See entlang und dann langsam bergauf. Die Tierwelt erstreckt sich auf Rinder, Ziegen und unsichtbare, nur hörbare Murmeltiere. Die Hütte kommt in Sicht, ein letzter Aufschwung, geschafft.
Am Ende des Tales steht ein formschöner Gipfel, die Hochalmspitze, 3.360 m. Nach Wegweiser eine 5 -Stunden -Wanderung. Der Wirt meinte, es sind eher 6 Stunden, da wegen des zurückgegangenen Gletschers Umwege dazukommen. In der Hütte gibt es Zimmer und nicht nur diesen fürchterlichen Schlafboden… wir können uns vorstellen, nicht das letzte Mal hiergewesen zu sein.
Die Bergidylle wird etwas getrübt durch balgende und schreiende Kleinkinder, die m.E. hier nicht zu suchen haben. Hochgekarrt von lieben Eltern, die keinen Schritt ohne die lieben Kleinen gehen und nur deren Bestes wollen. Das Nabenschaltungs- Stadtrad mit dem süßen Anhänger wurde auf halber Strecke stehengelassen und der Nachwuchs wurde unter dem Arm raufgeschleift.
Nach dem unvermeidlichen Radler, Quark mit Früchten für Beate und zünftigen Rauchfleisch (Kassler) mit Knödeln für mi machten wir uns auf den Rückweg. Am erwähnten Stadtrad vorbei (habe die Luft NICHT rausgelassen), wieder am Stausee entlang, kam wieder die Lust auf, doch hier zu bleiben. Aber die Hütte auf dem Wege war schon ausgebucht; hätten mal auf dem Hinweg nachfragen sollen. Nun denn, nach der schönen Tour haben wir uns eigentlich zum Abschluß was Gutes verdient…..
“Beatchen, heute gönnen wir uns ein 4 Sterne Hotel mit Sauna und Schwimmbad”. Das sollte so schwer zu finden nicht sein; auf der Hochfahrt waren einige größere Häuser zu sehen gewesen. Und richtig, bald tauchte linkerhand ein Schild mit 4 Sternen und Hinweis auf Sauna auf. Lag ein Stück von der Straße weg, spät genug wars auch, also warum nicht. Im “Malteiner Hof “ war auch ein Zimmer frei. Bei der Frage was es kostet mußte die nette Schwarzhaarige erst anfangen zu rechnen. Ich meinte, ob die Angaben im Prospekt noch in Schilling seien? Aber sie sagte hier sei nur der Preis für eine Person angegeben…. Nun denn, sie würde auch die gerade ausgeschaltete Sauna wieder anmachen und wir sollten dran denken dass um halbneun Küchenschluß ist.
Nach einem Trunk in der Abendsonne hatten wir dann die Sauna für uns allein. Die gute Frau muß auf 100 °C gestellt haben, es war herrlich, aber kaum auszuhalten. So waren wir nach 3 Runden pünktlich wieder oben, um die Küche zu testen. Oben, weil die Sauna im Keller lag… und leider nicht das Prachtstück des Hotels war: überall Kunstblumen, Hozbänke statt Relaxliegen, Nylongardinen an den Lichtschachtfenstern (die wenn geöffnet voller Spinnenweben und toten Insekten waren), der Umkleideraum als Abstellplatz mißbraucht… Naja, ne Sauna hat hier wohl einen anderen Stellenwert als bei uns im Norden. Wir dachten an die Saunalandschaft im Lindenhof am Anfang der Reise, wo sogar gekühltes Wasser für die Gäste bereit stand- bei ohne Sterne. Das Abendessen war o.k. hatte aber nichts mit den kulinarischen Höhenflügen zu tun, die im Hausprospekt und auf der Website versprochen werden. Wenn schon Pangasiusfilet und Zander auf der Karte stehen- mehr sage ich nicht. Apropos schlemmen, das Frühstücksbuffet war zum richtig satt essen: hingestellte Berge von Formfleisch- Schinkenimitat und Schnittkäse warteten auf ihre Esser, die auch reichlich erschienen. Wir begnügten uns fast nur mit der Müsliecke… Das ganze Haus ist mehr auf Langzeiturlauber im FDGB- Stil zuschnitten denn auf 4-Sterne- Liebhaber. Dazu passt auch das lose Waschbecken im Bad, die Risse in den Badfliesen, der Rost in der abgeplatzten Duschtasse, die abgegangene Scheuerleiste im Zimmer, die kaputten Glühbirnen in den Leuchtern des Restaurants, die verschmorte Steckdose am Büffet…..
Klingt wie meckern, ist aber eher die Enttäuschung über ein durchaus liebevoll geführtes Haus, in dem die Besitzer vielleicht Anspruch und Realität aus den Augen verloren haben…..Samstag 21.08.2010 Egal, nun gehts nach Hause. Das Wetter stabilisiert sich zu Kaiserwetter- Danke. Die Chefin warnt uns vor der Autobahn: Blockabfertigung in alle Richtungen an Katschberg- und Tauerntunnel. Zumindest den Tauerntunnel wollten wir sowieso umfahren; wirds eben ein bißchen länger. Es ging an den Schigebieten Obertauerns entlang und etwas kribbelte noch in mir: eine kleine Radrunde wäre schön zum Abschied. Links war ein Abzweig zur Gnadenalm, rechts ein Wegweiser zum Tauernkar. Dass auf den 5 km über 400 Höhenmeter zu überwinden sind habe ich erstmal für mich behalten 😉 Der Tauernkarsee auf 1.658m, so muß es auch in Kanada aussehen.
Man braucht eigentlich keine Schaltung am Rad, der vorletzte Gang hätte genügt. Oben saßen wir lange in der Nachmittagssonne, schauten Leute… ich gönnte mir mal einen Brotzeitteller. In der Hütte brannte ein offenes Feuer- urgemütlich, wenn auch touristisch, einige Gäste kamen zu Fuß von unten, die Mehrzahl mit dem Geländewagen.
Es ist schon nach 4, wir müssen nun wirklich nach Hause. Na gut, einen kleinen Schlenker machen wir doch noch, wenn wir schon mal hier sind. Das Dachsteinmassiv sahen wir schon bei der Auffahrt zur Tauernkaralm; dann können wir auch noch vorbei fahren. Über Schladming, Ramsau bis Filzmoos. Was ist das für’n Felsen? Aha, die Bischofsmütze. Wieder eine Gegend die unbedingt nochmal besucht werden muß!
Alles ist Sonnabendabend staufrei, nur die A8 Salzburg Richtung München nicht. Also dürfen wir noch die Umleitungen über Traunstein und weniger bekannte bayerische Städtchen nutzen.Sonntag 22.08.2010 kurz vor 1 Uhr früh: wir sind zu Hause. Keine ernste Post, das Gras steht auch nicht so hoch wie erwartet. Gute Nacht.N.d.U.i.v.d.U.